Gründe für das Auf und Ab VfB bleibt ein Wackelkandidat

Von Gunter Barner 

Dem VfB (Lukas Rupp/li., gegen André Ramalho) Foto: dpa
Dem VfB (Lukas Rupp/li., gegen André Ramalho)Foto: dpa

Nur noch fünf Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz: Die Mannschaft von Trainer Jürgen Kramny verkraftet einzelne Ausfälle nicht, um dauerhaft Top-Leistungen abzurufen. Drei Kriterien für das ständige Auf und Ab.

Einstellung: Irgendwas fehlte immer beim 0:2 gegen Bayer Leverkusen: die Nähe zum Gegenspieler sowieso, meistens auch die Genauigkeit im Passspiel. „Dann triffst du ein paar falsche Entscheidungen, die Sicherheit geht flöten, daraus resultiert ein Aktionismus, der eher kontraproduktiv ist“, sagt Trainer Jürgen Kramny. Warum es so weit kam? Kramny hat da einen Verdacht: „Da war vielleicht eine zu große Selbstsicherheit da.“ Im Vorfeld war viel von Leverkusens Verletzungsmisere und Formkrise die Rede, im Umfeld sowieso, aber wohl auch in der Mannschaft, aus der es Spieler wie Daniel Didavi, Filip Kostic und neuerdings wohl auch Timo Werner wegzieht und sie womöglich ablenkt. Kramny: „Der eine oder andere war vielleicht im Kopf nicht richtig bei der Sache.“

Aber kann das wirklich wahr sein? Beim VfB schon. Es wäre nicht das erste Mal, dass manchem Profi zu wohl wird, sobald es sportlich läuft. Als Kramny kam, legte die Mannschaft eine Serie von acht Spielen ohne Niederlage hin, zuletzt gab es nur einen Sieg in sechs Partien. Mitten im Erfolg kam Hannover 96. Gegen das abgeschlagene Schlusslicht gewinnt seit Wochen jeder, nur der VfB nicht. Nur Pech, Sorglosigkeit oder gar Selbstüberschätzung? Gegen die Niedersachsen verballerte der VfB seine vielen Torchancen. Gegen Leverkusen waren sie rarer gesät, umso mehr Konzentration wäre gefragt gewesen – Kopfsache. Siehe Alex Maxim. „Mit ein bisschen mehr Konsequenz hätte er das 1:2 machen können“, monierte Kramny. Was auch (wieder mal) für Timo Werner galt.

Qualität: Die neun Ausfälle waren Bayer Leverkusen nicht anzumerken. Vor allem in der Offensive war die Werkelf so namhaft wie durchschlagskräftig. Beim VfB fehlten „nur“ vier Mann, doch das waren schon zu viele. Siehe Florian Klein. „Ich muss die Entscheidung des Trainers nicht verstehen“, hatte der Österreicher seine Reservistenrolle in den vergangenen Wochen kommentiert. Das 0:2 müsste ihm die Augen geöffnet haben: Klein war als rechter Verteidiger nicht nur gegen Julian Brandt (ein Tor, ein Assist) überfordert und nicht annähernd ein gleichwertiger Ersatz für den verletzten Kevin Großkreutz, der ungleich mehr Präsenz, Aggressivität und Emotionalität zeigt. Auch auf anderen Positionen klemmt es. Daniel Didavi hatte am Samstag ein Grippevirus erwischt. Statt die Spielmacherrolle an Alexandru Maxim zu vergeben, hielt Trainer Jürgen Kramny den angeschlagenen Didavi für wertvoller als seinen gesunden und fitten Vertreter.

Auf der linken Abwehrseite ist auf Emiliano Insua (meist) Verlass, doch wehe, er fällt einmal aus – Philip Heise wird, mit Verlaub, kaum sein Niveau erreichen. Das ist dem Neuzugang nicht vorzuwerfen, es bestätigt vielmehr eine alte Wahrheit: Der VfB kann es sich finanziell nicht erlauben, die zweite Reihe durchweg mit Topleuten zu besetzen. Bei Leverkusen fügten sich die Talente Benjamin Henrichs (19) und Vladlen Jurtschenko (22) nahtlos ein, was ihnen in einer funktionierenden Elf zweifelsfrei einfacher fiel als den eingewechselten Artem Kravets und Boris Tashchy beim VfB.

Taktik: Zumindest in einem Punkt war das 0:2 gegen Bayer Leverkusen ein Abbild der vorangegangenen Partie beim FC Ingolstadt (3:3): Wenn der Gegner früh stört und massiv presst, behagt das dem VfB überhaupt nicht. Gegen den Aufsteiger fand der VfB noch ein Gegenmittel, gegen ein Topteam wie Bayer nicht. „Gegen Spitzenmannschaften tun wir uns schon noch schwer“, räumte Florian Klein ein. Unter Bedrängnis hapert es schon im Spielaufbau aus der Abwehr heraus, wo Daniel Schwaab dann hektisch agiert (vor dem 0:1 schlug er den Ball zum Gegner) und sich häufig nur mit langen Bällen zu behelfen weiß.

„Damit wollten wir das Pressing umgehen“, sagte sein Nebenmann Georg Niedermeier und räumte ein: „Das war nicht besonders effektiv. Wir haben das nicht sauber ausgespielt.“ Was auch daran lag, dass der Gegner auch die übrigen Positionen im VfB-Spiel zudeckte. So stellte Leverkusen die linke Angriffsseite des VfB (mit Filip Kostic und Emiliano Insua) zu, die rechte Seite (mit den indisponierten Klein und Lukas Rupp) hatte sich selbst lahmgelegt – und weil außen nichts ging, musste der VfB den Weg durch die Mitte nehmen, wo Serey Dié, Christian Gentner und vor allem Daniel Didavi mehr oder weniger weit unter ihren Möglichkeiten blieben. Alles in allem ist das Repertoire zur Lösung kniffliger Spielsituationen zu klein. „Die Tabellensituation ist immer noch nicht rosig, aber auch nicht dramatisch“, sagt Niedermeier. Dessen ungeachtet ist Trainer Jürgen Kramny gefragt, Lösungen zu finden.

 

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