Ein sehr brisantes, weil vielfach vernachlässigtes Thema sind laut Leschke Schlafstörungen. Zwar gehen Menschen, die nur schlecht geschlafen haben, in der Regel zur Arbeit - wenn auch übermüdet. Dies führt aber, so Joachim Grün, zu einer schlechteren Arbeitsqualität und sogar zu Unfällen. Neun Prozent der Betroffenen sind am Arbeitsplatz so müde, dass sie dagegen ankämpfen müssen, einzuschlafen.
Tatsächlich werden Schlafstörungen als Ursache verschiedener Beschwerden oft gar nicht erkannt. "Die Ärzte fragen das selten ab", betont Leschke. Denn zum Patientengespräch fehle vielfach die Zeit, bezahlt werde den Ärzten fast nur noch die apparative Medizin. Schlafstörungen würden in den meisten Fällen durch Stress ausgelöst, sagt Leschke. Sie könnten aber auch ein Hinweis auf funktionelle Störungen wie eine Herzschwäche oder Bluthochdruck sein. "Als Symptom sind Durchschlafprobleme durchaus ernst zu nehmen."
Die Meisten versuchen sich selbst zu heilen
Wenig bekannt sei, dass 35 Prozent aller über 50-jährigen Patienten mit Bluthochdruck an einer Schlafapnoe litten, also Schnarchattacken mit Aussetzern der Atmung. Die Patienten wüssten oft nichts von dem Symptom und stellten lediglich eine regelmäßige Tagesmüdigkeit fest. Gegenüber ihrem Arzt gingen sie deshalb nicht auf das Problem ein.
Laut Matthias Leschke gibt es zu wenig Schlafmediziner in der Region. Schlaflabore seien von den Kliniken aus Kostengründen schwer einzurichten, aber auch, weil die Fachärzte eine sehr aufwendige Ausbildung benötigten. Leschke rät Betroffenen deshalb, sich an Selbsthilfegruppen zu wenden.
Joachim Grün kann nach einer aktuellen DAK-Studie nur bestätigen, dass mangelnder Schlaf die Menschen akut beeinträchtigt. Fast jeder zweite Berufstätige schläft schlecht ein oder nicht durch. Dabei haben sich 70 Prozent mit hochgradigen Schlafproblemen noch nie an ihren Arzt gewandt. 60 Prozent versuchen eine Selbstheilung mit rezeptfreier Medizin oder Medikamenten aus der Hausapotheke.