Der Internetauftritt der Fellbacher Firma Imagent Ideenmanagement ist noch brandneu, das 2009 gegründete Unternehmen selbst nicht viel älter. Altbekannt jedoch ist das Problem, dessen Lösung die Geschäftsgrundlage der von Jan-Henrik Schröter, 31, und Jochen Lauer, 43, geleiteten Firma darstellt.
Wie verwerte ich eine Erfindung, eine Produktidee, ein Geschäftsvorhaben oder eine Weiterentwicklung? Diese Frage dürften sich Generationen von Erfindern gestellt haben und noch immer stellen. Ein patentrechtlicher Schutz von technischen Erfindungen ist zwar möglich, bewahrt aber nicht in jedem Fall vor Ideenklau. Zudem ist damit das Problem der wirtschaftlichen Nutzung nicht gelöst. Vielen Tüftlern fehlen dazu die betriebswirtschaftlichen Kenntnisse, das Geld oder das Netzwerk.
"Wir bringen Erfinder und Verwerter zusammen", sagt Jochen Lauer, der mit Wolfgang Weiss die Idee zur Gründung von Imagent hatte. Beide entwickelten die Geschäftsidee eines Ideenmaklers aus ihrer Tätigkeit als Köpfe des Fellbacher Ingenieurdienstleisters Lauer und Weiss heraus. Zusätzlich verfügen beide über ein umfangreiches Netzwerk: Jochen Lauer ist beispielsweise Aufsichtsrat einer Fellbacher Bank, und die gemeinsame Firma Lauer und Weiss ist in den vergangenen Jahren zu einem Firmenverbund mit Aktivitäten bis nach Südamerika geworden. Imagent selber ist zudem Partner der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart.
Die Leistungen von Imagent sind vergleichbar mit denen eines Maklers, umfassen aber auch eine technische und betriebswirtschaftliche Prüfung sowie weitere Unterstützung, die bis zum Prototypenbau reicht. "Man kann in relativ kurzer Zeit sagen, ob eine Idee Potenzial hat", sagt Markus Zauner, 34. Der Technische Leiter bei Imagent ist spezialisiert auf technische Analysen und Machbarkeitsstudien. Signalisiert er seine Zustimmung, gibt es mehrere Möglichkeiten des Vorgehens. "Wenn der Erfinder ein Unternehmertyp ist, dann machen wir mit ihm ein Start-up", sagt Jan-Henrik Schröter. Eine Unternehmensgründung ist jedoch nicht in jedem Fall sinnvoll. Manche Erfinder sehen ihre Stärken in der Kreativität und weniger in der Unternehmensführung. Sie wollen ihre Erfindung lieber verkaufen oder an der Lizenzfertigung finanziell beteiligt werden, um sich auf neue Projekte konzentrieren zu können.
"Das Haupthindernis für private Erfinder sind zwei Ängste: Die Angst, über den Tisch gezogen zu werden und die Angst, ausgelacht zu werden", sagt Jochen Lauer. Bei beiden Ängsten kann der baumlange Fachmann Abhilfe schaffen: "Eine Gesellschaft hat mehr Möglichkeiten bei der Verteidigung einer Idee als ein privater Erfinder", sagt er diplomatisch. Für die nötige Ernsthaftigkeit bei Interessenten sorgt beispielsweise eine professionelle Präsentation der Erfindung.
Manchmal brauchen Ideengeber erst einmal einen Hinweis auf die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die in ihrem Projekt steckt. Ein Beispiel dafür ist die von zwei ehemaligen Stuttgarter Studenten ins Leben gerufene Online-Plattform Odeki. Hinter dem japanischen Begriff mit der deutschen Bedeutung "Erfolg" verbirgt sich eine Art digitalisiertes Schwarzes Brett für Studenten. Unterteilt in Abschnitte für Studierende, aber auch für Unternehmen, Studieninteressierte oder Hochschulen selbst, kann man sich über verschiedenste Aspekte des studentischen Lebens informieren, ohne in langen Wanderungen über den Campus mühevoll Informationen zu sammeln. Eine Jobbörse, Unternehmens- und Hochschulporträts sowie Promotionsmöglichkeiten sind genauso enthalten wie ein virtueller Marktplatz für Lehrbücher und Suchanfragen nach Lerngruppen.
Gegenwärtig sind etwa zwanzig Prozent aller deutschen öffentlichen Hochschulen als Partner angeschlossen. Jan-Henrik Schröter ist aber von einer flächendeckenden Ausbreitung überzeugt: "Ich erwarte in allernächster Zukunft einen stark steigenden Bekanntheitsgrad."