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Im Südwesten Freie Wähler streiten über ihren Kurs

Steffen Rometsch, vom 11.01.2012 18:33 Uhr
Dass die Freien Wähler 2013 erstmals bei der Bundestagswahl antreten, ist für Parteichef Hubert Aiwanger beschlossene Sache Foto: dpa
Dass die Freien Wähler 2013 erstmals bei der Bundestagswahl antreten, ist für Parteichef Hubert Aiwanger beschlossene Sache Foto: dpa
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Stuttgart – Die Freien Wähler wollen jetzt auch bundesweit angreifen. „Unser Ziel ist es, bei der Bundestagswahl 2013 in allen 299 Stimmkreisen einen Kandidaten aufzustellen“, sagt Parteichef Hubert Aiwanger und geht damit auf Konfrontationskurs zum baden-württembergischen Landeschef Heinz Kälberer.

Die Freien Wähler sind in den Rathäusern der baden-württembergischen Kommunen mit Abstand die stärkste Kraft. Bei den Gemeinderatswahlen 2009 errangen sie mehr als 44 Prozent der Sitze. Bei den Kreistagswahlen lagen sie nach der CDU (37 Prozent) auf Platz zwei (25 Prozent). Dieses Potenzial will der bayerische Landtagsfraktionschef und Bundesvorsitzende Aiwanger jetzt auch auf höherer Ebene nutzen: Dass die Freien Wähler 2013 erstmals bei der Bundestagswahl antreten, ist für ihn beschlossene Sache. In Bayern haben die Mitglieder bereits mit fast 80 Prozent für diesen Kurs gestimmt, der Beschluss des Bundesvorstands im Frühjahr ist für Aiwanger nur noch Formsache.

Streit um Ambitionen

„Wenn die Freien Wähler in Baden-Württemberg gut organisiert zur Landtagswahl antreten, schaffen sie ein zweistelliges Ergebnis“, zeigt sich Aiwanger beim Besuch in unserer Redaktion überzeugt. Das Problem: Der baden-württembergische Landesvorsitzende Heinz Kälberer will von solchen Plänen nichts wissen.

Der langjährige Oberbürgermeister von Vaihingen/Enz steht seit 24 Jahren dem Landesverband im Südwesten vor und lehnt es strikt ab, auf Landes-, Bundes- oder Europaebene anzutreten. „Wir sind genau deshalb so erfolgreich, weil wir keine Partei sind“, betont der 69-Jährige immer wieder. „Eine Bundespartei wird es mit uns nicht geben.“ Im Streit um die bundes- und europapolitischen Ambitionen ist der Landesverband Baden-Württemberg im Jahr 2009 aus dem Bundesverband ausgetreten.

Widerstand formiert sich

Seither haben sich die Fronten weiter verhärtet. „Wir sind keine Partei! Wir wollen auch keine werden! Gegen unseren Willen gründete sich 2009 die Bundespartei Freie Wähler“, stellt der Südwest-Landesverband auf der Startseite seines Internetauftritts klar. Bei der Mitgliederversammlung 2010 folgten noch 95 Prozent der Delegierten Kälberers Kurs. Doch inzwischen formiert sich – vor allem im badischen Landesteil – Widerstand.

Zwischen 50 und 100 Mitgliedern zähle die 2010 neu gegründete Landesvereinigung Freie Wähler inzwischen, sagt deren Vorsitzender Ulrich Mentz, langjähriger Bürgermeister von Kehl. So auskunftsfreudig gibt man sich bei Kälberers Landesverband nicht: „Wie viele Mitglieder wir haben, darf ich Ihnen nicht sagen“, bescheidet die Büroleiterin der Geschäftsstelle.

„Kein kommunales Zölibat“

Wer „wirksame Politik für die Gemeinden machen“ wolle, müsse auch im Landtag und im Bundestag „für ihre Interessen kämpfen“, sagt Mentz. Kälberer fürchtet, die Teilnahme an überregionalen Wahlen gefährde die Glaubwürdigkeit der Freien Wähler. Für Mentz ist genau das Gegenteil der Fall: „Wir sind auf Dauer nicht glaubwürdig, wenn wir nicht auch auf höherer Ebene alternative Kandidaten zu den etablierten Parteien anbieten.“

Es gebe kein kommunales Zölibat, sagt die Bundesgeschäftsführerin der Freien Wähler, Cordula Breitenfellner. „Wenn wir etwas ­bewegen wollen, müssen wir in den Bundestag, weil wir die Gesetze nur dort ändern können, wo sie gemacht werden.“ Kälberer habe „scheinbar einen Stillhaltepakt mit CDU und FDP in Baden-Württemberg geschlossen“, mutmaßt Breitenfellner, anders könne sie sich dessen ablehnende Haltung nicht ­erklären. Einen Rücktritt Kälberers wolle er nicht fordern, sagt Aiwanger, das sei eine ­Sache, die der Landesverband selbst regeln müsse. „Wenn Kälberer umdenkt, ist es ­genauso gut.“

Kommentare (6)
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JAN
16
23:28 Uhr, geschrieben von EinFreierWähler
Herr
@Schmidt: Es gehört sich, bei solchen Behauptungen (über Breitenfellner), die Quelle anzugeben: Wann, wo. "Laut Stern.de" reicht einfach nicht, denn dort ist nichts zu finden!! Man könnte fast meinen, die Behauptung von Schmidt sei eine Verunglimpfung. Das ist kein guter Stil.
JAN
16
22:54 Uhr, geschrieben von EinFreierWähler
Herr
Wer meint, die badischen "Rebellen" seien die CDU 2.0, der irrt, weil er uninformiert ist. Im Gegenteil, es wurden einige Dinge der Landesfinanzierung ausgegraben, die der CDU und der SPD überhaupt nicht gefallen werden. So hat der Cleverle Späth 1986 einen Kredit über 322 Mio Euro aufnehmen lassen, der nach 40 Jahren (!) zurückgezahlt wird - mit dem dreifachen Wert allein an Zinsen (950 Mio Euro). Die Landesfinanzen zeigen einen Schuldenstand von 40 Milliarden Euro. Ist das eine gute Politik? Da werden die FREIEN WÄHLER ihre Finger in die offene Wunde legen, zumal nach der letzten Wahlniederlage einige CDU-Politiker meinten, sie hätten doch so gut gewirtschaftet. Diese miserable Lage greift durch auf die Gemeinden, die am Tropf der landesfinanzierung hängen. Das begünstigt Herr Kälberer mit seiner Haltung!
JAN
14
01:48 Uhr, geschrieben von Rüdiger Schmidt
@Jens Runge
Ich stimme Ihrer Skepsis zu, ob Deutschland eine Alibi-Partei niederbayr. Provenienz benötigt. Aber eine Erneuerung im bürgerlichen lager tut dringend Not, das beweist die unsägliche Affäre Wulff und die Implosion der "ehemaligen FDP". Warum also nicht als FW'ler in die Landes- und Bundespolitik gehen?
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