Großbrand bei Reisser in Böblingen Noch immer werden Glutnester entdeckt

Von Sascha Schmierer 

Nach der Brandkatastrophe bei dem Böblinger Sanitärhandel Reisser: Immer noch werden neue Glutnester entdeckt, die Löscharbeiten können noch Tage dauern. Ein Feuerwehrmann liegt auf der Intensivstation. Wegen der Einsturzgefahr kommen Experten nicht in die zerstörte Lagerhalle.

Tag Eins nach der Brandkatastrophe bei dem Böblinger Sanitärhandel Reisser: Immer noch werden neue Glutnester entdeckt, die Löscharbeiten können noch Tage dauern. Ein Feuerwehrmann liegt auf der Intensivstation. Wegen der Einsturzgefahr kommen Experten nicht in die zerstörte Lagerhalle.

Böblingen - Eine Feuersbrunst wie am Mittwoch hat der Böblinger Kreisbrandmeister Guido Plischek noch nicht erlebt. „Das war höchstwahrscheinlich der größte Brand in der Nachkriegsgeschichte des Landkreises“, sagt er. Im Einsatz waren insgesamt 232 Feuerwehrleute, 130 Fahrzeuge und zwei Helikopter. Kurz nach 15 Uhr war in den gut 8000 Quadratmeter großen Lagerhallen des Böblinger Sanitärgroßhändlers Reisser ein Feuer ausgebrochen, das sich binnen weniger Minuten in ein regelrechtes Inferno verwandelte.

Meterhoch schlugen die Flammen aus dem Lagergebäude, Propangasflaschen explodierten in der lodernden Glut. Die 50 Meter hohe Rauchsäule war bis Stuttgart zu sehen. Der Bahnverkehr wurde durch quer über die Gleise verlegte Löschwasserschläuche stundenlang lahmgelegt. Auf der Autobahn 81 bildeten sich acht Kilometer Stau.

Exakte Höhe des Schadens ist noch nicht bekannt

Bei dem Sanitärgroßhändler mit nahezu 40 Standorten vor allem im Südwesten ist auch am Donnerstag niemand zu erreichen, der Auskunft über das Ausmaß der Brandkatastrophe geben kann. Die Chefetage hetzt von einer Besprechung zur nächsten, muss den drohenden Abriss der Lagerhalle mit Statikern und Brandexperten klären. Fragen zur Versicherung des 400 Mitarbeiter zählenden Betriebs müssen warten. Auch eine exakte Höhe der millionenschweren Schäden ist noch längst nicht bekannt.

Schließlich ist das Feuer im Gewerbe-gebiet Hulb auch am Donnerstag noch nicht komplett gelöscht. Immer wieder tauchen neue Glutnester auf, wegen der akuten Einsturzgefahr kann die Feuerwehr weiterhin nur von außen löschen. Begehbar ist die Lagerhalle nicht – die Trümmer könnten jederzeit in sich zusammensacken. „Wir kommen immer noch nicht rein“, erklärt Polizeisprecher Peter Widenhorn auf dei Frage nach der Brandursache. Nach ersten Meldungen ist das Feuer im Bürotrakt ausgebrochen. Näheres ist nicht bekannt. Der Böblinger Kreisbrandmeister Plischek rechnet damit, dass eine auf knifflige Abrissarbeiten spezialisierte Firma den Auftrag erhält, das zerstörte Gebäude Stück für Stück abzutragen. „Es läuft wohl auf einen kontrollierten Teilabriss hinaus“, heißt es auch bei der Polizei über die Zukunft in der Hans-Klemm-Straße. Klar ist: Erst wenn die Einsturzgefahr gebannt ist, können auch die Ermittler ihre Arbeit aufnehmen – und in den Trümmern nach Spuren suchen.

Wasserversorgung vor Ort reichte nicht aus

Gebannt werden konnte die Feuersbrunst am Mittwoch nur durch die gemeinsame Löschhilfe der Berufsfeuerwehr aus Stuttgart, der Brandschützer aus dem Mercedes-Benz-Werk in Sindelfingen und der Helfer aus den umliegenden Kommunen. Sie schafften mit vereinten Kräften, dass die Flammen nicht auf die Nachbargebäude übergriffen. Weil die Wasserversorgung vor Ort nicht ausreichte, mussten Schläuche zum 1,8 Kilometer entfernten Langen See auf dem Böblinger Flugfeld verlegt werden. Der Wasserspiegel senkte sich während der Löschaktion um fast zehn Zentimeter. Allein durch den dicksten Schlauch flossen etwa 8000 Liter Wasser pro Minute – und das über mehrere Stunden hinweg.

Weil die Löschwasserschläuche quer über die Gleise der S-Bahn verliefen, kam der Zugverkehr über Stunden zum Stillstand. Bis 19.15 Uhr mussten Ersatzbusse eingesetzt werden. Schlimmeres verhinderte die Feuerwehr auch dank eines besonderen Löschmittels: Dem Wasser zugesetzt wurde in einer einprozentigen Konzentration ein in Fachkreisen als F 500 bekanntes Tensid. Die Chemikalie sorgt durch mehr Verdunstungskälte für einen zusätzlichen Kühleffekt: „Dadurch ­konnten wir eine Brandwand über vier Stunden halten, obwohl sie nur für die Hälfte der Zeit ausgelegt war“, sagt Kreisbrandmeister ­Plischek. Der Übergriff der Flammen auf andere Gebäudeteile wurde erfolgreich verhindert.

Ein Feuerwehrmann erlitt bei dem Einsatz eine Rauchgasvergiftung und liegt auf der Intensivstation im künstlichen Koma. Guido Plischek: „Ich habe den Kollegen noch am Einsatztag im Krankenhaus ­besucht. Wir alle sind mit unseren Gedanken bei ihm und seiner Familie.“ Auch zwei weitere Feuerwehrmänner hatten mit einer Rauchgasvergiftung zu kämpfen, sie ­konnten allerdings wieder aus dem ­Krankenhaus entlassen werden.

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