Fußball-Nationalmannschaft Glück, Moral, Klasse: Die Serie hält

Von Marco Seliger 

Götze gegen Rabiot: Das Duell Deutschland gegen Frankreich endet 2:2 Foto: dpa
Götze gegen Rabiot: Das Duell Deutschland gegen Frankreich endet 2:2 Foto: dpa

Durch das 2:2 gegen Frankreich schraubt die deutsche Mannschaft ihre beeindruckende Serie auf 21 Spiele ohne Niederlage. Die Partie hat aber auch manche Schwäche schonungslos aufgedeckt.

Köln - Die letzte Minute der Nachspielzeit lief bereits, als Mario Götze daran erinnerte, warum er einmal als neuer Weltstar galt. Auf brillante Weise legte der WM-Held von 2014 den Ball in den Lauf von Lars Stindl, der mit wenig Mühe ins Tor der Franzosen traf. Besser hätte dieser sehr wechselvolle Fußballabend in Köln nicht enden können.

Die Kombination der eingewechselten Offensivspieler sorgte im letzten Länderspiel des Jahres für das 2:2 (0:1) gegen bärenstarke Franzosen – und rettete eine makellose Bilanz: Von 15 Partien in diesem Jahr gewann die DFB-Auswahl elf und spielte viermal unentschieden; mit einer B-Besetzung wurde zwischendurch der Confed-Cup gewonnen. 20 Spiele lang war der Weltmeister nach dem 0:2 im EM-Halbfinale gegen den französischen Gastgeber unbesiegt geblieben – bis nun wieder die Équipe tricolore auf der anderen Seite stand. Diesmal ist es gerade noch einmal gut gegangen. „Wir brauchen Spiele auf Augenhöhe – das war ein Spiel auf hohem Niveau“, sagte Joachim Löw.

Defizite werden aufgedeckt

Der Bundestrainer durfte sich bestätigt sehen: Die Franzosen werden in Russland zu den größten Brocken auf dem Weg zur erhofften Titelverteidigung gehören. Das stellten sie in Köln sehr eindrucksvoll unter Beweis und deckten gleichzeitig schonungslos die deutschen Defizite auf, die gegen schwächere Gegner in der Qualifikation nicht ins Gewicht gefallen waren. „Es ist völlig normal, wenn man in verschiedenen Konstellationen spielt, dass man das eine oder andere Abstimmungsproblem hat. Ich denke, dass wir insgesamt dieses Jahr auf allerhöchstem Niveau mithalten konnten“, sagte Sami Khedira, der die Mannschaft als Kapitän angeführt hatte.

So überfordert wie selten wirkte die DFB-Elf in der ersten Hälfte, in der sie der Klasse der Franzosen nichts entgegenzusetzen hatte. Die Gäste standen sicher in der Abwehr – und zelebrierten nach Ballgewinn genau das, was zuletzt Löw bei seiner Mannschaft vermisst hatte: überfallartig zu kontern. Beeindruckend war es, mit welchem Tempo, welcher Zielstrebigkeit und technischen Perfektion das Team von Trainer Didier Deschamps seine Angriffe vortrug.

Trapp genießt das Vertrauen

Weltklasse das völlig verdiente 1:0 in der 34. Minute: Per Direktabnahme brachte Außenverteidiger Lucas Digne den Ball von links in die Mitte, wo Anthony Martial auf engstem Raum Innenverteidiger Niklas Süle ausspielte. Den Querpass des Stürmers von Manchester United brauchte Alexandre Lacazette vom FC Arsenal nur noch ins Tor zu schieben. Chancenlos war Kevin Trapp im deutschen Tor, der den langzeitverletzten Manuel Neuer vertreten durfte. Der Frankreich-Legionär, bei Paris St. Germain nur noch Ersatz, bewahrte sein Team mit starken Paraden vor weiteren Gegentreffern. „Das Vertrauen des Bundestrainers tut gut, das wollte ich zurückzahlen“, sagte Trapp.

Seine Vorderleute wiederum wollten die schwache erste Hälfte nicht auf sich sitzen lassen und zeigten nach der Pause eine Reaktion. Plötzlich waren die Gastgeber das dominierende Team – und kamen durch Timo Werner zum Ausgleich. Gegen England hatte der frühere Stuttgarter noch beste Chancen vergeben, nun traf er nach tollem Zuspiel von Mesut Özil durch die Beine von Torhüter Steve Mandanda zum Ausgleich. „Wir sind zurückgekommen und haben Moral bewiesen“, sagte Löw.

Götze freut sich über die Rückkehr

Nur Zentimeter fehlten wenig später zur Führung, als der Freistoß von Toni Kroos an die Latte prallte. Ausgerechnet in die beste deutsche Phase hinein folgte im Gegenzug der nächste französische Präzisionsangriff: Alexandre Lacazette sorgte mit seinem zweiten Treffer für die erneute Führung der Franzosen (71.).

Die Niederlage schien besiegelt – bis Götze und Stindl im bei Weitem nicht ausverkauften Stadion doch noch für den etwas schmeichelhaften Ausgleich sorgten. „Ich habe sehr lange dafür gearbeitet, wieder hier zu sein“, sagte Götze, „das war für mich ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Es war eine großartige Sache.“

Für die deutsche Nationalmannschaft ist nun erst einmal Pause – im kommenden März beginnt die ganz heiße Vorbereitungsphase auf die Weltmeisterschaft. Dann werden Spanien und Brasilien die deutsche Elf auf den Prüfstand stellen.

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