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Hundehalter machen mobil Bürger wehren sich gegen Tierhasser

Von Eva Funke 

Edith Klenk will den Tierquäler finden, der ihre Bella vergiftet hat Foto: Lichtgut/Horst Rudel
Edith Klenk will den Tierquäler finden, der ihre Bella vergiftet hatFoto: Lichtgut/Horst Rudel

Viele Hundebesitzer sehen rot. Im Stuttgarter Stadtteil Freiberg haben sie sich zu einer Art Bürgerwehr zusammengeschlossen, um dem Hundehasser, der Giftköder ausgelegt hat, das Handwerk zu legen. In Denkendorf hat eine Hundehalterin, deren Tier vergiftet wurde, eine Belohnung ausgesetzt.

Stuttgart - In Freiberg geht die Angst vor einem Tierhasser um. Viele Halter lassen ihre Hunde dort nicht mehr von der Leine, nachdem vor etwa zehn Tagen rund 50 vermutlich mit Rattengift präparierte Köder sichergestellt worden sind. Sie befürchten, ihre Lieblinge könnten weitere ausgelegte Giftköder fressen und genauso elend zugrunde gehen wie die Labrador-Hündin Bella in Denkendorf. Sie ist im März mit dem Pflanzenschutzmittel E 605 vergiftet worden. Auch eine Tierärztin konnte ihr nicht mehr helfen.

Nachdem nun in Freiberg im Bereich der Adalbert-Stifter- und der Wallensteinstraße am 1. Mai erneut 30 Giftköder sichergestellt wurden, haben sich gut ein Dutzend Freiberger Hundehalter zu einer Selbsthilfegruppe zusammengeschlossen und etwa 30 Plakate mit der Warnung vor den Giftködern und Abbildungen der tödlichen Leckerlis aufgehängt. „Rund 100 Köder wurden bisher sichergestellt. Drei Hunde haben die Dinger gefressen. Zum Glück haben es die Halter bemerkt und sind mit ihren Tieren zum Tierarzt. Allen geht es wieder gut“, sagt Ilona Mikulsky. Die 54-Jährige, die selbst einen kleinen Mischling besitzt und zu den Hundehaltern gehört, die nicht tatenlos zusehen wollen, wie weitere Köder ausgelegt werden, warnt auch Eltern: „Die Köder sind so bunt, dass sie von Kindern in den Mund gesteckt werden könnten.“ Die Hundebesitzer, die sich in Freiberg zusammengeschlossen haben, achten nicht nur beim Gassigehen, sondern auch auf ihrem Weg zur Arbeit und zum Einkaufen oder beim Joggen darauf, ob Köder ausgelegt sind.

Außerdem ist die Gruppe auf Facebook aktiv und postet, wann und wo tödliche Köder gefunden wurden. Einige nutzen die sogenannte Giftköder-Radar-App. Entwickelt haben sie Sascha und Amalia Schoppengerd aus Österreich. Laut Amalia Schoppengerd gibt es eine kostenlose Grundfunktion mit Infos, wo in Deutschland, Österreich und der Schweiz Köder sichergestellt worden sind. „Nutzer der App können die Fundorte direkt posten, also melden, so dass andere Nutzer informiert sind.“ Mit einer Zusatz-App, die zwischen einem und 15 Euro kostet, gibt es per Smartphone eine sogenannte Push-Benachrichtigung. „Die Nutzer werden über das Smartphone sofort alarmiert, wenn auf ihrer Gassi-Strecke verdächtige Futterstücke entdeckt wurden“, so Amalia Schoppengerd. Auf die Idee sind die Entwickler, die zwei Sibirische Huskys besitzen, vor vier Jahren gekommen.

„Wir mögen Tiere. Da wir immer wieder davon gehört haben, dass Hunde vergiftet werden und Tierquäler auch mit Nägeln gespickte Köder auslegen, wollten wir dagegen etwas tun“, sagt Amalia Schoppengerd und versichert, dass an der App auch bei derzeit 150 000 Nutzern nichts verdient sei.

Die Polizei warnt vor Selbstjustiz. Achtsamkeit sei gut. Für die Ergreifung von Tätern sei jedoch die Polizei zuständig. Polizei und Verbraucherzentrale Baden-Württemberg geben auch zu bedenken, dass über die App Falschmeldungen verbreitet und dadurch die Angst vor den Giftködern geschürt werden könne. Außerdem, so ein Sprecher der Verbraucherzentrale, sollten sich Nutzer im Klaren darüber sein, dass sie Daten von sich preisgeben. „Die App arbeitet mit GPS, einer Standortbestimmung per Satellit, so dass der App-Nutzer jederzeit geortet werden kann. Bei einer Gebühr von einem bis 15 Euro hält er das finanzielle Risiko für gering, falls man mit der App nicht zufrieden sei.

Edith Klenk wird sich die App vermutlich runterladen, sobald sie wieder einen neuen Hund besitzt. Bereits diese Woche will sie sich einen Labradorwelpen aussuchen und ihn, sobald er von seiner Mutter entwöhnt werden kann, nach Hause holen. Edith Klenk war das Frauchen der Labrador-Hündin Bella, die so kläglich verendet ist. Den Schmerz hat die 54-Jährige noch nicht vergessen. Für Hinweise, die zur Ergreifung des Hundehassers führen, der ihrem Liebling das angetan hat, hat sie 1500 Euro Belohnung ausgesetzt. Die Tierschutzorganisation Peta hat noch 500 Euro draufgelegt.

Infos zur Giftköder-Radar-App: http://www.giftkoeder-radar.com/

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