Heimatliebe zum Kleben Ansturm bei Tauschaktion fürs Panini-Stuttgart-Album

Von Uwe Bogen 

Auf Zetteln stehen Nummern von fehlenden Stickern: Die Tauschaktion von Buch- und Zeitungshändler Alfred Roller hat am Montag viele  Panini-Sammler angelockt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Auf Zetteln stehen Nummern von fehlenden Stickern: Die Tauschaktion von Buch- und Zeitungshändler Alfred Roller hat am Montag viele Panini-Sammler angelockt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Seit der Rede des Bundespräsidenten löst die Heimat emotionale Debatten aus – und sie lässt sich in Stuttgart und der Region sogar kleben: Die erste Tauschaktion zum Panini-Stadtalbum hat am Montag im Königsbau für einen riesigen Andrang gesorgt.

Stuttgart - Bereits um 8.30 Uhr hat sich am Montag vor dem Buch- und Zeitungsgeschäft von Alfred Roller im Königsbau eine lange Schlange gebildet. Als der Chef um 9 Uhr seine Tauschaktion für das Panini-Album „Stuttgart sammelt Stuttgart“ startet, füllt sich im Nu sein kleiner Laden am Schlossplatz. Es dauert nicht lange, dann kann er keinen mehr hineinlassen.

Bei den Jägern und Sammlern, die an diesem Vormittag ihre doppelten Sticker loswerden und fehlende Motive finden wollen, sind die Jüngsten vielleicht 40 Jahre alt. Den Altersschnitt erklärt einer der Besucher so: „Wir können nicht auf Schulhöfen tauschen, da brauchen wir eine Börse wie hier.“

Zeitungshändler Alfred Roller wollte eigentlich nur alle Tütchen einer kompletten Sammlerbox aufreißen, die Bilder in einer offenen Schachtel aufbewahren und zum Tauschen bereitstellen. Doch dann breiten sich die zahlreich erschienenen Panini-Fans aus, nehmen immer mehr von seinem Laden in Beschlag. Sie lesen sich aus ihren Listen Bildernummern vor, die sie suchen, zeigen stapelweise ihre doppelten, blättern in den Alben und zeigen auf leere Flächen.

Tausch gegen Geld ist hier nicht erlaubt

Der Chef lässt die Sammler gewähren, auch wenn „normale“ Kunden nichts mehr einkaufen können. Nur eines verbietet Roller der Panini-Gemeinde. Sticker gegen Geld zu tauschen, also auch zu Schwarzmarktpreisen, das ist nicht erlaubt. Eine wahre Freude ist es, wie sich Stuttgart-Fans im Rentneralter wieder wie Kinder fühlen, wenn sie etwa von 20 fehlenden Nummern 17 mit nach Hause nehmen können.

Wenn’s glitzert aus dem Tütchen, freuen sich die älteren Kunden von Alfred Roller wie Kinder. Es war die Idee des Buch- und Zeitungshändlers, die Panini-Aktion, die mithilfe der Redaktion der Stuttgarter Nachrichten und der Stuttgarter Zeitung entstanden ist, mit einer privaten Sammlerbörse zu begleiten. Heimatliebe zeigt sich auch hier, „Onser Hoimat zom Zsammabäbba“ lautet das Motto des bunten Heftes, das lehrreiche Texte enthält und die Stadtgeschichte spielerisch aufbereitet.

Mit einem „Knallerstart“ ging’s los, sagt Roller. „Nach zwei, drei Tagen“ waren bei ihm alle Sticker weg. Jetzt, da der Nachschub gesichert ist, sind die Panini-Fans besonders auf die Glitzerbilder scharf. 24 Motive aus der gesamten Kollektion haben einen besonderen Glitzereffekt. Wer so ein „Glitzi“ im Doppel erwischt, kommt mit dem Tauschen besonders weit.

Die meisten Sticker werden in Degerloch verkauft

Doppelte tauschen? Travestie-Lady Frl. Wommy Wonder, selbst als Glitzersticker im Panini-Stuttgart-Album dabei, denkt nicht daran. Sie behält die doppelten Sticker, um damit ein weiteres Sammelheft zu füllen.

„In Stuttgart zeichnet sich ein interessantes Phänomen ab“, berichtet der Sportjournalist Oliver Wurm, der mit seinem Kollegen Alexander Böker die Stadtalben von Panini erfunden hat. Zum Start Ende September, dies sei in allen Metropolen bisher so gewesen, gingen die Umsätze steil nach oben, während die Verkäufe dann in aller Regel nach einer gewissen Zeit abflachen. „In Stuttgart jedoch ist die Nachfrage noch immer stark und stabil“, freut er sich. Eine halbe Million Stuttgart-Tütchen mit je fünf Bildern seien bereits verkauft. „Die Alben und Sticker bleiben mindestens bis ins Frühjahr 2018 im Handel“, versichert Wurm. Erst dann werde das Stuttgarter Panini-Album für die Fußball-Sticker zur WM in Russland auf dem Markt verschwinden.

Wie bei der Analyse nach einer Bundestagswahl hat die Süddeutsche Zeitungszentrale Presse-Grosso GmbH detailreich untersucht, wo in der Stadt die meisten Panini-Sticker verkauft werden. Auf Platz eins bei den Umsätzen liegt Degerloch vor Sonnenberg und vor Weilimdorf. Platz vier belegt die Innenstadt. Fünfter Sieger ist Feuerbach, und Platz sechs geht vorläufig an Sillenbuch. Doch das Rennen ist noch nicht vorbei. Es soll viele geben, die erst jetzt „Onser Hoimat zom Zsammabäbba“ entdecken.

Heimatliebe auf 324 Stickern: Von Cro bis Gotthilf Fischer, vom VfB bis zur Wilhelma – im Album „Stuttgart sammelt Stuttgart“ ist alles drin, was die Stadt und die Region ausmacht, worauf die Menschen hier stolz sind. Selbstklebende Sticker und Alben mit je 52 Seiten gibt es dort, wo es Zeitungen und Magazine gibt, also im Buchhandel, in Tankstellen und in einzelnen Supermärkten. Das Sammelheft mit erklärenden Texten kostet 1,95 Euro. Ein Tütchen mit fünf Bildchen kostet 60 Cent.

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