Im Kirchturm hat es sich wohl ausgefunkt

Von "Blick vom Fernsehturm" 

Birkach. Der Mobilfunksender auf der evangelischen Franziskakirche soll abgeschaltet werden. Von Rüdiger Ott

Birkach. Der Mobilfunksender auf der evangelischen Franziskakirche soll abgeschaltet werden. Von Rüdiger Ott

Geht es nach dem Willen der Kirchenoberen in Birkach, dann hat es sich demnächst wohl ausgefunkt. Im Turm der evangelischen Franziskakirche hat die Telekom vor Jahren eine Sendeanlage installiert. Und der Vertrag mit dem Mobilfunkunternehmen soll gekündigt werden. So zumindest ist die derzeitige Mehrheitsmeinung im Kirchengemeinderat. Abgestimmt wurde noch nicht. "Es könnte sein, dass der Kirchengemeinderat etwas anderes entscheidet. Die Diskussion ist noch offen", sagt deshalb die Pfarrerin Ursula Wilhelm. Vorsichtshalber.

Möglich wird die Kündigung des Vertrags dadurch, dass die Anlage bereits 1999 aufgebaut wurde. Weil die Mobilfunkunternehmen Planungssicherheit schätzen, konnte an dem Vertrag in den ersten zehn Jahren nicht gerüttelt werden. Danach verlängerte er sich automatisch von Jahr zu Jahr, und zwar jeweils im Mai. Bei einer Kündigungsfrist von sechs Monaten "ist es wieder im Herbst 2011 soweit", sagt das Ratsmitglied Norbert Veit. Im Mai 2012 könnte die Anlage demnach frühesten außer Betrieb gehen.

Zwar müsste die Gemeinde durch die Kündigung auf die fällige Miete verzichten. Dies erscheint den Mitgliedern des Kirchengemeinderats jedoch als kleineres Übel. Denn mehr macht der Gemeinde der Unmut in der Bevölkerung ob einer Sendeanlage im Kirchturm zu schaffen. "Unsere Aufgabe ist es nicht, Mobilfunkstandort zu sein, sondern Kirchengemeinde", sagt Veit. "Und wenn sich beides behindert, dann ist das nicht gut." Jedenfalls soll "das Wohl der Gemeinde nicht davon abhängen", sagt er. Auch wenn er befürchtet, dass der Mobilfunkbetreiber die Anlage dann eben auf einem Dach in der Nachbarschaft installieren wird - für die dann ebenfalls wieder eine zehnjährige Laufzeit-Garantie gilt.

Jahrelang war die Sendeanlage quasi unbemerkt geblieben. Anders als bei einem geplanten E-Plus-Sendemast auf dem Hotel Birke ganz in der Nähe hatte sich niemand an der Anlage gestört. Gegen den E-Plus-Mast indes hatte sich eine Initiative gegründet, die letztlich aber erfolglos blieb. Damit, dass die Strahlenquelle von der Franziskakirche verschwinden soll, "können wir gut leben", sagt der Initiativsprecher Gerhard Hütter. "Wir freuen uns, dass sich das die Gemeinde noch einmal überlegt hat."

Ursprünglich wollten die Birkacher Protestanten einen Netzplan der Stadt Stuttgart abwarten. Bereits im Jahr 2007 hatte die Gemeinderatsfraktion der Grünen nach einem solchen Plan gefragt. Darauf sollte markiert sein, wo in der Stadt Sendeanlagen verboten sein sollten. "Bei einer Netzplanung müsste die Stadt auch Positivstandorte benennen. Da die Stadt nur über eigene Grundstücke bestimmen kann, wäre hier aber nur eine geringe Anzahl an zur Verfügung stehenden Grundstücken gegeben", heißt es in einer Stellungnahme der Verwaltung. Zudem müsste der Plan wegen technischer Fortschritte laufend erneuert werden, wodurch "erhebliche Kosten für zusätzliches Personal entsteht". Kurzum: Der Plan wird nicht kommen.

Der Birkacher Kirchengemeinderat wird dennoch bis zum nächsten Frühjahr warten, ob die Stadt einen Netzplan vorlegt, so das Ratsmitglied Veit. Ist dies nicht der Fall, werde über die Kündigung abgestimmt.

Erst vor einem Monat hatte der Gesamtkirchengemeinderat in Stuttgart entschieden, dass auf den Gebäuden in der Innenstadt keine Sendeanlagen mehr installiert werden sollen. Die alten Verträge sollen gekündigt werden. Die katholische Kirche hatte Gleiches bereits 2002 getan.

Redaktion Degerloch

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