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Hand in Hand bei der Lehrstellensuche

"Nord-Rundschau", 05.04.2011 02:45 Uhr
Stuttgarter Norden. Mühlhausen, Münster, Zuffenhausen und Stammheim haben eine Ausbildungsmesse veranstaltet.Von Bernd Zeyer
Stuttgarter Norden. Mühlhausen, Münster, Zuffenhausen und Stammheim haben eine Ausbildungsmesse veranstaltet.Von Bernd Zeyer

Was für einen Schulabschluss brauche ich, um Polizist zu werden, was genau macht eigentlich ein Klempner, welche Berufe bieten große Firmen wie Bosch und Porsche an? Antworten auf Fragen rund um Ausbildung und Karriere gab es bei der Messe "Local Career" in der Bertha-von-Suttner-Realschule, bei der am Freitag 35 Betriebe und rund 400 Schüler mitgemacht haben.

"Hallo Jungs, darf ich euch einen interessanten Beruf vorstellen?", sagt Fritz Erlach und blickt zu einer Gruppe Jugendlicher, die noch etwas unschlüssig umherstehen. Erlachs lockere Art kommt an: Der Hauptkommissar des Stuttgarter Polizeipräsidiums weiß, wie man junge Leute ansprechen muss. Gestenreich wirbt er für Nachwuchs: "Das ist ein sicherer Beruf, es gibt immer Arbeit, außerdem können auch Migranten ohne deutsche Staatsbürgerschaft Polizist werden." 800 Stellen pro Jahr gebe es im Ländle, da brauche man viele Bewerber. Einige davon hofft er auf der Ausbildungsmesse zu finden: "Das ist eine tolle Sache, die Schüler haben direkten Zugang zu den Betrieben und verlieren die Scheu."

Das findet auch Susanne Eisenmann. Die Stuttgarter Schulbürgermeisterin ist am Freitag vor Ort, um eine Runde über die Messe zu drehen. "Für die Jugendlichen ist es eine tolle Chance, sich anzuschauen, was für Möglichkeiten sie haben", sagt Eisenmann. Es sei keine Selbstverständlichkeit, dass man diese Gelegenheit bekomme. "Machen Sie weiter so", wünscht sie sich von den Organisatoren. Mühlhausen, Münster, Zuffenhausen und Stammheim haben sich zusammengetan, um jungen Leuten beim Start in den Beruf unter die Arme zu greifen. 2007 hatte es "Local Career" zum ersten Mal in Mühlhausen gegeben. Später kam Münster mit ins Boot, in diesem Jahr sind Zuffenhausen und Stammheim zum ersten Mal dabei. "Das ist eine effektive Fortführung der Zuffenhäuser Lehrstellenbörse", sagt Bezirksvorsteher Gerhard Hanus. Auch seine Stammheimer Kollegin Tina Hülle ist voll des Lobes: "Sowohl Jugendliche als auch Unternehmen können von der Veranstaltung profitieren.

Eine der jugendlichen Messe-Besucherinnen ist Veronika Schultz. Die 18-Jährige geht zur Rilke-Realschule und findet die Messe "richtig toll". Sie möchte gerne Bankkauffrau werden und hat am Stand der Volksbank Zuffenhausen eine Bewerbungsmappe abgegeben. Dass sich Schüler ganz gezielt bewerben, ist neu. Bislang ist bei "Local Career" eher die Information im Mittelpunkt gestanden. "Die Jugendlichen sind dadurch besser informiert und haben ganz konkrete Fragen", beschreibt Maren Kopp, Leiterin der Kindertagesstätte Rilkeweg 17, die Vorteile des neuen Systems.

Dass "Local Career" schon in der Vergangenheit einige Erfolge verzeichnen konnte, beweist Petr Hamadej. Der 17-Jährige hatte vergangenes Jahr bei der Messe den Kontakt zur Volksbank Zuffenhausen hergestellt, dann dort ein Praktikum gemacht und hat nun einen Ausbildungsvertrag zum Bankkaufmann in der Tasche. Ohne "Local Career", das erzählt der Zehntklässler, hätte die Suche nach einer Lehrstelle wohl kaum so reibungslos geklappt.

Besonders hoch für Bewerber sind die Hürden bei großen Firmen wie Porsche oder Bosch. "Für die 200 Ausbildungsplätze, die wir in Feuerbach anbieten, gibt es 6000 bis 8000 Bewerbungen", berichtet Katharina Schorling, Ausbildungsleiterin für Industriekaufleute. Die Qualität der Bewerbungen sei sehr unterschiedlich, festzustellen sei allerdings, dass Sprach- und Grammatikkenntnisse eher nachließen. Bei Bosch glaubt man, die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Jugendliche auf der Suche nach einer Lehrstelle brauchen keine Mappe mehr einzuschicken, sondern müssen sich online bewerben.

100 Plätze pro Jahr bietet der Sportwagenhersteller Porsche. Wie viele Bewerber es dafür gibt, möchte Claudia Wagner, Leiterin der kaufmännischen Ausbildung, nicht sagen. Für 2011 seien ohnehin alle Stellen vergeben. Auch Hauptschüler werden gern genommen. Dabei, so Wagner, sei ein gutes Zeugnis hilfreich, man achte aber nicht nur auf die Noten: "Das Gesamtbild muss passen."

Auch kleinere Betriebe brauchen natürlich Nachwuchs. "Wir suchen immer Leute", sagt Martin Schaaf, Chef der Zuffenhäuser Flaschnerei Hessel und Vorsitzender des Bundes der Selbständigen (BdS) in Zuffenhausen. Viele Jugendliche, so seine Erfahrung, wüssten gar nicht, welche Berufe es überhaupt gibt. Und sich die Hände dreckig machen oder an der frischen Luft arbeiten wolle auch nicht jeder. Das ist bei Alben Maloki anders. Der 22-Jährige kam über ein Schulpraktikum zur Firma Hessel und ist mittlerweile Klempnergeselle: "Der Beruf macht Spaß, ist abwechslungsreich und man lernt ständig dazu."

Auch die Mobile Jugendarbeit ist am Freitag mit dabei. "Wir motivieren und informieren die Jugendlichen, auf Wunsch gehen wir mit ihnen auch zu den Ständen der Betriebe", erläutert Korina Smrcek. Die Hemmschwelle sei niedrig, das Konzept überzeuge: "Die Schüler sind gut vorbereitet und kommen nicht nur zur Messe, um Kugelschreiber einzusammeln."

 
 
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