Gravitationswellen Größtes Rätsel des Universums ist gelüftet

Von Markus Brauer 

100 Jahre nachdem Albert Einstein Gravitationswellen vorhergesagt hat, melden US-Forscher den ersten Beweis dafür. Ihre nobelpreisverdächtige Arbeit eröffnet eine neue Ära der Astronomie.

Stuttgart/Washington - Um Punkt 16.30 Uhr Mitteleuropäischer Zeit ist es soweit: Das Jahrhundertereignis der Physik wird verkündet. Und das, obwohl das 21. Jahrhunderte gerade erst 15 Jahre, zwei Monate und elf Tage alt ist.

Mit der Verkündigung von Superlativen aus der Welt der Wissenschaft sollte man eigentlich vorsichtig sein. Doch diesmal ist es tatsächlich eine Sensation, die Gravitationsphysiker der Welt mitteilen. Unser Blick auf das Universum ist ab dem heutigen Tag ein anderer.

Einsteins Theorie nach 100 Jahren bestätigt

Erstmals haben Astronomen Gravitationswellen direkt nachgewiesen und damit eine 100 Jahre alte Vorhersage von Albert Einstein (1879-1955) belegt. Die Gravitationsphysiker vom Ligo-Observatorium in den USA präsentieren ihre nobelpreisverdächtige Entdeckung an diesem 11. Februar 2016 in Washington. Auch deutsche Forscher vom Max-Planck-Institut in Potsdam und Hannover sind an der Suche beteiligt gewesen.

Gravitationswellen entstehen, wenn große Objekte wie Sterne beschleunigt werden. Dabei stauchen und strecken sie die Raumzeit. Sie breiten sich mit Lichtgeschwindigkeit aus und verbiegen dabei den Raum - ähnlich wie ein ins Wasser geworfener Stein, der sich ausbreitende Wellen auf der Oberfläche erzeugt.

Signale aus Schwarzen Löchern

Das Spezialobservatorium Ligo in den USA fing die Signatur zweier verschmelzender Schwarzer Löcher auf. Der Nachweis bestätige nicht nur die Existenz der Gravitationswellen, sondern bedeute auch eine neue Ära in der Astronomie, betonen die Forscher. „Wir haben eine neue Art Teleskop gebaut und ein völlig neues Feld eröffnet“, sagt Rainer Weiss vom amerikanischen Massachusetts Institute of Technology in Boston.

Erstmals ließen sich nun Schwarze Löcher direkt beobachten, erläutert Alessandra Buonanno, Direktorin am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Potsdam. Die Möglichkeit, Gravitationswellen direkt zu messen, stelle ein fundamental neues Werkzeug zur Erforschung des Universums dar, betont Buonanno. „Damit beginnt mit Sicherheit eine neue Ära in der Physik und Astronomie.“

Physiker suchen seit 50 Jahren direkten Nachweis

Gravitationswellen gehören zu den spektakulärsten Vorhersagen von Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie, die er 1915 veröffentlichte (die Spezielle Relativitätstheorie präsentierte er bereits im Jahr 1905).

Jeder beschleunigte Körper sendet demnach Gravitationswellen aus - also auch ein Autofahrer, der an einer Ampel startet. Die Wellen sind umso stärker, je mehr Masse der Körper hat. Jedoch sind sie in der Regel so winzig, dass Einstein selbst nicht daran glaubte, dass man sie jemals messen könnte. Seit über 50 Jahren suchen Physiker einen direkten Nachweis.

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