Willi Ehret war zupackend, mitreißend, humorvoll und fröhlich, überzeugend und in seinem Glauben geborgen. So prägte er seine Familie, so überzeugte er als Entwicklungshelfer im Auftrag der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) auch die Kleinbauern in Afghanistan. Gestern wurde der Agrarwissenschaftler unter Anteilnahme mehrerer hundert Wegbegleiter in seinem Heimatort, dem Ditzinger Stadtteil Heimerdingen beigesetzt.
Der 59-Jährige war am 5. September in den Gebirgszügen Afghanistans tot aufgefunden worden. Er und sein Kollege Siegbert Stocker aus Meißen wurden vermutlich Opfer eines Gewaltverbrechens. Sie hatten zwei Wochen als vermisst gegolten.
In Anwesenheit eines hochrangigen Mitglieds des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung würdigte das GIZ-Vorstandsmitglied Christoph Beier Ehret als "liebenswürdige und engagierte Führungspersönlichkeit", als einen "brillanten Netzwerker", der in Afghanistan als Projektleiter für das Landwirtschaftsministerium tätig war. Ehret beriet die Afghanen unter anderem beim Traubenanbau und -export.
"Sein Schlüssel zum Erfolg hieß Geduld", sagte Beier über den Agrarwissenschaftler, der sowohl von der Bevölkerung als auch von den Mitarbeitern vor Ort respektiert worden sei. Ihm sei es nicht auf den raschen, scheinbaren Erfolg angekommen. Er habe die Menschen verstehen wollen, sie einbinden, anstatt sie als bloße "Leistungsempfänger" zu behandeln.
Es sei ihm in der von Männern dominierten Gesellschaft Afghanistans gelungen, Beratungsgruppen zu bilden, die mit Frauen besetzt und akzeptiert wurden. Auch darauf verwies der Pfarrer Winrich Scheffbuch in seiner Würdigung. Ehret habe keine Angst gehabt, nach Afghanistan zu gehen. Begründet habe er dies damit, kein Soldat zu sein. Gleichwohl sei es für ihn eine Zäsur gewesen, so Scheffbuch. Schließlich habe er dafür das ostafrikanische Malawi verlassen müssen, in dem er seit 1997 mit seiner Ehefrau gewirkt hatte. Doch Ehret hatte sich entschieden, die Arbeit in Afghanistan war ihm wichtig: "Er könne dort in ein, zwei Jahren mehr erreichen als anderswo in fünf", gab der GIZ-Vertreter Beier Ehrets Überlegung wider.
Ruth Ehret hatte ihren Mann aus Sicherheitsgründen nicht an den Hindukusch begleiten dürfen. Die Wochen der Ungewissheit seien für sie "fast nicht zu ertragen" gewesen, wandte sie sich nun an die Trauergemeinde. Als die Todesnachricht kam, "ging es Ihnen wie uns allen", sagte Scheffbuch: "Wir waren maßlos enttäuscht, traurig und betroffen. Wir brauchen doch solche Menschen wie Willi, die sich einsetzen, die helfen!" Er sprach den Trauernden Mut zu, auch wenn sie in diesen Momenten zweifelten: "Jesus Christus ist meine Burg, meine Zuversicht - das war für Willi Ehret kein dogmatischer Lehrsatz." Die Liebe zu Jesus Christus habe ihn getrieben. Und so wie er in Afghanistan die Menschen verstehen wollte, um ihnen zu helfen, hatte er sich im Glauben fortgebildet. Er hatte eine Bibelschule besucht, ehe er 1982 erstmals nach Afrika ging.
Auch wenn er fortan in der Welt unterwegs war: nach Heimerdingen, wo er als Sohn des letzten Bürgermeisters der noch selbstständigen Gemeinde aufgewachsen war, kam Willi Ehret immer wieder zurück, zu seiner Familie und zu Freunden.