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Großeinsatz vor Disco "Mash" in Stuttgart Polizei und Veranstalter völlig uneins

Von Jürgen Bock 

Vor dem Club Mash im Bosch-Areal ist es am frühen Sonntagmorgen zu einem massiven Polizeieinsatz gekommen – doch die angebliche kurdische Gang fand sich bisher nicht Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Vor dem Club Mash im Bosch-Areal ist es am frühen Sonntagmorgen zu einem massiven Polizeieinsatz gekommen – doch die angebliche kurdische Gang fand sich bisher nichtFoto: Lichtgut/Max Kovalenko

Das gibt es selten: Die Polizei rückt mit einem Großaufgebot in einer Disco an und spricht von tumultartigen Szenen, die zur Beendigung der Veranstaltung führen. Doch danach gibt es völlig unterschiedliche Versionen davon, was in der Nacht zum Sonntag passiert ist.

Stuttgart - Die Meldung hat für Aufsehen gesorgt: In der Nacht zum Sonntag ist ein Großaufgebot der Polizei ins Bosch-Areal ausgerückt. Ein „Verantwortlicher einer Lokalität“ habe sich gemeldet und berichtet, 50 bis 70 gewaltbereite Personen seien in dem Club. Doch jetzt gehen die Meinungen darüber, was tatsächlich passiert ist, weit auseinander. Die Bandbreite reicht von einer gewaltsamen Eskalation des Kurdenkonflikts bis hin zum Sturm im Wasserglas.

Am Samstagabend war im Club Mash, in dem unterschiedliche Feiern stattfinden, eine Partyreihe namens Club Istanbul zu Gast. Ein oder zweimal im Monat feiert dort ein vorwiegend türkisches Publikum, die Musik kommt unter anderem von angesagten DJs aus der Türkei. „Um 3 Uhr sind wir telefonisch vom Sicherheitsdienst informiert worden, dass sich unter den 800 Gästen eine Gruppe von 50 bis 70 Leuten befindet, die Ärger machen wolle“, sagt Polizeisprecher Jens Lauer. Erwähnt worden sei auch, dass es sich wohl um Angehörige einer kurdischen Gang handle.

Daraufhin klingelten bei der Polizei alle Alarmglocken. 50 Beamte rückten an. Was sie vorfanden, klingt nach den Worten Lauers nicht gut: „Es gab ein heilloses Durcheinander. Da war nicht zu verifizieren, ob es sich tatsächlich um eine kurdische Gruppe handelt.“ Erst sei es im Innenraum des Clubs zu einer Schlägerei zwischen vier oder fünf Beteiligten gekommen. Danach habe sich der Tumult in ein Zelt vor dem Lokal verlagert. Die Sicherheitsleute des Betreibers hätten angegeben, überfordert zu sein.

Heizstrahler als Waffe

Draußen hätten zahlreiche Beteiligte sich „massiv geschlagen, getreten und mit Flaschen aufeinander eingeschlagen“, heißt es im Polizeiprotokoll. „Die Täter wollten sogar Heizstrahler als Waffen verwenden. Die hätten sich die Köpfe eingeschlagen“, sagt Lauer. Weil die Prügeleien immer wieder aufgeflammt und selbst mit Pfefferspray nicht zu beruhigen gewesen seien, habe man in Rücksprache mit dem Veranstalter die Feier abgebrochen. Um 4.28 Uhr sei der Club geräumt gewesen. Von 25 Personen habe man die Personalien festgestellt, drei Rettungswagen waren im Bosch-Areal im Einsatz, zwei Verletzte sind laut Polizeibericht im Krankenhaus behandelt worden. „Die Ermittlungen laufen“, so Lauer.

Ganz anders stellen jetzt die Veranstalter den Abend dar. „Die Stimmung war super“, sagt einer der beiden Organisatoren der Reihe Club Istanbul. Man habe sich über die Zeit ein „sehr gutes Publikum“ aufgebaut. und die beliebteste türkisch-orientalische Partyreihe Süddeutschlands auf die Beine gestellt. Er selbst habe im Inneren des Clubs nichts mitbekommen.

Sein Partner berichtet, plötzlich sei ein Großaufgebot der Polizei vor dem Club aufgelaufen und habe ihn informiert, dass sich eine große Anzahl Mitglieder einer kurdischen Gang im Gebäude befinde. Noch während des Gesprächs sei es vor dem Eingang zu einer kleineren Schlägerei unter Gästen gekommen. Doch anstatt die Täter festzunehmen, habe die Polizei sofort Pfefferspray ins Zelt gesprüht. „Dadurch sind viele unbeteiligte Besucher in Mitleidenschaft gezogen worden. In der Folge gab es massive Vorwürfe von Gästen gegenüber der Polizei. Deshalb ist die Situation eskaliert.“ Verletzte habe es nur durch das Pfefferspray gegeben. Schließlich habe man auf Anweisung der Polizei die Feier abgebrochen.

Wer die Polizei gerufen hat, ist unklar

Laut Veranstalter sind bei der Partyreihe immer sieben bis zehn Leute einer Sicherheitsfirma im Einsatz. Deren Chef sagt: „Laut meinen Mitarbeitern gab es eine kleine Schlägerei mit drei bis vier Beteiligten. Die wurden dann rausgeschmissen.“ Seine Leute hätten die Polizei nicht gerufen. Das sagen auch die beiden Veranstalter sowie der Geschäftsführer der Mash Event GmbH, der ebenfalls vor Ort gewesen ist. Er vermutet, eventuell könne ein Gast, der kurz vor dem Großeinsatz hinausgeworfen worden ist, die Polizei gerufen oder das Gerücht von der kurdischen Gang gestreut haben. Auch er habe von Schwierigkeiten im Club nichts mitbekommen – und er sagt: „Dafür spricht, dass es keine Festnahmen gegeben hat.“

Auch wenn der polizeilichen Einschätzung der Gefahrenlage in diesem Fall widersprochen wird, berichten viele Sicherheitsdienste, die im Nachtleben tätig sind, dass es häufiger zu Eskalationen kommt als früher. Peter Streibel ist seit 16 Jahren selbst als Türsteher aktiv und betreibt gleichzeitig eine Türstehervermittlungsagentur. „Der Bedarf ist in den letzten Jahren massiv angestiegen“, sagt er, „das Nachtleben verroht immer mehr.“ Mittlerweile seien Türsteher nicht mehr nur vor Clubs, sondern auch vor vielen ganz normalen Bars in der Innenstadt gefragt. „Das war vor einigen Jahren noch anders.“ Teilweise habe sich das Aufgebot an Türstehern verfünffacht.

Im Bosch-Areal herrscht weiter Uneinigkeit über die Vorkommnisse. Beim nächsten Mal wollen die Veranstalter auf Nummer sicher gehen: „Wir werden keine Männergruppen ohne Damenbegleitung mehr einlassen“, sagen sie. Um Gerüchten über Gangs von vornherein entgegenzutreten.

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