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Hannes Kilian Das Leben ist ein Blick durch die Kamera

Nikolai B. Forstbauer, vom 10.02.2012 16:46 Uhr
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Auf den Fildern Foto: Hannes Kilian
Auf den Fildern Foto: Hannes Kilian

Stuttgart - Der Turm ist leicht aus der Achse gekippt, und mehr noch wird er in dieser Position zur Lichtskulptur. Zugleich aber vereinen sich Technikbegeisterung und Naturhommage auf selbstverständliche Weise. Es ist bei aller Kühnheit ein zurückhaltender (Foto­grafen-)Blick.1937 bei der Weltausstellung in Paris sieht Hannes Kilian den Pavillon de la Marine Marchande. In seinem Foto werden Ingenieurkunst, Lichtspiel und Natur­allegorie eins. 28 Jahre alt ist Kilian, als er die Weltausstellung besucht, Paris durchstreift, das Allgemeine gerade dadurch zum ­Besonderen erhebt, indem er nichts überhöht.

Hannes Kilian? Der Fototheoretiker Klaus Honnef gab vor vier Jahren freimütig zu, dass dieser Name in der ersten Reihe der deutschen Fotografen des 20. Jahrhunderts fehlt. Bisher, mochte man damals sagen. Nicht nur Honnef, der ehrlich bekannte, „kein Freund des Balletts“ zu sein, sah sich durch die Beschäftigung mit Kilian „im besten Sinn korrigiert“.

Das Stuttgarter Ballettwunder ist durchaus auch ein bildnerisches

Tatsächlich ist Hannes Kilian als Ballettfotograf bekannt, und seine Fotos prägten seit den frühen 1960er Jahren auch in unserer Zeitung das Bild des Aufstiegs des Stuttgarter Balletts unter Leitung des britischen ­Choreografen John Cranko. Das Stuttgarter Ballettwunder ist durchaus auch ein bildnerisches – erkennt man doch in Kilians Fotos eine kongeniale Antwort auf Crankos Sehnsucht, den Tanz in eine mit erzählerischer Tiefe gepaarte neue Leichtigkeit zu führen. Cranko, auch dies machen die Fotos deutlich, weckte Kilians Interesse ebenso als Künstler wie als Person, mehr noch, Kilian fühlte sich von Cranko verstanden – und antwortete auf seine Weise: bildnerisch.

Auch ein anderer Kilian ist bekannt – der Fotograf der Trümmerlandschaft Deutschlands. Noch gezeichnet von einer Kriegsverletzung, zog es ihn zuerst 1944 in Stuttgart ­hinaus auf die durch alliierte Bombenangriffe zerstörten Straßen. Das Fotoverbot hielt ihn nicht zurück – und so entstanden stumme, schreiende Szenen des Leids.

500 000 Aufnahmen umfasst das Kilian-Panorama

Doch Klaus Honnef, der sich auf Initiative von Gundel Kilian, selbst als Theater- und Ballett-Fotografin bekannt gewordene Ehefrau des 1999 gestorbenen Hannes Kilian, 2007 dem Archiv des Fotografen näherte,entdeckte weit mehr. Damit war der Weg frei für ein gewaltiges Unterfangen – den Kontinent Kilian in all seinen Teilen zugänglich zu­ ­machen und zugleich als Ganzes zu ­präsentieren.

500 000 Aufnahmen umfasst das Kilian-Panorama – eine radikale Sichtung also war verlangt. „Hannes Kilian“ heißt das Ergebnis 2009 schlicht. Im Martin-Gropius-Bau in Berlin, 1929 einst Bühne der wegweisenden Werkbund-Ausstellung „Film und Foto“, wird die Schau gezeigt. Drei Jahre später präsentiert nun das Haus der Geschichte Baden-Württemberg im Kunstgebäude am ­Stuttgarter Schlossplatz "Der ganze Kilian". Der Titel verweist auf das Gesamtengagement des auch mit der Nachlass-Betreuung betrauten Hauses der Geschichte – 2004 stellte man ­Kilian in der Schau „Bilder­geschichten“ als Erzähler vor.

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