Gestatten, Mona Frick Kein Kind sollte ohne Märchen aufwachsen

Von Brigitte Jähnigen 

Auf eigenen Wegen unterwegs: Mona Frick Foto: Frick
Auf eigenen Wegen unterwegs: Mona Frick Foto: Frick

„Wenn ich Kontakt mit Kindern habe, die es nach Stuttgart verschlagen hat, und die von mir arabisch angesprochen werden, öffnen sich deren Gesichter“, sagt Mona Frick. Den „Stuttgarter Nachrichten“ sagt sie, was sie sonst bewegt.

Stuttgart - „Vor langer Zeit, langer Zeit war da ein kleines, friedfertiges Königreich im fernen Orient. Wissenschaft war ein wichtiges Gut, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit oberste Pflicht eines jeden Bürgers.“

So beginnt das Märchen „Prinzessin Samira und die verzauberte Datel“. Geschrieben hat es Mona Frick. Und sie sagt: „Ich liebe Märchen, weil am Ende immer alles gut geht“. Zumindest ist das bei ihren Märchen so. Denn außer Samiras Geschichte hat sie auch noch andere ausgedacht. „In meinen Märchen gibt es keine Bösewichte, es gibt einen vegetarischen Wald, wo kein Tier das andere frisst, es gibt keine Bestrafungen und keine Schuld“, sagt die Stuttgarter Autorin.

Märchen haben eigene Kraft

Märchen (die Herkunft des Wortes liegt im mitteldeutschen „maere“), so die allgemeine Vorstellung, werden geschrieben, damit die Protagonisten in Prüfungssituationen des Lebens einen Reifeprozess erleben. Und schließlich siegen Licht und Liebe, Treue und Herzlichkeit über das Dunkle, Böse. Das klingt ziemlich moralisch. „Ich möchte, dass die Helden im Märchen, egal, ob es Menschen oder Tiere sind, vor allem etwas lernen“, sagt Mona Frick.

Geboren ist die Autorin als Tochter einer Deutschen und eines jordanischen Palästinensers. Märchen haben ihre Kindheit eher weniger begleitet. Doch das geschriebene Wort begleitet sie seit der Schulzeit. „In der 10. Klasse belegte ich das Orchideenfach ­Literatur, wir sollten aus den Stichworten Drache, Burg und Jungfrau ein Märchen schreiben, da hab ich gemerkt, Märchen als epische Literaturform liegt mir“, sagt sie.

Auf ihrer Website kann man lesen, dass Mona Frick mit ihren Märchen dem Leser und Hörer Toleranz vermitteln möchte. Was Intoleranz in Menschen anrichten kann, weiss sie aus eigenem Erleben. „Als ich noch einen arabischen Nachnamen hatte, begegneten mir die Mitmenschen anders als heute“, sagt sie; es muss wohl nicht besonders freundlich gewesen sein. „Ich möchte, dass Menschen, wenn sie das Stichwort Araber hören, nicht gleich an Selbstmordattentäter denken“, sagt Mona Frick.

Wandlerin zwischen den Welten

Alle zwei Jahre besucht sie ihre Großfamilie in Jordanien. „Die Verwandten wollen von Europa hören, ich spreche arabisch, ich kenne beide Welten und kann nach beiden Seiten vermitteln“, sagt sie. Das tut sie nun auch in der Flüchtlingshilfe. „Wenn ich Kontakt mit Kindern habe, die es nach Stuttgart verschlagen hat, die total entwurzelt sind, die mich ängstlich anschauen und die dann von mir arabisch angesprochen werden, öffnen sich deren Gesichter“, erzählt sie.

So hat sich auch in ihren aktuellen Roman „Küss mich in Rom“ ein Flüchtlingskind­ ­geschlichen. „Man ist nicht immer Herr ­seiner Geschichten“, lächelt sie. Mona Frick hat nicht nur weitere Liebesromane, Regiokrimis und das Märchen über Samira oder eines über ein Bärenkind und ein Glühwürmchen geschrieben.

In „Sonne, Mond und Märchen“ werden Naturphänomene und Traditionen ­märchenhaft enträtselt. Bekannte ­Sprecherinnen wie die Schauspielerin ­Barbara Stoll und Hedi Krigeskotte haben diese Texte auf einer CD eingesprochen. Ein wenig traurig ist die Autorin, dass das von ihr vor einigen Wochen angebotene Projekt „7 Tage, 7 Märchen“ zum Herunterladen im Internet zu wenig Resonanz brachte und deshalb erst einmal nicht wiederholt wird. Ohne Märchen, ist Mona Frick überzeugt, sollte kein Kind aufwachsen.

Lesen Sie jetzt