Das medizinische Betreuungsteam von Allianz Volley Stuttgart besteht, wie im Leistungssport allgemein üblich, aus Ärzten und Physiotherapeuten. Beim Bundesligaclub kümmert sich mit Heike Mayer zudem eine Heilpraktikerin um die Spielerinnen. Im Interview erläutert die 45-Jährige aus Weil der Stadt ihre Arbeitsweise.
Frau Mayer, Sie sehen sich als Ergänzung zum Mannschaftsarzt und zu den Physiotherapeuten. Wo setzen Sie an?
Ich kümmere mich um die Achsen des Körpers und der Gelenke und versuche, die Symmetrie wieder herzustellen. Ein Arzt diagnostiziert und repariert, was kaputt ist. Der Physiotherapeut vertieft das, was ich mache. Aber letztendlich gebe ich nur den Anreiz. Der Körper heilt alleine.
Und was genau machen Sie da?
Ich beobachte die Bewegungsabläufe und daran kann ich feststellen, wo Fehlstellungen vorliegen, die dann später zu Problemen werden können. Das ist ja eigentlich nichts Außergewöhnliches. Ich sehe mit den Augen und mit dem Tastsinn meiner Finger. In der Behandlung setze ich dann kurze energetische Impulse. Dabei rutscht alles wieder in die eigentlichen Bahnen und Positionen. Diese Feinjustierung hat keine negative Wirkung, weil ich dabei keine Bänder oder Muskeln überdehne.
Was muss man sich unter einem energetischen Impuls vorstellen?
Nehmen wir als Beispiel den Muskelbauch. Es hat sich gezeigt, dass Patienten bei Problemen unterschiedliche Schmerzen haben, wenn an solchen Stellen ich oder jemand anderes hineindrückt. Genauso ist es mit der von mir verwendeten Sonde aus Platin. Entdeckt habe ich das an meiner Tochter. Um meinem damaligen Arzt die Wirkung zu demonstrieren, setzte ich eine Akupunkturnadel, ohne Wirkung. Als ich zuhause wieder meine Nadeln verwendet habe, hat es geholfen. Der Unterschied war, dass meine Nadel keine Kunststoffisolierung hatte. Meine Energie konnte dann fließen und weitergeleitet werden. Diese Methode habe ich über die Jahre hinweg so verfeinert, dass ich gar nicht mehr durch die Haut stechen muss.
Das hat Ihnen im Volleyballteam den Spitznamen "Pieksehexe" eingebracht...
Ja, das war am Anfang schon merkwürdig für die Mädels. Als ich etwa zwei Wochen lang für die Volleyballerinnen tätig war, bin ich einmal ins Training gekommen, und sie standen vor mir und haben gesagt, ich wäre ihnen unheimlich. Sie würden ihre Schmerzen wieder haben wollen. Mittlerweile hat es sich weit herumgesprochen, selbst von den gegnerischen Mannschaften kommen Spielerinnen und wollen von mir behandelt werden. Das mache ich, aber immer erst nach dem Spiel. Ich will ja keinen Krach mit meiner eigenen Mannschaft bekommen. Im Training habe ich schon gemerkt, dass die einzelnen Spielerinnen ganz anders trainieren, wenn ich anwesend bin. Die wissen ja, ich kann es wieder reparieren, wenn was kaputt geht. Von Unfällen wie bei Atika Bouaaga mal abgesehen. Bei Verletzungen wie Kreuzbandrissen oder ähnlichem muss die Schulmedizin ran.
Sie behandeln sehr viele Sportler, und dabei alles ehrenamtlich. Warum?
Bei Sportlern ist die Bandbreite der Probleme größer. Mit ihnen sammle ich umfangreiche Erfahrungen, die ich dann an meine normalen Patienten weiter geben kann. Sie profitieren davon. Allerdings muss ich einige Athleten heimlich behandeln, weil sie sonst Ärger mit ihrem angestammten medizinischen Personal oder ihrem Management bekommen. Manche scheuen sich, weil ich nicht in das klassische Schulmedizinverständnis passe. Manchmal bin ich auch so etwas wie eine Ersatz-Mama, das geht bis zum Mittagessen mit hausgemachter Kartoffelsuppe. Die Sportler müssen es aber wollen.
Egal ob Freizeit-, Profi- oder gar kein Sportler. Was empfehlen Sie für die Gesundheit?
Nichts übertreiben. Das sollte die Maxime sein. Egal ob Bewegung, keine Bewegung, Essen oder Fasten. Man sollte das essen, was es gerade gibt - also saisonal und regional. Man sollte den gesunden Menschenverstand einschalten und nicht so viel auf das hören, was in Frauenzeitschriften steht. Es gibt nur ein einziges Buch, das ich empfehlen kann. Und das heißt "Was tut mir gut". Wichtig ist, in sich hineinzuhorchen. Ein Erholungsurlaub sollte nicht nur einmal im Jahr stattfinden, sondern täglich. Radio aus, Augen zu, locker lassen - und wenn es nur für fünf Minuten ist. Da lösen sich viele Verspannungen von ganz alleine.
Die Fragen stellte Tom Bloch.