Ingenieur Werner Sobek "Ein Podium der Besserwisser"

Von Michael Isenberg 

 Foto: Werner Sobek Stuttgart
Foto: Werner Sobek Stuttgart

Der Stuttgarter Statiker Werner Sobek greift Aussagen von Kollegen gegen S 21 scharf an.

Stuttgart - Als verantwortlicher Planer für die Statik des Tiefbahnhofs kennt der Stuttgarter Ingenieur Werner Sobek das Bauprojekt bis ins kleinste Detail. Im Interview nimmt Sobek zu Vorwürfen Stellung, wonach das Projekt wegen Sicherheitsbedenken gestoppt werden müsse.

Herr Sobek, Ihr Kollege Frei Otto fordert den Baustopp von Stuttgart21, weil auf Grund des Baugrunds „Gefahr für Leib und Leben“ drohe. Ist die Warnung berechtigt?

Die Warnung ist in keinster Weise berechtigt. Ich bin erschüttert, dass sich Herr Otto jetzt in dieser Form äußert – nachdem er viele, viele Jahre lang als aktiver Planer am Projekt Stuttgart21 mitgewirkt hat und somit die seit langem vorliegenden Gutachten zur Beschaffenheit des Baugrunds gekannt haben muss. Diese Gutachten sagen eben nicht, dass Lebensgefahr droht.

Herr Otto warnt davor, der neue Tiefbahnhof könne vom Grundwasser überschwemmt oder durch den Druck des Grundwassers unkontrolliert aus der Erde gepresst werden.

Wenn man im Grundwasser baut, entsteht Auftrieb. Das weiß man seit Archimedes. Der neue Stuttgarter Hauptbahnhof liegt zwischen sechs und acht Metern im Grundwasser. Das ist technisch überhaupt kein Problem und für die Verhältnisse der Stadt, wenn Sie an die vielen Tiefgaragen, Stadtbahn- oder S-Bahn-Tunnel denken, in keinerlei Weise sensationell. Im Gegenteil: Die Röhren der S- und U-Bahn liegen seit nahezu 35 Jahren in aller Ruhe teilweise noch sechs Meter tiefer als der neue Bahnhof im Grundwasser. Und nichts ist passiert.

Als Laie würde ich sagen, der Tiefbahnhof entwickelt wegen seiner Größe einen deutlich höheren Auftrieb als eine schmale S-Bahn-Röhre. Ist das korrekt?

Ja. Aber schon das Eigengewicht der Hauptbahnhof-Konstruktion reicht aus, den Auftrieb nahezu zu kompensieren. Hinzu kommen hunderte von Pfählen, die den Bahnhof zehn bis 16 Meter tief im Untergrund verankern. Das ist eine zusätzliche Sicherheit. Insgesamt gesehen gibt es das von Herrn Otto befürchtete Problem also gar nicht.

Herr Otto sagt, er spreche seine Warnung auch aus „moralischer Verpflichtung“ aus. Können Sie mit diesem Begriff in diesem Zusammenhang etwas anfangen?

Ich will das nicht kommentieren.

Versuchen Sie es.

Am Projekt Stuttgart 21 sind einige der besten und namhaftesten Ingenierbüros überhaupt beteiligt. Diesen Kollegen kann man nicht einfach mal so unterstellen – auch nicht indirekt – dass sie unmoralisch oder verantwortungslos handeln würden. Das ist schlichtweg ein Unding.

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Stuttgart 21 Zweifel an der Wirtschaftlichkeit von Stuttgart 21

Von 21. September 2016 - 20:53 Uhr

Das Projekt wird wohl noch teurer und noch später fertig: Der Rechnungshof fordert den Bahnaufsichtsrat zu einer kritischen Prüfung von Stuttgart 21 auf.