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Griechisch-orthodoxe Kirche am Leipziger Platz Ein Stück Heimat fernab der Heimat

Kathrin Thimme, 17.07.2013 11:35 Uhr

S-West - Seit drei Jahren entsteht das Kunstwerk im Altar- und Kircheninnenraum der griechisch-orthodoxen Gemeinde Himmelfahrt Christi. Es ist eine langwierige und auch spirituelle Arbeit. Es stellt die Erzählungen des Neuen Testaments dar, angefangen bei der Geburt Jesus. „Das Kirchengemälde spielt für die Griechisch-Orthodoxen keine dekorative Rolle, sondern ist Teil der Liturgie“, sagt der Künstler Konstantinos Baltzakis.

Entsprechend gibt es feste Regeln, an die sich der Künstler halten muss, beispielsweise bei der Farbgebung. So steht Rot für das Geistliche und Blau für das Weltliche. Auch muss die Reihenfolge, in der das Gemälde entsteht, sich an der testamentarischen Erzählung orientieren. Doch es bleibt auch Raum für künstlerische Freiheit. „Oftmals werden für neue Gemälde alte Malereien kopiert“, so Baltzakis, „ich habe meine eigenen Entwürfe gemacht.“ Diese aber wurden eng mit dem Pfarrer Zacharias Batzakakis und dem Kirchenrat abgestimmt. Allein das Erstellen des 70-seitigen Buches, in dem das Projekt haargenau beschrieben wird, bis hin zu Erläuterungen, welche Farben und Techniken angewandt werden, hat drei Monate gedauert.

Es geht schrittweise voran

Pfarrer Batzakakis ist seit 2009 Pfarrer in Christi Himmelfahrt, einer von zwei griechisch-orthodoxen Gemeinden in Stuttgart. Die zweite ist in Feuerbach, insgesamt haben sie rund 15.000 Mitglieder. Die Gemeinde im Westen wurde 1972 gegründet. Die Evangelische Kirche überließ ihnen damals die Notkirche der Paulusgemeinde am Leipziger Platz. Diese wurde 1947/48 aus den Trümmern der alten, im Zweiten Weltkrieg zerstörten Pauluskirche gebaut. „Wir sind sehr dankbar, dass die evangelische Kirche uns diese historische Kirche gegeben hat“, sagt Pfarrer Batzakakis. Der Charakter des Sakralbaus soll deshalb nicht verändert werden.

Eine Sanierung war dennoch notwendig. Die Gemeinde hat sie parallel zur Entstehung des Kunstwerks begonnen. Abgeschlossen sind die Baumaßnahmen noch nicht. Es geht schrittweise voran, weil das Geld dafür erst zusammenkommen muss – für die Sanierung und für das Gemälde. „Wir haben keine Kirchensteuer und finanzieren alles über Spenden“, so Batzakakis. Es wird deshalb auch noch etwa zwei Jahre dauern, bis das Kunstwerk fertig ist.

Ein spannender Prozess

Doch es dauert auch ohne die Frage der Finanzierung seine Zeit, bis Baltzakis die circa 200 Quadratmeter große Fläche gestaltet hat. Allein für die Kuppel im Altarraum hat er ein Jahr gebraucht. Das Gemälde wird auf Leinwand skizziert, dann auf die Wand gepaust. Mit Hilfe eines Gerüstes und der Skizze kann er dann die Szenen der testamentarischen Erzählung malen. Baltzakis verwendet dafür Naturpigmente mit Acrylbinder, die Farben mischt er selbst. Im Altarraum hat er Blattgold verwendet, aber auch die günstigere Variante, geschlagene Bronze, die so bearbeitet ist, dass sie nicht oxidiert, kommt zum Einsatz.

Auch wenn die Entstehung für die Gemeindemitglieder schon ein spannender Prozess ist, freut sich Pfarrer Zacharias Batzakakis doch auch, wenn die Arbeiten irgendwann beendet sind. „Es bedeutet sehr viel für mich“, sagt er. „Für die Gläubigen, die in unserer Kirche beten, ist es sehr wichtig, das Göttliche mit allen Sinnen wahrzunehmen“, erklärt der Pfarrer. Sie hören die Psalme und die Musik, riechen den Weihrauch und sehen die Geschichte in Form des Kunstwerks an der Wand. „Es hilft, beim Gebet näher zu Gott zu kommen“, sagt Batzakakis.

Und in der alten Notkirche am Leipziger Platz ein Gotteshaus zu finden, das den griechisch-orthodoxen Kirchen in Griechenland ähnelt, helfe den Gemeindemitgliedern auch, sich fernab der eigenen Wurzeln auch hier heimisch zu fühlen. „Die Kirche ist wie eine Heimat für die Gläubigen“, sagt Batzakakis, „sie finden hier ihre Sprache, ihre Kultur und ihren Glauben.“

Weitere Informationen unter www.orthodoxie-stuttgart.de.

 
 
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