Galerie der Ministerpräsidenten Oettinger und Mappus kommen in Öl

Von Arnold Rieger 

Der frühere Ministerpräsident und heutige EU-Kommissar Günther Oettinger  hat sich für die „Ahnengalerie“ der Villa Reitzenstein  porträtieren lassen – so wie alle seine Vorgänger. Foto: EPA
Der frühere Ministerpräsident und heutige EU-Kommissar Günther Oettinger hat sich für die „Ahnengalerie“ der Villa Reitzenstein porträtieren lassen – so wie alle seine Vorgänger.Foto: EPA

Einmal Ministerpräsident, immer Ministerpräsident. Zumindest in der Ahnengalerie der Villa Reitzenstein gibt es keinen Rücktritt. Jetzt gesellt sich Günther Oettinger zur Altherrenrunde. Mappus zierte sich lange.

Stuttgart - Erwin Teufel macht eine Geste, als wolle er jemanden mit Handschlag begrüßen. Gleich wird er die Brauen heben und sagen . . . Lothar Späth dagegen sitzt im Sessel, und aus seiner Körperhaltung spricht Ungeduld, die Fingerkuppen sind aneinandergepresst. Hans Karl Filbinger wiederum schlägt die Beine übereinander, er wirkt ­gelassen, oder ist es arrogant?

Die Porträts der Ministerpräsidenten in der Villa Reitzenstein stammen von ganz unterschiedlichen Künstlern und sind zu verschiedenen Zeiten entstanden. Und doch regt jedes von ihnen den Betrachter an, das Typische der porträtierten Person zu erkunden – nicht nur äußerlich, sondern auch in der Art, sich zu geben.

Und ein bisschen sind die Bilder auch Schlüsselloch, denn die Künstler bannen stets ein Stück Privatheit auf die Leinwand. Dem Reiz der „Ahnengalerie“ kann sich jedenfalls niemand entziehen.

Künstlerin ist für ihre Männerbilder bekannt

Umso gespannter wartet die Öffentlichkeit jetzt auf den Neuzugang, den der Hausherr, Ministerpräsident Winfried Kretschmann, am Freitag enthüllen will: Günther H. Oettinger, Regierungschef von 2005 bis 2010 und mittlerweile Kommissar bei der EU in Brüssel, wird der nächste in der Galerie sein. Das Bild misst 146 mal 116,5 cm und wird neben jenem seines Vorgängers Erwin Teufel in der Eingangshalle der Regierungszentrale hängen.

Oettinger durfte sich – wie alle Porträtierten – die Künstlerin selbst aussuchen: Sie heißt Anke Doberauer, ist 1962 geboren, und lehrt als Kunstprofessorin an der Akademie der Bildenden Künste München. International bekannt wurde sie durch ihre Serie großformatiger Männerbilder.

Diese sind meist nur mit einem (erfundenen?) Vornamen betitelt. „Massimo“ zum Beispiel blickt den Betrachter in Unterhemd und Jogginghose an. „Michel“ steht im Wollpullover da, Josef in Umhang und Hut. Und „Günther“?

Die Spannung speist sich auch aus dem Umstand, dass Frau Professorin Doberauer ihre Porträts häufig nackt beziehungsweise leicht bekleidet zu malen pflegt. Sie wird doch wohl nicht . . .?

Noch ist das Gemälde geheim

Ihre zum Teil großformatigen Bilder zeigten den Mann „als androgynes, narzisstisches und sehr verletzliches, aber auch sehr begehrenswertes Wesen“, heißt es in einem Lexikonartikel über die Malerin. Und dass der männliche Betrachter sich beim Betrachten häufig „entblößt“ fühle.

Nun denn, ein Blick aufs Bild ist noch nicht gestattet. Auch der Preis „verträgt das Schnaufen nicht“, wie Erwin Teufel sagen würde, ist also noch unter Verschluss. Erst am Freitag will die Künstlerin, die in München und Marseille lebt, ein paar Worte „zum Entstehungsprozess“ ihres Werkes verlieren, heißt es in der Einladung. Auch der Porträtierte selbst sei dann zugegen und werde seine feierliche Enthüllung kommentieren.

Mappus lässt sich nun doch malen

Traditionell werden die Regierungschefs nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt in einem Gemälde verewigt. Der nächste in der Reihe wäre also Oettingers Nachfolger ­Stefan Mappus. Lange Zeit war unsicher, ob sich der CDU-Politiker, der nur etwas mehr als ein Jahr das Zepter führte und 2011 abgewählt wurde, überhaupt malen lässt. Doch mittlerweile scheinen die Wunden zu verheilen, Mappus sei „bereit, sich Zeit zu nehmen“, heißt es im Staatsministerium.

Die Ministerpräsidenten sind übrigens nicht die einzigen Politiker, die sich auf Staatskosten verewigen lassen dürfen. Auch von den Wänden der Fachministerien blicken mehr oder weniger huldvoll die längst den Ruhestand genießenden Ressortchefs. Statt Öl und Acryl überwiegen dort allerdings Fotografien – vielleicht auch deshalb, weil das schneller geht.

Geduldig Porträt zu sitzen ist nicht jedermanns Sache. Viele ­fragen sich, wie ausgerechnet der quirlige Oettinger das ausgehalten hat.

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