Innovation Finanznot bremst Öko-Gründer

Von Stefanie Köhler 

Kompostieranlage der Jettinger Firma Smartcarbon. Hier werden Bioabfälle zu Kohleprodukten verwertet, um Energie zu erzeugen und Flüssigdünger.  Foto: Smartcarbon
Kompostieranlage der Jettinger Firma Smartcarbon. Hier werden Bioabfälle zu Kohleprodukten verwertet, um Energie zu erzeugen und Flüssigdünger. Foto: Smartcarbon

Junge Unternehmen mit ökologisch korrekten Produkten haben lange ein Schattendasein geführt. In Zeiten von Energiewende oder Ressourcenknappheit werden die raffinierten Ideen grüner Gründer immer wichtiger. Doch die kleinen Firmen aben es oft schwer, an Gelder zur Umsetzung der Technologien zu kommen.

Stuttgart - Rund um die Uhr arbeiten die Tausenden Würmer im sieben Quadratmeter großen Behälter. In der Halle in Stuttgart-Weilimdorf ist es trotz des Gewusels ruhig. Und es stinkt nicht, obwohl die Tierchen buchstäblich im Abfall wühlen. Ihre Mission lässt sich vereinfacht so erklären: Die Würmer machen Dünger aus Biomüll. Das tun sie für Nadine Antic (29), die Geschäftsführerin von Global Flow.

Die Firma berät seit 2011 Kunden, wie sie Müll vermeiden und wiederverwerten können. Während die Art der Düngerherstellung mit Würmern in den USA und in Indien üblich sei, „ist sie in Deutschland kaum bekannt“, sagt Antic. Künftig will Global Flow jedes Jahr 150 Tonnen Dünger produzieren. Doch dafür muss eine größere Anlage her – und 150 000 Euro.

Die Summe, die die vier Gründer des Karlsruher Unternehmens Ineratec für ihre Erfindung brauchen, hat eine andere Dimension: mehr als eine Million Euro. Dann können die Ingenieure ihren chemischenReaktor, der Gas in synthetische Kraftstoffe umwandelt und speichert, auf den Markt bringen. „Der gesamte chemische Prozess lässt sich in einen Container packen und dezentral bei bisher ungenutzten kleinen und mittleren Energiequellen wie Bio- oder Klärgas, aber auch kleinen Erdgasquellen aufstellen“, beschreibt Tim Böltken (29) eine Besonderheit der Anlage. Nun suchen die Unternehmer einen Investor und strategischen Partner, „der unsere Vision teilt, ein flächendeckendes Netz mit den Anlagen aufzubauen“, sagt Böltken.

Wegweisende Technologien

Gründer mit grünen Geschäftsideen, das heißt ökologisch korrekten Produkten,haben in Deutschland lange ein Schattendasein geführt. Das ändert sich allmählich. „Man hat erst vor einiger Zeit erkannt, welches Potenzial in grünen Gründungen steckt“, sagt Gründungsforscher Ralf Weiß vom Borderstep-Institut für Innovation und Nachhaltigkeit. Mit ein Grund seien der anhaltende Rummel um IT und der Fokus auf klassische Bereiche wie die Autobranche oder Maschinenbau. Die sogenannte Green Economy (grüne Wirtschaft), zu der grüne Gründer zählen, ist dagegen ein Querschnittsbereich, der fast alle Branchen betrifft. Die Abgrenzung ist schwierig.

Fakt ist: Die Green Economy ist ein wichtiges Wachstumsfeld. In Zeiten von Energiewende und knappen Ressourcen boomen Dienstleistungen und Produkte, die Umwelt und Rohstoffe schonen. „Der Bereich ist bedeutend für die Sicherung von Baden-Württemberg als Produktionsstandort“, sagt Hannes Spieth, Geschäftsführer der Umwelttechnik BW.

Die Landesagentur für Umwelttechnik und Ressourceneffizienz entstand 2011 auch deshalb, weil die Unternehmensberatung McKinsey für das Land vier Zukunftsfelder mit hohem Wachstumspotenzial ermittelt hat, darunter Umwelttechnologien und Ressourceneffizienz. In der Studie heißt es: „Wenn die Weichen im Land richtig gestellt werden, könnte in Baden-Württemberg damit bis 2020 ein Zuwachs der jährlichen Wertschöpfung in Höhe von 30 bis 45 Milliarden Euro erreicht werden.“ Das Land finanziert die Agentur jährlich mit einem Grundbudget von rund 1,1 Millionen Euro.

Lesen Sie jetzt