Initiative Bohnenviertel hofft auf Förderung Geld für inklusives Theater gefordert

Von Caroline Friedmann 

Mit Theaterprojekten fördert der Verein gelebte Inklusion. Foto: Michael Steinert
Mit Theaterprojekten fördert der Verein gelebte Inklusion. Foto: Michael Steinert

Die Kulturinitiative Bohnenviertel hofft für den Doppelhaushalt 2018/19 auf Fördermittel der Stadt.

S-Mitte - S-Mitte - Mit Kulturprojekten für mehr soziales Miteinander im Stadtbezirk sorgen. Dieser Aufgabe hat sich vor 13 Jahren die Kulturinitiative Bohnenviertel verschrieben. Seither verfolgt der Verein das Ziel, die Lage von Jugendlichen, die im sozialen Brennpunkt in Stuttgart-Mitte leben, zu verbessern – und zwar in erster Linie mithilfe von Theaterprojekten. Damit will die Kulturinitiative vor allem Jugendliche aus Migrantenfamilien und junge Menschen mit Behinderung ansprechen und so zur sozialen Teilhabe, zur Inklusion, beitragen. Mittlerweile sind rund 40 junge Männer und Frauen mit dabei. Trotz eines entsprechenden Antrags gab es bislang für die Initiative keine finanzielle Förderung der Stadt Stuttgart. Das könnte sich aber im Doppelhaushalt 2018/19 ändern. Das Referat Soziales und gesellschaftliche Integration der Stadt Stuttgart hat vorgeschlagen, den Verein mir rund 60 000 Euro jährlich über einen Zeitraum von vier Jahren zu unterstützen.

Der Grafiker, Autor und Regisseur Axel Clesle hat die Kulturinitiative 2004 gegründet und 2006 in einem Hinterhof ein Sommertheater etabliert. „Das Bohnenviertel war ein sozialer Brennpunkt mit Drogenproblemen und schwierigen Jugendlichen“, sagt Clesle. „Ich wollte das Viertel beleben und die Menschen einbeziehen, denn ich glaube an die Kraft der Kunst.“ Der Erfolg gab Clesle Recht: Viele der Jugendlichen machten begeistert mit, das Drogenproblem ging zurück. Das Sommertheater etablierte sich – und die Truppe bekam Zuwachs. „Als wir 2011 mal eine Vorstellung wegen Regen ausfallen lassen wollten, standen da elf Besucher, die bitter enttäuscht waren“, erzählt Clesle. „Sie kamen von der Nikolauspflege, waren sehbehindert und wollten am liebsten auch spielen. Und plötzlich waren die alle in unserer Theatergruppe.“ Für dieses Engagement erhielt Clesle 2014 den Inklusionspreis des Landes. Im selben Jahr wurde er zu einem der „Stuttgarter des Jahres“ ernannt.

Sozialverwaltung will Verein unterstützen

Dieses Engagement soll aus Sicht der Sozialverwaltung weiter unterstützt werden. In einer Vorlage zum Haushaltsplan heißt es, der Erfolg der Kulturinitiative Bohnenviertel zeige sich „zum einen in ihren Theaterproduktionen, die aufgeführt und auch mit zahlreichen Preisen gewürdigt wurden“. Zum anderen sei die persönliche Entwicklung der jungen Menschen hervorzuheben, „die Inklusion leben und vorleben und enorm an Selbstbewusstsein und der Fähigkeit zum selbstbewussten Auftritt gewonnen haben und dies auch in ihren Alltag übertragen“.

Neben ihren Theaterproduktionen, die allesamt Eigenproduktionen sind, organisiert die Kulturinitiative Bohnenviertel jedes Jahr das Handicaptions-Festival, das Künstlerinnen und Künstlern mit Behinderung eine Plattform bietet, um ihre Werke außerhalb von sozialen Einrichtungen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Aus finanziellen Gründen muss das Handicaptions-Festival in diesem Jahr ausfallen. Auch die Mittel für Theaterproduktionen sind in den letzten Jahren offenbar zunehmend knapper geworden. Deshalb hat die Kulturinitiative bereits zum städtischen Doppelhaushalt 2016/2017 beim Kulturamt einen Antrag auf städtische Förderung eingereicht. Damals wurde jedoch keine Förderung beschlossen. In diesem Jahr hat der Verein daher erneut einen Antrag gestellt. Darin bittet er die Stadt, 90 Prozent der jährlich entstehenden Kosten von insgesamt 67 000 Euro für einen Zeitraum von vier Jahren zu übernehmen, also insgesamt 60 300 Euro pro Jahr.

„Signalkraft“ zum Thema Inklusion

Die Sozialverwaltung unterstützt den Antrag, da die Arbeit der Kulturinitiative „die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention beziehungsweise der Inklusion im Bereich kulturelle und soziale Teilhabe“ weiter vorantreiben könne. Mit einer finanziellen Förderung über vier Jahre könne zudem geprüft werden, ob sich die inklusive pädagogische Arbeit sowie die Einbettung inklusiver Theaterkunst in das kulturelle Angebot der Stadt Stuttgart übertragen ließe. Auch der Bezirksbeirat Stuttgart-Mitte befürwortet die Förderung der Kulturinitiative .

Die Sozialverwaltung hält auch die Höhe der vorgeschlagenen städtischen Förderung von rund 60 000 Euro pro Jahr für gerechtfertigt. Das Geld sei erforderlich, um die Angebote des Vereins in den nächsten vier Jahren überhaupt zu finanzieren. Außerdem könnten die Aktivitäten der Initiative „eine Signalkraft“ zum Thema Inklusion hinein in die gesamte Stadtgesellschaft entfalten, „weit über die Zahl der eingebundenen Betroffenen“ hinaus.

Entscheidung erst bei Haushaltsplanberatungen

Das städtische Referat Wirtschaft, Finanzen und Beteiligungen hat den Vorschlag zwar zur Kenntnis genommen, ist aber der Auffassung, dass eine solche Förderung nicht unbedingt Aufgabe der Stadt ist. Aus Sicht der Finanzverwaltung kann die Förderung auch keine 90 Prozent der jährlichen Kosten des Vereins umfassen. Vielmehr müsse die Kulturinitiative mehr als die vorgeschlagenen zehn Prozent Eigenanteil aufbringen. Ob die Förderung gewährt wird und in welcher Höhe, wird aber erst im Rahmen der Haushaltsplanberatungen für den Doppelhaushalt 2018/19 entschieden.

Redaktion Stuttgart-Mitte

Ansprechpartner
Martin Haar & Frank Rothfuss-Jenewein
s-mitte@stz.zgs.de

Lesen Sie jetzt