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Fußball Die Reizfigur

Gunter Barner, vom 10.02.2012 13:00 Uhr
Der ehemalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder  bei der  Verleihung des Julius-Hirsch-Preises 2011 im Meilenwerk in Düsseldorf. Foto: dpa
Der ehemalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder bei der Verleihung des Julius-Hirsch-Preises 2011 im Meilenwerk in Düsseldorf. Foto: dpa

Stuttgart - Im März wird er 79, aber auf eine Frage weiß er noch immer keine Antwort. Warum trennte er die Menschen wie kaum ein anderer? Er senkt die Mundwinkel, zuckt mit den Achseln und brummt: „Sagen Sie es mir.“ Einleuchtend ist: Er wollte nie zu den Politikern gehören, die glattgebügelt wie ein weißes Hemd im Schrank der Geschichte liegen.

Es gibt Menschen, die ihn ungemein schätzen. Vielleicht so wie einen Traumpass im Fußball. Und es gibt solche, die seinen Namen so gern lesen wie den Mahnbescheid vom Finanzamt. „Du hast 150-prozentige Freunde“, beliebt sein Parteikollege Günther Oettinger zu scherzen, „und 150-prozentige Feinde. Und beide sind zu hundert Prozent überzeugt, auf der richtigen Seite zu stehen.“

Die Memoiren waren eigentlich nicht geplant

Solche Erkenntnisse haben den Rechtsausleger der baden-württembergischen Christdemokratie noch nie in die Depression getrieben. „Wenn ich angegriffen werde“, sagte er immer dann, wenn die Luft dünn wurde, „fange ich nicht an zu weinen.“ Fast 30 Jahre lang hat ihn die Rolle als Bad Boy der Landespolitik mehr herausgefordert als verdrossen. Und manchmal schien es, dass er erst dann zu großer Form auflief, wenn seine Gegner aus allen Rohren feuerten. Doch jetzt, da sein Leben auf die Zielgerade biegt, soll der Blick zurück keiner im Zorn sein.

Mit den Memoiren, sagt er, sei es eigentlich so gelaufen wie häufig in seinem Leben: „Das war so nicht geplant.“ Doch jetzt gibt es sie, aufgelegt mit 3000 Exemplaren und versehen mit der Skepsis des Beschriebenen: „Meine Güte, wer will das denn lesen?“

Jene vielleicht, die bis heute nicht davon zu überzeugen sind, dass sich hinter dem Markennamen MV mehr verbirgt als die mit Rolex-Uhr und Goldkettchen bewehrte Reizfigur, für die sie den Bonvivant der Landespolitik Zeit seines Wirkens hielten. Oder auch jene, die sich immerfort mit der Frage quälten, wie um alles in der Welt der Skandal-Hansel im Ministerrang allen Anfechtungen aus Politik und Sport widerstehen konnte.

MV spielte virtuos mit dem Netzwerk seiner Beziehungen

Mitte der 90er Jahre, als er in Verdacht geriet, dem Steuern hinterziehenden Tennis-Vater Peter Graf einen Promi-Bonus gewährt zu haben, hefteten sich 20 „Spiegel“-Rechercheure an die Fersen des hartleibigen Hauptmanns der Reserve. Eine Kerbe durften sie sich trotzdem nicht in den Schreibtisch ritzen. MV hat den öffentlichen Wirbelsturm genauso unbeschadet überstanden wie die Affären um Toto-Lotto, Schellenturm oder Südmilch. Nur einmal ging der alte Kämpe leicht in die Knie: Als unsere Zeitung enthüllte, dass der ehrenamtliche Präsident gegen Ende seiner 25 Jahre beim VfB die Hand aufgehalten hatte. „Ich muss zugeben“, gestand er später ein, „das ging an meine Ehre. Das hat mich tief getroffen.“ Nennenswerte Folgen hatte es nicht. „Meinen Skalp“, jubelte MV, „hat sich nie einer an den Gürtel gehängt.“

Der Jurist wusste immer, wie weit er unbeschadet gehen konnte, der Politiker spielte virtuos mit dem Netzwerk seiner Beziehungen, und der Mensch verstand es mit seiner Art von Umgänglichkeit auch in höchster Not, eine hinreichende Zahl von Helfern auf seine Seite zu ziehen. „Es war eine sehr intensive Phase meines Lebens“, sagt er heute, „aber alles hat seine Zeit.“

Kommentare (7)
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FEB
12
11:31 Uhr, geschrieben von Ex-CDU-Mitglied
@kauffi - "So sind die Baden - Württemberger geschnitzt."
Die Deutung "Markenname MV" ist eine absichtliche Falschprägung, von negativ auf positiv. MV und seine CDU haben 60 Jahre lang einer unglaublich selbstzufriedenen besitzbürgerlichen Elite das Wort geredet. Mayer-Vorfelder profitierte von einer Clique, die sich aufgrund der ländlich-konservativen Bevölkerungsstruktur einerseits und der wirtschaftlichen Macht der Produktionsregion rund um Stuttgart andererseits lange Zeit zu Recht der scheinbar ewigen Zustimmung großer Teile der Bevölkerung sicher sein konnte. Einer Gruppierung, die über die Jahrzehnte andauernd von ehemaligen Nazis oder später von Figuren am äußerst rechten Rand des CDU-Spektrums dominiert wurde. Dazu gehört bis heute selbstverständlich "unser MV" (für Kultusminister Gerhard Mayer-Vorfelder waren Hausbesetzer „schlimmer als die SA“, für Günther Oettinger war Herr Filbinger ein „Gegner des NS-Systems“ und Stefan Mappus begann seine politische Karriere als Aktivist gegen die Wehrmachtsausstellung in Pforzheim). Es kann ja vielleicht sein, dass die repräsentative Demokratie vor arroganten Besserwissern schützt, vor Altnazis und neuen Revanchisten schützte sie im Ländle jahrzehntelang dagegen kaum. Deren übliche politische Durchwinkpraxis, die sich immer auf ein obrigkeitsstaatliches Netzwerk örtlicher Funktionäre und Würdenträger stützen konnte wurde unterbrochen durch die sogenannten Wutbürger, die mutig von ihrem demokratischen Recht auf öffentliche Einmischung Gebrauch machen. MV findet vielleicht noch in der eigenen CDU ein paar unverbesserliche Anhänger, in der breiten Öffentlichkeit ist er gottseidank vergessen.
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FEB
10
18:25 Uhr, geschrieben von p.kauffi
Die zwei Seiten des MV
Unser ehemaliger VfB Präsident MV hat zwei Gesichter. Als Allemanischer Sturkopf hat er seine Ziele erkämpft. Egal wer der Gegner war und das waren nicht wenige. Am Schluß hat MV recht behalten und gesiegt. Als letztes denke ich an Franz Beckenbauers (Liebling aller Deutschen) Worte. Der MV wird heute abgewählt und somit schließt sich beim DFB die Akte MV. Nach der Debatte und Wahl, wurde MV wiedergewählt und um ein zusätzlicher DFB Präsidentenposten erweitert. Dieses Rückrad und Kämpferherz hat kein einziger Politiker in Deutschland oder einer der jetziger VfB Spieler. Kein Mensch kannte so viele Tricks, Kniffe und Klüngelpolitik. Er war der absolute Drahtzieher und der letzte Verteidiger des christlichen Abendlandes. Wischi Waschi kann er auch noch heute nicht leiden. Deshalb sagt er immer gerade aus was er denkt und fühlt. So sind die Baden - Württemberger geschnitzt.
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FEB
10
16:20 Uhr, geschrieben von Fusballfans
@ Reigeschmeckter
und ihm haben die Schulkinder die Winter/Faschingsferien zu verdanken, damit er mit seinen Kindern zum Skifahren konnte, hat er spontan den Schulferienkalender geändert ! @ erpse, außer gluck-gluck fällt mir noch ein Tun-Wort ein, das allerdings nicht für einen Leserkommentar geeignet ist !!
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