Im Internet Partnersuche für Papa

Jasmin Fischer, 19.01.2013 14:00 Uhr

London - Beim Tanztee ließ sich früher ganz einfach anbändeln, heute findet man den richtigen Partner bei Online-Kontaktbörsen. Doch gerade Single-Senioren bleiben lieber allein, als sich durch eine digitale Romanze zu klicken. In Großbritannien erhalten diese Skeptiker nun einen sanften Schubs: Erwachsene Kinder präsentieren ihre einsamen Mamas oder Papas online und spielen Amor.

Matt Connolly, ein 35-jähriger Brite, ist der Kopf hinter der neuen Internet-Plattform My Lovely Parent, die vor zwei Monaten an den Start gegangen ist. Der Clou: Hier melden Kinder ihre Eltern an und helfen ihnen, die Klippen des Online-Datings zu umschiffen. Das Prinzip ist simpel. Um seine Mamas, Papas, aber auch Schwiegermütter oder Onkel anzumelden, muss der Nachwuchs ein kleines Porträt über sie schreiben. Das landet dann mit einem Link zum Freischalten im E-Mail-Fach des einsamen Herzens. Viele Senioren fallen erst einmal aus allen Wolken – vor Überraschung und Rührung. „Mich haben der Vorstoß meines Sohnes und die Zeilen, mit denen er mich beschrieben hat, tief bewegt“, postet eine Mutter, „er ist ja erst 19, geht zur Uni und hat eigentlich keine Zeit. Die Lektüre war fast wertvoller als jede neue Liebe.“ Über tausend Töchter und Söhne haben seit Dezember ihre Eltern mit all ihren Vorzügen ins rechte Licht gerückt.

Auch bei Zwischenmenschlichem soll der Nachwuchs die Älteren, wenn nötig, auf den neusten Stand bringen

Das Portal ist übersichtlicher gestaltet und besser kontrolliert als andere Online-Kontaktbörsen – so wird jede romantische Visitenkarte von den Betreibern genau überprüft. Doch auch die modernen Dating-Regeln sind für manchen Senioren oft noch ein Problem, so dass die Kinder auch bei den nächsten Schritten auf dem Weg zum richtigen Partner helfen müssen. Sie wachen darüber, dass die Adresse nicht preisgegeben wird und Mutti oder Vati nicht in eine der zahllosen Internetfallen treten.

Auch bei Zwischenmenschlichem soll der Nachwuchs die Älteren, wenn nötig, auf den neusten Stand bringen. „Dem Gentleman in den Siebzigern muss womöglich vorsichtig erklärt werden, wo die Grenze zwischen Ritterlichkeit und Chauvinismus heute verläuft“, heißt es auf der Seite diplomatisch. Damen reiferen Semesters wird nahegelegt, nicht gleich ihre ganze Lebensgeschichte auszuplaudern, sondern dem Gegenüber höfliche, interessierte Fragen zu stellen.

Seine eigene Mutter hat Connolly zu dem Angebot inspiriert. „Sie wollte wissen, wie und wo man heutzutage den Prinzen auf dem weißen Pferd finden kann“, erzählt er, „und nach langer Suche in verschiedenen Kontaktbörsen hätte ich ihr keine einzige empfehlen wollen.“ Schwer zu navigieren, zu schlüpfrig, zu jung – so lautete sein Urteil. Mylovelyparent.com soll nun den Charme der alten Schule ins neue Jahrtausend hinüberretten, Ende 2013 soll auch eine deutsche Version in Netz gestellt werden.

Dass Kinder dabei ihre Eltern liebenswürdig vorstellen, schenkt denen offenbar das nötige Selbstbewusstsein, um sich endlich einen Ruck Richtung Abenteuer zu geben. Im Idealfall springt der Funke über und das Online-Knistern kann persönlich in einem echten Café fortgesetzt werden. Ohne Kinder natürlich. Aber, liebe Mamis, Omis und Tanten: Bitte vorsichtig sein! Und anrufen! Damit wir uns keine Sorgen um euch machen müssen. Ihr wisst ja, wie das ist.

 
 
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