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Hotel Silber Kompromiss am Karlsplatz möglich

Konstantin Schwarz, vom 24.05.2011 10:06 Uhr
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Weniger ist für das Stadtbild mehr: Die Neubauten am Karlsplatz sollen weniger hoch aufragen, das Hotel Silber erhalten bleiben. Foto: Illustration: Behnisch Architekten / StN-Bearbeitung: Lange
Weniger ist für das Stadtbild mehr: Die Neubauten am Karlsplatz sollen weniger hoch aufragen, das Hotel Silber erhalten bleiben. Foto: Illustration: Behnisch Architekten / StN-Bearbeitung: Lange
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Stuttgart - Durch die neue Landesregierung werden auch die Karten für das Projekt Da Vinci am Karlsplatz neu gemischt. Das frühere Hotel Silber, im Krieg Zentrale der Geheimen Staatspolizei (Gestapo), soll neben dem Neubau von Land und Breuninger nun erhalten bleiben. Die Architekten zeigen eine Lösungsmöglichkeit auf.

Im März 2010 war der international besetzte Architektenwettbewerb für das neue Büro- und Handelshaus samt Fünf-Sterne-Hotel entschieden worden. 118 Büros hatten um die Teilnahme gerangelt. Das Traditionshaus Breuninger und das Land planten entlang der Dorotheenstraße am Karlsplatz zwei große Baukörper für bis zu 1000 Landesbedienstete, Hotel und Handel. Den Wettbewerb gewann das Stuttgarter Büro Behnisch Architekten. Auf dessen Skizzenbrettern und im Computer entstanden seitdem etliche Varianten - darunter auch eine mit dem "Vollerhalt Dorotheenstraße 10".

"Es gab von Anfang an verschiedene Überlegungen zum Hotel Silber. Dass es komplett stehen bleibt, war schon immer Teil unserer Betrachtung", sagt Architekt Martin Haas. Breuninger äußerte sich am Montag auf Anfrage nicht zur Entwicklung.

Stadt- und Landespolitik haben sich dem Kompletterhalt schrittweise genähert. Noch bis im September 2010 ging es vor allem um den Erhalt der Folterkeller der ehemaligen Gestapo-Zentrale. Darüber sollte im Erdgeschoss des Neubaus eine Gedenkstätte eingerichtet werden. Nach einer Anhörung im Rathaus im Dezember galt auch ein Teilerhalt als möglich. Wenige Monate vor der Landtagswahl forderte die SPD den Kompletterhalt. Die Arbeit verschiedener Initiativen, die den geplanten Abriss brandmarkten, zeigte Wirkung. Die Grünen schwenkten zum Kompletterhalt um.

Parallel zu dieser Debatte um die Gedenkstätte im historischen Gemäuer mussten Bauherren und Architekten mit Kritik an der schieren Gebäudemasse umgehen. Aus 49000 Quadratmeter Geschossfläche im Wettbewerb wurden inzwischen 46900. Der zur Markthalle weisende Hauptbau mit Hoteltrakt verlor ein Stockwerk, der gläserne Dachaufbau wurde um acht Meter gekappt, die Traufhöhe sank zum Karlsplatz hin um 5,20 Meter. Um bei dem 150-Millionen-Euro-Projekt (mit Grundstücken: 280 Millionen) nicht zu viel Fläche zu verlieren, wurden begrünte Innenhöfe geschrumpft und die Karlsstraße um zwei auf 13 Meter Breite reduziert. "Wir haben die Effizienz im Gebäude maximiert", beschreibt Martin Haas die Kniffe der Planer.

Der Erhalt des früheren Hotels Silber, den das laufende Bebauungsplan-Verfahren zulässt, wird die nutzbare Fläche nochmals reduzieren. Von den 3200 Quadratmetern in dem Altbau hatte die SPD 2000 für ein Dokumentations- und Forschungszentrum gefordert. Die Sozialdemokraten zeigen sich dem Vernehmen nach kompromissbereit. Im Altbau wären weiterhin auch Beamtenbüros möglich, das Zentrum könnte kleiner werden.

Im Dezember 2014 will Breuninger-Chef Willem G. van Agtmael den Neubau eröffnen. Der Termin dürfte angesichts der Wirrungen der Politik nicht mehr zu halten sein. Bis heute fehlen Investor und Architekt verbindliche Ansagen. Die wird es erst geben, wenn sich die neue Landesregierung auch in den Leitungsebenen der Ministerien personell sortiert hat. Behnisch Architekten hat die Genese des Quartiers am Karlsplatz, wie Da Vinci inzwischen offiziell heißt, in einer Broschüre nachgezeichnet und an Entscheidungsträger verteilt. "Es ist unser Wunsch, eine bessere Informationsgrundlage über den Arbeitsstand zu liefern", beschreibt Haas die Motivation.

Kommentare (9)
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MAI
25
21:31 Uhr, geschrieben von H.
?
Was denn für eine Altbausubstanz? Ein billiger 50er-Bau, sonst nichts. Verrückt, diese Stuttgarter.
MAI
25
10:26 Uhr, geschrieben von Gerd
Frankfurt baut seine Altstadt wieder auf, Dresden die Frauenkirche, Leipzig saniert den Kopfbahnhof
Warum sollte es die Stadt Stuttgart nicht schaffen, alte Bausubstanz nicht nur zu erhalten, sondern wenigstens hier und da gemäß dem früheren Zustand bei den historischen Gebäuden den Wiederaufbau vervollständigen? Beispiel: Hotel Silber, Rathaus, einzelne Marktplatz-Gebäude, Viertel Geißstraße, Bereich Esslinger-/Hauptstätter Straße. Geschichte und Stadtbild sind identitätsstiftend und wichtige Alleinstellungsmerkmale, die wiederum touristisch attraktiv sind (an alle "Modernisten": hier kann man Geld machen!). Dann klappts vielleicht sogar mit der Auslastung der vielen bestehenden und von Wolfgang S. gewünschten neuen Sterne-Hotels.
MAI
25
10:20 Uhr, geschrieben von Marie
Glasaufbau??
Bleibt zu hoffen dass es nicht noch diesen hässlichen Glasaufbau geben wird, siehe Königsbau oder das hässlichste Gebäude der ganzen Stadt Stuttgart, nämlich den noch relativ neuen LBBW-Bau in der unteren Königstraße. Den sollte man sofort wieder einstampfen. Weniger Glas ist mehr. Warum muss immer alles so massiv verglast sein? Das Glas läuft ständig an, muss permanent gereinigt werden, innen ein Treibhaus, dem nur mit energieaufwenigen Klimaanlagen zu begegnen ist, und nach außen strahlt es unwirtliche Kälte und Sterilität aus. Dass es auch anders geht, zeigt der Phoenix-Bau, oder noch besser, das Haus Hugendubel in der Stadtmitte. Das sollte man sich zum Vorbild nehmen für Neubauten in der Stadt.
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