Gewerbliche Schule Backnang EU-Projekt soll elektrisieren

Von Martin Tschepe 

Die Schule hat ein nagelneues Elektroauto für die Werkstatt erworben. Foto: Gottfried Stoppel
Die Schule hat ein nagelneues Elektroauto für die Werkstatt erworben. Foto: Gottfried Stoppel

Die Mechatroniker der Gewerblichen Schule in Backnang kooperieren mit Partnern in Finnland. Die Backnanger Schüler haben aber Benzin im Blut und sind skeptisch, wenn es um Elektromobilität geht.

Backnang - Gleich soll das ehrgeizige Europa-Projekt „Electro Mobility on the Road“ (Emor) in der hübsch herausgeputzten Autowerkstatt der Gewerblichen Schule Backnang mit einem wahren Redenmarathon offiziell eingeläutet werden. Die Azubis des ersten Lehrjahres, die sich zu Kfz-Mechatronikern ausbilden lassen, haben Platz genommen in der hinteren Reihe. Die meisten von ihnen sind skeptisch, das sieht man auf den ersten Blick.

Angesprochen auf das Thema Elektromobilität, dem sie sich in den nächsten Jahren im Rahmen des EU-geförderten Erasmus-Projekts widmen sollen, wird schnell klar: Diese jungen Männer haben Benzin im Blut und bis dato wenig am Hut mit der schönen neuen E-Welt. Einer sagt: „Elektro hat doch keine Zukunft. Zu gefährlich, die Autos stehen doch ständig unter Strom.“ Benziner, sagt sein Nebensitzer und grinst dabei breit, seien „was Geiles“. Einer erklärt sogar: „Ich hasse Elektro.“ Andere wiederum kritisieren die angeblich maue Endgeschwindigkeit von E-Autos.

Eine E-Tankstelle auf dem Schulgelände

In den kommenden drei Jahren sollen sich diese Lehrlinge aber gemeinsam mit Azubis aus dem finnischen Oulu und ihren Lehrern mit Fragen wie dieser beschäftigen: Welche Werkstattinfrastruktur ist für E-Autos erforderlich? Sie sollen in Tests bewerten, wie sich die verschiedenen Modelle fahren. Sie werden in Kooperation mit der Stuttgarter Robert-Mayer-Schule eine Elektro-Tankstelle auf dem Schulgelände bauen. Und sie sollen Menschen zum Thema E-Mobilität befragen. Zusammen mit finnischen Schülern werden die Azubis im Backnanger Sommer die E-Flitzer bei extremer Hitze genau unter die Lupe nehmen und im bitterkalten finnischen Winter.

Die Leiterin der Gewerblichen Schule, Isolde Fleuchaus, sagt, es gelte, „im Hightech-Land der Automobilindustrie das zukunftsweisende Thema Elektromobilität in den Fokus zu rücken“. Fast alle Redner erklären, dass die im Rahmen des Erasmus-Programms geförderten Einzelprojekte immer auch das Ziel hätten, bei den jungen Leuten Interesse und Verständnis für das wichtige Projekt Europa zu wecken. Norbert Barthle, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, erklärt, dass sein Haus viel Geld springen lasse, zum Beispiel für 15 000 Elektro-Ladesäulen. Ihm sei indes wichtig, dass „technologieoffen“ gefördert werde, das Ministerium setze nicht einseitig auf batteriebetriebene Fahrzeuge.

„Die Lehrlingen müssen einen riesen Spagat machen“

Siegmut Keller vom Kultusministerium erklärte, die Gewerbliche Schule greife mit dem Emor-Projekt ein „wichtiges gesellschaftliches und wirtschaftliches Thema“ auf. Backnang bezeichnete er als „Erasmus-Kompetenzzentrum“, weil in der Stadt schon so viele Projekte über dieses Programm gefördert worden seien.

Was Christian Reher sagt, das dürfte den skeptischen Schülern ganz gut gefallen. Der Geschäftsführer der Kfz-Innung der Region, erklärt, die Lehrlinge müssten einen „Riesenspagat“ machen und sich in das Thema E-Mobilität hineinfuchsen, zugleich aber alle Fertigkeiten erlernen, die zur Wartung der 55 Millionen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor erforderlich sind. Bis dato seien in Deutschland nur etwa 34 000 Elektroautos auf den Straßen.

Der Lehrer Heribert Gantner unterrichtet Fahrzeugtechnik und erklärte am Rande der Veranstaltung, dass es ganz bestimmt gelingen werden, die Azubis auch für das Thema E-Mobilität zu begeistern. Sie müssten nur mal Platz nehmen in einem Elektroauto und ordentlich Gas geben – die Motoren seien enorm spurtstark.

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