Die erste Zeit mit einem Baby ist oft nicht leicht - das war früher nicht anders als heute. Doch früher konnten sich die jungen Mütter und Väter oft auf die Hilfe der Großeltern oder der Nachbarn verlassen. Heute ist das anders: Oma und Opa wohnen meistens in einer völlig anderen Ecke Deutschlands und den Menschen in der eigenen Straße sagt man nicht mehr als "Guten Tag". Das weiß auch Corinna Wirth. Sie ist eine der Geschäftsführerinnen im Haus der Familie und zuständig für das Projekt Wellcome.
"Wellcome ist moderne Nachbarschaftshilfe", sagt Wirth. Das Programm sieht vor, dass Ehrenamtliche zwei- bis dreimal die Woche für zwei bis drei Stunden den jungen Familien unter die Arme greifen. Sie begleiten beispielsweise Mutter und Baby zum Arzt oder beschäftigen sich einfach eine Weile mit den Kleinen, damit die Mutter Zeit für andere Dinge hat. Denn bei Wellcome geht es nicht nur darum, den neuen Erdenbürger willkommen zu heißen, sondern auch um das Wohlbefinden der Mutter, was die Schreibweise des Projektnamens erklärt. Allerdings umfasst das Angebot nur die Kinderbetreuung und nicht die Hilfe im Haushalt. Für eine Betreuungsstunde bittet das Haus der Familie um einen Kostenbeitrag in Höhe von fünf Euro. Doch letztlich entscheiden die Familien selbst, wie viel sie geben können und wollen. "Wir prüfen die finanzielle Situation nicht nach", sagt Wirth.
Doch die Sache hat einen Haken: Denn derzeit hat das Haus der Familie bei weitem nicht genügend Ehrenamtliche, um alle Familien zu versorgen. "Wir haben auf den Fildern mehr als 15 Paare auf der Warteliste", sagt Wirth und ergänzt: "Allein für die Stadtbezirke im Stuttgarter Süden könnten wir knapp 20 weitere Helfer gebrauchen." Die Ehrenamtlichen sind über das Haus der Familie versichert und bekommen die Fahrtkosten ersetzt. Eine Aufwandsentschädigung erhalten sie jedoch nicht. Allerdings haben sie die Möglichkeit, sich kostenlos zu qualifizieren und beispielsweise einen Säuglingspflege- oder Erste-Hilfe-Kurs zu absolvieren. Darüber hinaus werden regelmäßig Treffen angeboten, bei denen sich die Ehrenamtlichen austauschen können. Wirth betont, dass keiner ein Risiko eingeht: "Jeder bekommt im Vorfeld die Möglichkeit, die Familie kennen zu lernen und man verpflichtet sich immer nur für einen Einsatz."
Und wenn es doch mal Probleme geben sollte - die junge Mutter mit der neuen Situation überfordert ist oder es Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich gibt - können sich die Ehrenamtlichen an die Hauptamtlichen des Hauses der Familie wenden. "Es wird keiner allein gelassen. Wir vermitteln an die entsprechenden Beratungsstellen. Unser Ziel ist es, solche Situationen zu entschärfen", sagt Wirth.