Günter Lenhardt für die AfD im Wahlkreis Kirchheim „Dem Flüchtling ist egal, an welcher Grenze er stirbt“

Von Thomas Schorradt 

Günter Lenhardt hat inzwischen die Krawatte und die langen Haare abgelegt. Foto: Horst Rudel
Günter Lenhardt hat inzwischen die Krawatte und die langen Haare abgelegt.Foto: Horst Rudel

Als bekennender Konservativer hat Günter Lenhardt der CDU den Rücken gekehrt, weil er sich durch die Entscheidungen eines Helmut Kohl und einer Angela Merkel seiner politischen Heimat beraubt gesehen hat. Jetzt kandidiert er für die AfD.

Esslingen - Frauke Petry, die Bundesvorsitzende der Alternativen für Deutschland (AfD), hat in einem Interview mit dem Mannheimer Morgen bejaht, dass ein Grenzpolizist notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen sollte, wenn es darum gehe, einen Flüchtling am illegalen Grenzübertritt zu hindern. Die Aufsehen erregende Ansicht seiner Chefin garniert Günter Lenhardt, der Kandidat der AfD im Wahlkreis Kirchheim, mit einer ganz eigene Interpretation des Themas. „Dem Flüchtling ist es doch egal, an welcher Grenze, an der griechischen oder an der deutschen, er stirbt“, sagt er. Wenn ein Grünen-Politiker wie der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer fordere, an den EU-Außengrenzen bewaffnete Grenzkontrollen einzuführen, da frage er, Lenhardt, sich doch: „Wozu ist eine Waffe da, wenn nicht zum Schießen?“

Flüchtlinge spielen am Stammtisch keine Rolle

Ohnehin sei die ganze Diskussion um den Umgang der AfD mit Flüchtlingen überbewertet. „An unseren Wahl-Stammtischen spielt das Thema eigentlich keine Rolle“, sagt Lenhardt. Die Leute, die dort zusammenkämen, wollten wissen, was die AfD zum Thema Innere Sicherheit, Finanzen, Bildung und Verkehr zu sagen habe. „Da haben viele einen Diskussionsbedarf. Mir können sie sagen, wo der Schuh drückt“, sagt Lenhardt.

Meist entwickele die Veranstaltung dann eine Eigendynamik – ähnlich wie die Mitgliederzahlen in dem von Lenhardt gegründeten Ortsverband Filder. „Wir haben mehr als 100 Mitglieder und einen Antragsstau von weiteren 30 “, sagt Lenhardt. Er selbst sei auf die AfD gestoßen, weil er sich von der CDU nicht mehr vertreten gefühlt habe. „Ich war schon immer konservativ eingestellt und habe 40 Jahre lang auch so gewählt“, sagt er. Nach der Wende habe er sich zunehmend seiner politischen Heimat beraubt gesehen. „Schon unter Kohl hat mir die Familienpolitik und der Umgang mit der deutschen Staatsbürgerschaft nicht gefallen. Mit Merkels Politik konnte ich dann gar nichts mehr anfangen“, sagt Lenhardt, der in Eislingen/Fils geboren ist und in Filderstadt lebt.

Arbeitsplatz: Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge

Die AfD hat der Landtagskandidat sechs Monate lang beobachtet, ehe er schließlich eingetreten ist. „Wenn ich da schon mitmache, dann will ich auch mitgestalten“, habe er sich damals gesagt und gleich den Ortsverband Filder gegründet. Beruflich hat es ihn inzwischen nach Heidelberg verschlagen. Dort ist er als Reservist der Bundeswehr in die Landeserstaufnahmestelle abgeordnet, wo er mit der Registrierung von Flüchtlingen beschäftigt ist. Zuvor war er als Sachbearbeiter für Produktion und Logistik für einen Stuttgarter Autohersteller weltweit im Einsatz gewesen.

Gegen das Etikett „rechtsradikal“ wehrt sich Lenhardt vehement. „Ich ändere doch nicht von heute auf morgen meine Einstellung, nur weil ich in der AfD bin“, sagt er. Er und seine Parteifreunde seien normale Bürger, die Sorge um ihr Land hätten. Als solche seien sie nicht allein. „Ich schätze, hinter uns und unserem Programm stehen rund 20 Prozent der deutschen Bevölkerung“, sagt Lenhardt.

Diesen 20 Prozent verspricht Lenhardt, das dreigliedrige Schulsystem wieder einzuführen, die deutschen Grenzen besser zu schützen, das baden-württembergische Integrationsministerium aufzulösen, den Nahverkehr zu fördern und den Bau von Windkraftanlagen zu stoppen.

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