Lässt man die Sonne mal außen vor, dann braucht es für eine Bürger-Energiegenossenschaft (BEG) drei Dinge: ein großes Dach, eine Solaranlage und Bürger mit Geld. Hat man alle drei Komponenten in ausreichender Menge parat, dann funktioniert die Sache, vereinfacht gesagt, folgendermaßen: die Bürger gründen erst eine Genossenschaft, jeder kauft Anteile für mindestens 100 Euro und finanziert dadurch eine Solaranlage mit, die auf ein möglichst großes Dach gestellt hat. Sie liefert dann Strom, der ins Netz eingespeist vergütet wird. Läuft alles glatt, dann ist die Anlage nach einigen Jahren abbezahlt und die Genossenschaft verdient Geld. Das wird dann an die Mitglieder ausgeschüttet oder in neue Projekte investiert. Soweit die Theorie. In Stammheim soll sie in die Praxis umgesetzt werden. Dazu hat die EnBW ihren Kommunalberater Hartmut Fuchs in den Stadtbezirk geschickt, der vor einigen Wochen bei einer Informationsveranstaltung und vor einigen Tagen auch im Rahmen einer Bezirksbeiratssitzung das Thema im Rathaus vorgestellt hat. Ein passendes Dach hat Hartmut Fuchs schon gefunden - genau genommen zwei. "Die Sporthalle bietet zwei Flächen, die hinsichtlich ihrer Ausrichtung nach Süden ideal wären", erklärte Fuchs. Der eine Teil sei 900 Quadratmeter, der andere 1500 Quadratmeter. Wollte man diese Flächen voll nutzen, könnten zwei Photovoltaikanlagen für 90 000 und 150 000 Euro aufgestellt werden. Zur Finanzierung schließe man sich zur Bürger-Energiegenossenschaft zusammen. "Es gibt derzeit eine Einspeisevergütung in Höhe von 39 Cent, dann wären die Anlagen nach etwa acht, achteinhalb Jahren abgerechnet", sagte Fuchs, danach fließe das Geld in die eigene Tasche der Genossenschaft. Da die Einspeisevergütung im Juli auf 33 Cent sinke, verlängere sich die Dauer bis die Investition wieder reingeholt ist, rechnerisch von acht auf rund zehn Jahre. Allerdings geht Fuchs davon aus, dass die Preise für Anlagen in Zukunft sinken werden, so dass sich die Tilgungsdauer auch wieder verkürze. "Eine Anlage wird mindestens 20 Jahre genutzt." Die Miete für städtische Dächer betrage 6 Prozent der Einspeisevergütung. Das gelte auch für das Stammheimer Turnhallendach.
Die EnBW begleitet die Bürger bei der Gründung der Genossenschaft und stellt ihnen Know-How zur Verfügung. "Wir als EnBW fördern die Gründung der BEG und stellen Ihnen Unterlagen zur Verfügung, auch die Anmeldung beim Registergericht übernehmen wir, wenn gewünscht", sagte Fuchs. Gestellt würden beispielsweise ein Satzungsentwurf, Anträge sowie Software zum Führen der Mitgliederdatenbank. "Das Sagen hat die Genossenschaft, ihre Mitglieder entscheiden, welches Projekt umgesetzt wird." Nach der Gründung der BEG gebe die EnBW "gern Hilfestellung". "Der Vorstand und der Aufsichtsrat wird von den Mitgliedern gewählt", sagte Fuchs. Selbstverständlich stehe er als Ansprechpartner zur Verfügung. Und warum macht die EnBW dann überhaupt mit, wollte ein Bezirksbeirat wissen: "Wir freuen uns, wenn es heißt: "die EnBW tut was Gutes"".
In Baden-Württemberg seien laut Fuchs bislang 26 Bürger-Energiegenossenschaften mit Unterstützung der EnBW gegründet worden. Insgesamt zählten diese 3300 Mitgliedern, das eingesetzte Kapital betrage 4,3 Millionen Euro. "Ich hoffe, dass 2010 in Stammheim eine gegründet wird."
Bezirksvorsteherin Tina Hülle begrüßte die Initiative der EnBW: "Ich hoffe, dass eine Bürger-Energiegenossenschaft zustande kommt." SPD-Bezirksbeirat Peter Dietz-Vowinkel bat den Kommunalberater darum, eine weitere Informationsveranstaltung anzubieten. Fuchs möchte in nächster Zeit auf die örtlichen Vereine zugehen und sie über die BEG informieren.Des Weiteren wird es, je nach Bedarf, weitere Infoveranstaltungen geben. Bürger, nicht nur aus Stammheim, könnten sich jedoch auch direkt an ihn wenden.