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Innenminister Friedrich „Arbeit mit Neonazi-V-Leuten professionell“

Claudia Lepping, vom 11.02.2012 05:00 Uhr
Innenminister Friedrich Foto: dapd
Innenminister Friedrich Foto: dapd

Berlin - Um die Neonazi-Mordserie an Ausländern aufzuklären, wurden Untersuchungsausschüsse und eine Regierungskommission einberufen. Innenminister Friedrich verspricht, ihre Arbeit nach Kräften zu unterstützen.


Herr Minister Friedrich, Neonazis konnten 13 Jahre lang untertauchen, morden und rauben. Was ist schiefgelaufen?

Es gab nach derzeitigem Erkenntnisstand nirgends einen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen der Mordserie und der Zwickauer Neonazi-Zelle. Wir haben auch keinen Beleg dafür, dass eine andere Sicherheitsstruktur von Verfassungsschutz oder Polizei geeignet gewesen wäre, diese Verbindung aufzudecken. Allein in der Nürnberger Untersuchungskommission gibt es 1200 Aktenordner, dort wurde jeder kleine Hinweis verfolgt – aber es gab, soweit ich derzeit weiß, keinen Hinweis auf Zwickau. Die andere Frage lautet, ob die Behörden jenseits der Mordserie an Ausländern nicht früher auf dieses Neonazi-Umfeld und die Unterstützerkreise hätten kommen können. Man ist damals offenbar von lokalen und regionalen Strukturen ausgegangen. Heute wissen wir, dass es Bezüge über die einzelnen Bundesländer hinaus gab. Um dies künftig früher erkennen zu können, habe ich mit unserem Gemeinsamen Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus und unserer Verbunddatei neue Kommunikations- und Koordinierungsstrukturen geschaffen. Das Ziel heißt: Das darf nicht wieder geschehen.

Sowohl der Parlamentarische Untersuchungsausschuss als auch die Regierungskommission sollen prüfen, ob Behörden versagt haben und neu sortiert werden müssen. Wer hat die Deutungshoheit über die Ergebnisse?
Der Untersuchungsausschuss kann auf Basis des Untersuchungsausschussgesetzes Sachverhalte ermitteln, Zeugen befragen und vernehmen und Akteneinsicht verlangen. Die Bund-Länder-Expertenkommission bewertet die Dinge politisch aus Bund- und Ländersicht. Dabei wird sie im Einzelfall auch bei unklaren Sachverhalten gezielt nachfragen und kann dabei auf die Unterstützung von Bund und Ländern zählen.

Können Sie zusichern, dass auch die Länder dem Bundestagsausschuss rückhaltlos Akten bereitstellen?
Als Bundesminister kann ich die Akten des Bundesamts für Verfassungsschutz in vollem Umfang zur Verfügung stellen. Über die Akten des Bundeskriminalamts verfügt allein der Generalbundesanwalt, solange er die Ermittlungen führt. Was die Länderakten angeht, müssen sich die Länder an ihre rechtlichen Grundlagen halten: Sie werden alles an den Bundestagsausschuss herausgeben, was der braucht, um das Verhalten von Bundesbehörden und ihre Zusammenarbeit mit Länderbehörden zu untersuchen. Dort ,wo es Abgrenzungsprobleme zu reinen länderinternen Sachverhalten gibt, wird man mit Sicherheit zugunsten des Untersuchungsausschusses entscheiden.

Schon jetzt ist beschlossen, dass Verfassungsschutz und Polizei sich besser über Rechtsex­tremismus austauschen und eine gemeinsame Verbunddatei bestücken. Wie soll das gehen?
Natürlich sind es zwei unterschiedliche Behörden mit unterschiedlichen Aufträgen. . .

. . . Verfassungsschützer schützen ihre Quellen und stempeln sensible Akten als geheim – damit kommt die Polizei nicht ran. Stempeln sie nicht und machen sie zugänglich, müsste die Polizei in heiklen Fällen sofort ermitteln.
Es ist aber bislang immer gelungen, auch eingestufte Informationen der Verfassungsschutzbehörden so aufzuarbeiten, dass die Polizei die nötigen Handlungsgrundlagen hatte. Der Verfassungsschutz entscheidet, wann er die Polizei informiert. Die Polizei muss bei Hinweisen auf Straftaten sofort ermitteln. Bevor das Neonazi-Trio 1998 untertauchte, lieferte der Verfassungsschutz den Hinweis auf die Rohrbomben in deren Garage – dann war die Polizei am Zug.
Kommentare (6)
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FEB
12
17:54 Uhr, geschrieben von Hans Hornung
Die Nazis wurden doch unterstützt! Mit Löschaktion Beweise zerstört!
Sonst wären beweistüchtigen Daten jetzt nicht auch noch gelöscht worden. Die sollten mal richtig aufräumen beim BKA und beim Verfassungsschutz. Die machen die Aufklärung unmöglich! Jeder andere würde gekündigt werden beim Arbeitgeber bei so gravierenden Fehlern. Die Behörden hängen da mit drin. Sie haben jahrelang zugeschaut wie Menschen umgebracht worden sind. Nun geht die Angst um, nicht entdeckt zu werden. Das Bild von Deutschland im Ausland verändert sich weiter ins Negative - das Nazi-Vorurteil wird wieder entfacht und es ist nicht ganz abwegig. Mir kommt es vor als würden viele rechte Gruppen bei den deutschen Behörden, aber auch in der Politik immer noch zu viele Freunde haben. Wenn das nicht zutreffen sollte, dann sollten sie es auch zeigen. Hans Hornung
FEB
12
10:45 Uhr, geschrieben von UweP
Die Unterstützung der Nazis war in der Tat professionell
Derzeit sind die Profis ja schon kräftig dabei, Beweismittel zu vernichten oder passend zu manipulieren. Die staatlich unterstützten Geheimniskrämer bei BND und BKA sabotieren seit Jahren mit immer neuen Vorstössen die Demokratie, indem sie nicht nur demokratische Grundrechte zielgerichtet abschaffen wollen, sondern auch ihren Zugriff, der ohnehin schon kaum einer wirksamen Kontrolle unterliegt, weiter einzuschränken. Dabei tun sie sich grundsätzlich schwer, schon ihre bisher erfolgten Anschläge auf die Grundordnung mit entsprechenden Fahndungserfolgen zu belegen. Studien, die die Wirkungslosigkeit belegen, gibt es bisher deutlich mehr. Die Polizei gehört seit Jahrzehnten jedes Jahr zu den TopTen der Datenmißbraucher und Datenschutz-Verbrecher. Daten werden immer wieder illegal erfasst, nicht ordnungsgemäß gelöscht und es tunlichst unterlassen, Unbeteiligte wenigstens im Nachhinein über die Ermittlung zu informieren, wie es das Datenschutzgesetz eigentlich vorschreibt. Und dese zweifelhaften Objekte wollen nun den praktisch unkontrollierten Zugriff auf unsere Kommunikationsdaten ? Da muss jedem ehrlichen Menschen schlecht werden.
FEB
11
23:14 Uhr, geschrieben von Weggezogener
Gott schütze uns vor Politikern wie Friedrich
Der ist nicht nur auf dem rechten Auge, sondern auch auf allen rechten Hühneraugen blind und glaubt nun, dass man ihm den Gutmenschen, der an Aufklärung interessiert ist, abnimmt. Herr Friedrich, selbst CDU und CSU - Wähler können nicht so dumm sein, dass Sie von denen noch ernst genommen werden.
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