Seit fast vier Jahren laufen die Gespräche. Kurz vor Weihnachten schien das Geschäft unter Dach und Fach zu sein. Um ein neues Baustoffabhollager bauen zu können, wollte der Baumarkt Hornbach rund 200 Meter entfernt von seinem Esslinger Stammhaus im Gewerbegebiet Sirnau von der Stadt ein 4400 Quadratmeter großes Grundstück kaufen. Gelegen ist es zwischen der Süddeutschen Zeitungszentrale und dem Abhollager des Möbelhauses Rieger. 1,4 Millionen Euro wäre durch den Verkauf in die Stadtkasse geflossen - Geld, das im Rahmen des Sparpakets 2010 bereits eingeplant war. Auf eine Ausschreibung des Geländes hin hatte sich nur Hornbach als Interessent gemeldet.
Doch aus dem Geschäft ist vorerst nichts geworden, denn im Gemeinderat haben sich die CDU, die Freien Wähler und die Grünen geweigert, dem Kaufvertrag zuzustimmen. Aus der Sicht der Parteien hat die Esslinger Verwaltung noch nicht genug getan, um für eines der letzten größeren Grundstücke im Gewerbegebiet Sirnau einen Bauherrn zu finden, der bereit ist, dort möglichst viele Arbeitsplätze zu schaffen. Hornbach hatte für den Neubau 17 hochwertige neue Arbeitsplätze in Aussicht gestellt.
Die Abstimmungsniederlage hat nun die Geschäftsführung und die Mitarbeiter von Hornbach bewogen, in die Offensive zu gehen. Innerhalb weniger Wochen haben die 110 Mitarbeiter der Esslinger Filiale bei der Kundschaft 4200 Unterschriften gesammelt. Einziges Ziel: der Gemeinderat soll noch einmal seine Entscheidung überdenken. Gestern Morgen hat eine Hornbach-Delegation die Unterschriftenliste im Büro von Esslingens Oberbürgermeister Jürgen Zieger übergeben. Das Konzept von Hornbach sieht vor, die Baustoffabteilung aus dem bestehenden Baumarkt auszugliedern und am neuen Standort ein Baustoffabhollager zu errichten, das nicht nur den professionellen Kunden des Baumarkts, sondern auch den Heimwerkern deutlich mehr Service als bisher bietet.
Die im Baumarkt frei werdenden Fläche soll für ein neues Bad- und Küchenzentrum genutzt werden. Zudem will Hornbach den Handwerkerservice - also die Vermittlung von lokalen Handwerkern an die Kundschaft - deutlich ausbauen. Diese Erweiterung, davon ist die Hornbach-Konzernsprecherin Ursula Dauth überzeugt, ist notwendig, um angesichts wachsender Konkurrenz in der Region langfristig am Markt bestehen zu können.
Oberbürgermeister Jürgen Zieger kündigte an, er werde den geplanten und von ihm persönlich befürworteten Grundstücksverkauf an Hornbach in den anstehenden Haushaltsplanberatungen erneut auf die Tagesordnung setzen. Zieger: "Ich glaube, dass es doch noch gelingt, eine Lösung zu finden." Allerdings könne er nicht ausschließen, dass Hornbach noch einmal im Rahmen einer weiteren Ausschreibung des Geländes sein Interesse bekunden müsse. Er ermunterte die Verantwortlichen aber, an den Plänen festzuhalten.