Einen Morgen lang sah es so aus, als könnten die jugendlichen Kicker des TV Pflugfelden am morgigen Sonntag nicht zu ihren Spielen auflaufen. Ihr Fußballplatz hatte sich über Nacht zu einem Schauplatz der Verwüstung gewandelt. Der Rasen war mit abgeholzten Ästen übersät, ein besonders großer Ableger war auf das Häuschen des nahen Musikvereins gestürzt, die Tore lagen kreuz und quer über dem Platz verteilt. Die Kabine, in der sonst die Auswechselspieler auf ihren Einsatz warten, hatte sich aus der Verankerung gerissen und war hechtsprungmäßig hingeschlagen. "Es hat wohl ein bisschen gestürmt", sagte Hans-Ulrich Hahn gestern so fasziniert wie fassungslos.
Der Vereinsvorsitzende wohnt nicht weit entfernt vom Vereinsgelände im Kleinen Feldle und hatte bis drei Uhr morgens am Schreibtisch gesessen - aber bemerkt habe er von dem windigen Tobsuchtsanfall nichts, berichtet Hahn, dem der Kahlschlag ein Rätsel ist. Nicht nur, weil er das Durcheinander erst bei Tageslicht bemerkt hat, sondern auch, weil es auf so engen Raum begrenzt war. Vom Regenüberlaufbecken hinter dem Sportplatz bis zum Vereinsheim reichte die wüste Schneise, das restliche Umfeld blieb verschont. Nicht ein Stuhl auf der Terrasse des Vereinsheim wurde hingegen vom Winde verweht. "Das muss eine Windhose gewesen sein", mutmaßt der Vereinschef Hans-Ulrich Hahn .
Doch nicht mal auf dem Radar des Deutschen Wetterdienstes hat die Pflugfelder Heimsuchung deutliche Spuren hinterlassen. Zwar hat in der Nacht zum Freitag das Tief namens Cathleen für Chaos gesorgt. Die extremen Regenfälle und die Stürme trafen allerdings speziell Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Auch im Norden Baden-Württembergs gab es stellenweise orkanartige Böen und heftigen Starkregen. Doch die Region Stuttgart blieb davon verschont - eigentlich. Die Meteorologin Peggy Hofheinz kann auf dem Radarbild von Ludwigsburg am Tag danach zwar eine kräftige Gewitterzelle erkennen, aber rotierende Strukturen - wie sie die Windhose aufwies, die Ende Mai im Rems-Murr-Kreis einen Schaden von 200 000 Euro verursacht hat: Fehlanzeige. "Das muss ein ganz kleinräumiges Windhöschen gewesen sein", sagt Peggy Hofheinz über das Phänomen, das für den TV Pflugfelden trotzdem groß genug war.
Auf mehrere tausend Euro schätzt Hans-Ulrich Hahn den Schaden. Ob dafür die Versicherung aufkommt, weiß er nicht. Aber dafür hat die Stadt gleich einen Trupp geschickt, der beim Aufräumen geholfen hat. Auf dass morgen wieder die Pflugfelder Kicker stürmen können.