Im Nord: „The King’s Wives“ Gute Träume, warme Stimme

Von Armin Friedl 

Florian Rummel und Maja Majnik Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Florian Rummel und Maja MajnikFoto: Lichtgut/Leif Piechowski

Das Stuttgarter Staatsschauspiel hat verwitwete Frauen eingeladen, über sich zu erzählen. Herausgekommen ist das Projekt „The King’s Wives“, das an diesem Freitag in der Spielstätte Nord beim Löwentor uraufgeführt wird.

Stuttgart - Wenn Maja Majnik und Florian Rummel zusammenkommen, wird unmittelbar eine Aura des Wohlgefühls, des gegenseitigen Respekts und einer damit verbundenen Zuneigung spürbar. Der Anlass für ihre Bekanntschaft ist nicht gerade selbstverständlich: Rummel ist schon seit einigen Jahren hauptberuflich Theaterschauspieler, Majnik kannte Theater bisher ausschließlich aus der Zuschauerperspektive.

Zusammengeführt hat sie das Projekt „Abschied von gestern“, mit dem das Staatsschauspiel Stuttgart die Spielstätte Nord am Löwentor mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken möchte. Und Abschied ist ein Thema, das Majnik spätestens seit dem Tod ihres Mannes vor sieben Jahren nicht mehr loslässt. Das hat sie gemeinsam mit sechs weiteren Frauen, die an dem Projekt „The King’s Wives“ mitmachen, auch diese bisher ohne praktische Theatererfahrung und alle Witwen.

„Wir fanden es spannend, diese Frauen und ihre Geschichten zu Wort kommen zu lassen“, sagt die Dramaturgin Anna Haas zu den Anfangsideen von „The King’s Wives“. Intendant Armin Petras hat Gespräche mit den Witwen geführt, Schauspieler wurden dafür gefunden, ein Fragenkatalog wurde entwickelt . . . und im Laufe der Zeit hat sich da eine Eigendynamik entwickelt zwischen den Frauen und ihren Schauspielpartnern, jedenfalls zwischen Majnik und Rummel.

Geschenk an den verstorbenen Mann

Der Austausch zwischen den beiden ist ganz lebendig, immer wieder berühren sie sich und haben gleichzeitig viel Respekt voreinander: Rummel vor dem Lebensschicksal der 52-Jährigen, die ihre Ehejahre als „Geschenk meines Lebens“ bezeichnet, Majnik schätzt die Offenheit und das unbedingte Interesse von Rummel an ihren Gedanken, an ihren Lebensstrategien. Beherzt sprechen sie so auch über schwierige Themen. „Dieses Projekt ist ein Geschenk an meinen Mann“, so Majnik, „ich will so authentisch wie möglich über ihn erzählen.“ Eine schwierige Aufgabe für sie: „Der Tod des Lebenspartners ist ja erst mal ein Tabuthema, niemand will und soll das erleben. Da stellt sich die Frage, wie es weitergehen soll.“

Die dunklen Seiten verschweigt sie nicht: „Es heißt ja, die Zeit bringt Heilung und Normalität. Aber ich war lange sehr konfus, hatte keine klare Linie.“ Aber mit Unterstützung ihrer Eltern und ihrer beiden inzwischen volljährigen Kinder hat sie dies geschafft, hat sich mit deren Zuspruch auf eine Zeitungsnotiz beim Stuttgarter Staatsschauspiel für dieses Witwen-Projekt gemeldet und ist heute froh über diesen Schritt. „Bei den ersten Treffen mit Florian war ich sehr aufgeregt, das Thema ist für mich ja äußerst emotional belegt. Aber das Projekt und das Theater haben mir sehr geholfen. Ich kann gut von meinem Mann träumen und seine warme Stimme hören.“ Das soll sich auch auf die Besucher übertragen: „Ich habe hier am Theater eine privilegierte Möglichkeit, mich mit meiner Situation auseinanderzusetzen“, so Majnik, „da hoffe ich, dass die Besucher die Botschaft mitnehmen, dass es auch nach solch einem Schicksalsschlag weitergeht.“

Lebensfreude und Humor

Florian Rummel konzentriert sich während solcher Gesprächsmomente gerne auf die Rolle des Zuhörenden. „Auch ich bin sehr aufgeregt zum ersten Treffen gegangen,“, erinnert sich Rummel, „aber die Lebensfreude und der Humor von Maja haben mich schnell eingenommen. Es ist einfach ein außergewöhnliches Projekt.“ So hat er allmählich seinen schauspielerischen Part aus den Gesprächsnotizen herausdestilliert: „Ich bin da eine Art Berichterstatter, der viel Detailfülle mitteilen möchte.“ Dazu gehört eine enge Absprache: „Hier berichte ich über das reale Leben von Maja, über reale Personen, die sie kennt. Da hat sie während der Proben natürlich ein Vetorecht, um mitzubestimmen, wie weit ich gehen kann.“

Uraufführung an diesem Freitag um 21 Uhr. Weitere Aufführungen am 11. 2. um 17 Uhr sowie am 13. 2. um 22 Uhr.

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