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Großer Schritt

"Stuttgarter Nachrichten", vom 05.03.2010 04:30 Uhr
Von Josef Schunder

Vier Jahre nach seiner Idee für das Projekt Da Vinci kommt für den Breuninger-Chef Willem G. van Agtmael die Ziellinie in Sicht. Mit der Auswahl des Architekturbüros hat das neue Viertel an prominentester Stelle in Stuttgart deutliche Konturen angenommen.

Der siegreiche Entwurf des Büros Behnisch hat seine Vorzüge. In der Sporerstraße lässt er viel Freiraum und verspricht eine Hinterhofsituation der bisherigen Art zu vermeiden. Die von Land und Breuninger erkämpften und von der Stadt tolerierten 49 000 Quadratmeter Nutzfläche werden durch eine abgestufte Dachlandschaft verteilt und kaschiert. Das gefiel vor allem den Preisrichtern der Stadt besser als der Entwurf des dritten Preisträgers, der am Karlsplatz Höhe vermeidet und dafür Flächen in ein benachbartes Hochhaus verlagert. Dennoch tritt das Behnisch-Modell auch nicht so massig, so eigenständig und so selbstverliebt in Erscheinung wie die erste Vision für Da Vinci. Diese Vision hatte der Holländer Ben van Berkel geliefert. Im Wettbewerb war er auch mit von der Partie. Sein konkreter Entwurf hat aber weniger mit der einstigen Vision gemein als der Vorschlag des Büros Behnisch. Und auch sonst drängte sich van Berkel nicht auf.

Die Bauherren sind jetzt weit gekommen. Viel bleibt ihnen aber auch noch zu tun. Nicht zuletzt müssen sie das Politikum lösen, wie an die NS-Verbrechen erinnert werden soll, wenn die ehemalige Gestapo-Zentrale dem Erdboden gleichgemacht ist. Retten werden sie das Gebäude nicht. Immerhin hat van Agtmael den Ton gut getroffen, als er am Donnerstag darüber sprach. Auch sonst agierte er geschickter als Finanzminister Willi Stächele. Der redete viel über das Quartiersprojekt, sagte aber wenig - und musste sich trotzdem korrigieren. Etwa in der Frage, ob die geplanten Büros für Ministerien luxuriös sind oder nicht. Da ist noch Luft nach oben bei Stächele. Hoffentlich.

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