Stuttgart - Rolf Brack bricht nach dem EM-Aus nicht den Stab über der Nationalmannschaft. „Wir haben kein Trainer- oder Spielerproblem, wir haben ein Strukturproblem“, sagt der Balinger Bundesligacoach.
Herr Brack, was bedeutet die Nicht-Teilnahme an Olympia für den deutschen Handball?
Erst einmal ist diese EM ein drastischer Beleg dafür, wie unglaublich eng Erfolg und Misserfolg im Sport beieinanderliegen. Aber unterm Strich steht die traurige Tatsache, dass wir zum dritten Mal in Folge bei einem großen Turnier die Ziele verfehlt haben. Das ist für alle Beteiligten eine bittere Entwicklung. Zumal wir Handballer bei Olympia neben Hockey die einzige deutsche Ballsportmannschaft gewesen wären. Das hätte dem Image und der Popularität gut getan.
Welche Konsequenzen sind daraus zu ziehen?
Noch einmal: Hätten wir gegen Polen mit einem Tor gewonnen, wäre von der Neugeburt des deutschen Handballs die Rede gewesen. Das wäre genauso unangebracht gewesen, wie jetzt den endgültigen Untergang auszurufen. Wir müssen wegkommen vom Bewerten einer Situation aufgrund kurzfristiger Aspekte wie Glück und Pech.
Zu welcher tieferen Analyse kommen Sie?
Wir büßen aktuell für die Fehler der Vergangenheit. Zum Beispiel wäre die Mission Olympia-Qualifikation bei der vergangenen WM 2011 viel leichter zu realisieren gewesen.
Dort wurde das Team nur Elfter.
Eben. Und bei der EM davor auch nur Zehnter. Auf die Fehlentwicklungen wurde viel zu spät und zu zauderhaft reagiert. Ich hätte mir mehr Innovationsbereitschaft gewünscht. Das geht bei Strukturen los und endet bei Personen, die auch mal querdenken.
Können Sie konkret werden?
Ein Ansatz ist die Nachwuchsarbeit. Im Fußball war der Leidensdruck so groß, dass mit großer Leidenschaft vor zehn Jahren eine radikale Revolution stattgefunden hat. Die gibt es im Handball bis heute nicht.
Die Vereine müssen Bedingungen erfüllen, damit sie das Jugendzertifikat bekommen.
Und wenn sie diesen Vorgaben nicht nachkommen, müssen sie gerade mal fünf Prozent des Bruttolohnbudgets ihrer Bundesligamannschaft an Strafe zahlen. Und wohin dieses Geld fließt, weiß ich nicht einmal.
Was wünschen Sie sich?
Dass die wenigen Vereine, die vorbildliche Nachwuchsarbeit betreiben, deutlich mehr unterstützt werden. Dass sie das Gütesiegel eines nationalen Stützpunkts erhalten und sich Pädagogen mit Handballkompetenz als Internatsleiter leisten können.
DHB-Präsident Uli Strombach wiederholte am Donnerstag seine Forderung nach einer Quotenregelung in der Bundesliga.