Fünf Jahre Gauthier Dance Eric Gauthier gibt die Fäden nicht aus der Hand

dpa/lsw/bb, 12.07.2012 06:51 Uhr
Der Tausendsassa Eric Gauthier feiert mit dem Ensemble Gauthier Dance fünfjähriges Bestehen.

Stuttgart - Was er in den nächsten fünf Jahren erreichen möchte? Diese Standardfrage bringt Choreograph Eric Gauthier ins Grübeln. „Ich habe schon erreicht, was ich vorhatte“, sagte er - und grinst. Klingt vielleicht überheblich, ist es aber nicht. Fünf Jahre nach dem Start von Gauthier Dance hat sein Ensemble zwölf statt anfangs sechs Tänzer, ist international unterwegs, hat mit dem Deutschen Tanzpreis und dem Theaterpreis „Der Faust“ zwei renommierte Auszeichnungen eingeheimst und wird zudem jetzt öffentlich gefördert. Ein guter Grund zum Feiern. Und das tut die Truppe auch - vom 12. Juli an mit der Jubiläumsshow „Celebration“ im Theaterhaus.

Gauthier: Wir bringen viel Glück zu vielen Menschen

Gauthier Dance“ sticht heraus, wie die Ehrungen zeigen. „In der modernen Tanzwelt ist es auf der Bühne oft düster und ernst. Wir machen das anders - und bringen viel Glück zu vielen Menschen“, sagt er und strahlt. Ist er ein strenger Chef? „So halb-halb“, sagt er. Sein Anspruch sei hoch. „Alles muss tipptopp sein.“ Der Erfolg stehe und falle natürlich mit seiner „tollen Crew“. Was einen guten Tänzer ausmacht, kann der Chef nicht so recht sagen: „Niemand weiß, wie ich sie auswähle - aber ich habe fast immer recht.“

Wenn der Choreograph seine Tätigkeiten aufzählt, kann einem schwindelig werden. Seine Familie und seine Compagnie teilen sich die Pole-Position. Wenn er nicht mit dem Ensemble durch die Welt tourt oder den zweijährigen Carlos in den Kindergarten bringt, tritt er mal mit seiner Band in „seinem“ Heusteigviertel auf, liegt als Leiche vor der "SOKO Stuttgart"-Kamera oder schneidet den Film für die Jubiläumsshow. Er wisse schließlich am besten, wie er ihn haben wolle. Auch als Tänzer steht er noch auf der Bühne. „Ich weiß, ich bin nicht mehr der Jüngste und suche die Stücke danach aus“, sagt der 35-Jährige.

Kürzertreten kommt für den 35-Jährigen nicht in Frage

Dass es jetzt vor dem Jubiläum selbst für einen hartgesottenen Tausendsassa wie ihn happig wird, gibt er zu. „Gestern habe ich etwas Druck gefühlt.“ Noch einmal würde er den Kraftakt des Compagnie-Starts wohl auch nicht schultern können. Kürzertreten scheint für ihn dennoch undenkbar, weil er seinen Beruf einfach liebt. Die Suchtgefahr sei da. Umso wichtiger sei die Familie für ihn - als ruhender Pol. „Meine Frau ist ein ganz normaler Mensch, nicht aus der Ballettwelt. Sie bringt mir das Gleichgewicht.“

Naht mit dem Erfolg der Abschied? Nein, Eric bleibt - zumindest erst einmal. Weitere vier Jahre mit dem Theaterhaus sind sicher, sagt er. Das Ensemble kann finanziell etwas durchatmen, seit sich die Stadt mit 300.000 und das Land mit 100.000 Euro am Jahresbudget von 1,2 Millionen Euro beteiligen. Die Auszeichnungen hätten da Wunder gewirkt, sagt Gauthier. Jetzt würden sie gern noch New York, Paris und London erobern. Und nach den vier Jahren? „Das weiß ich noch nicht.“ An Angeboten mangele es nicht. Mehrere Staatstheater hätten die Fühler nach ihm ausgestreckt.

Viel Lob von Kollegen und Wegbegleitern

Auch die Stuttgarter Kollegen loben Gauthier in den höchsten Tönen: „Er ist ein außergewöhnlicher Tänzer, ein großartiger Kollege und ein wundervoller Mensch. Und nun hat er etwas großartiges geleistet“, schwärmt Intendant Reid Anderson vom Stuttgarter Ballett, der Gauthier seit dessen zehntem Lebensjahr kennt.

Auch Ballettmeister und Compagnie-Coach Egon Madsen ist begeistert: „Was Eric in nur fünf Jahren aufgebaut hat, ist fantastisch.“ Beim Choreographieren habe Gauthier das Publikum im Blick. Madsen würdigt auch die Tänzer: „Die Truppe ist toll: sehr motiviert, lernbereit und tänzerisch ausgezeichnet.“ Zum Jubiläum wünsche er: „Weiter so“.

Hier geht es zu den Terminen der Jubiläumsshow "Celebration" im Theaterhaus.

 
 
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