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Graffiti-Beauftragter „Graffiti sollen hell und freundlich sein“

Von Andrea Jenewein 

Florian Schupp vor einem Graffiti im Westen, das durch ihn initiiert wurde. Foto: Max Kovalenko
Florian Schupp vor einem Graffiti im Westen, das durch ihn initiiert wurde.Foto: Max Kovalenko

Über Graffiti lässt sich streiten: Die einen halten sie für Schmierereien, die anderen sehen darin Kunst. Der Graffiti-Beauftragte Florian Schupp vermittelt zwischen den Fr“onten.

Stuttgart – Über Graffiti lässt sich streiten: Die einen halten sie für Schmierereien, die anderen sehen darin Kunst. Der Graffiti-Beauftragte Florian Schupp vermittelt zwischen den Fronten.

Herr Schupp, sind Graffiti Sachbeschädigung oder Kunst?
Graffiti liegen zugegebenermaßen irgendwo in diesem Spannungsfeld – und es ist unheimlich schwierig, sie richtig einzuordnen.

Warum?
Das liegt daran, dass Graffiti viele verschiedene Facetten haben. Manche Leute machen sogenannte Bombings und gehen auf Quantität: Sie wollen möglichst viele Graffiti hinterlassen. Das ist mit Sicherheit keine Kunst, sondern Vandalismus. Diese Graffiti sollen provozieren.

Und was ist Kunst?
Das kommt natürlich darauf an, wie man Kunst definiert. Und das ist schwer zu beantworten, da es ja auch Geschmackssache ist. Aber eine Gegenfrage: Ist Werbung immer von allen gewollt oder künstlerisch wertvoll? Wohl kaum. Aber wenn ich eine Firma und viel Geld habe, kann ich meine Umwelt damit vollkleistern und belästigen.

Ist es weniger verwerflich, ein künstlerisch wertvolles Bild illegal an einer Hauswand anzubringen, als diese vollzuschmieren?
Nein, das finde ich nicht. Da kann man keinen Unterschied machen. Ich komme selbst aus der Graffiti-Szene, und zu meiner Zeit haben wir Graffiti dort gemalt, wo die Züge fahren und es sowieso nur graue Betonwände gibt. Man muss aber sagen, dass das nicht immer korrekt war. Ein Haus darf man nicht einfach besprühen, denn es gehört jemandem. Und der hat ein Recht, darüber zu bestimmen, was mit seinem Eigentum passiert.

Sie sind Graffiti-Beauftragter – wie machen Sie das Ihren Jugendlichen klar?
Wir fragen junge Graffiti-Maler bei der Jugendarbeit oft: „Hey, jetzt hast du ein Auto, ich mache dir ein Tag drauf!“ – „Äh, nö!“ – „Ja wieso nicht? Das ist genau das, was du machst, wenn du ein Haus bemalst.“ Allerdings differenziert man zwischen einem Haus und einem historischen Gebäude. Eine Kirche etwa betagt man nicht, das heißt, man beschmiert sie nicht mit einem Signaturkürzel. Das sind Standards.

Und die werden auch in der Szene akzeptiert?
Ja. Aber es gibt immer einige, die sich überhaupt nicht darum kümmern. Und die zerstören den ganzen Ruf der Szene, denn es werden immer alle in einen Topf geworfen.

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