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Friseur Ahmet Bilir Waschen, schneiden, nie verlegen

Von Ingrid Sachsenmaier 

Ahmet Bilir, türkischstämmiger Stuttgarter, bei der Modenschau in Mailand. Foto: StN
Ahmet Bilir, türkischstämmiger Stuttgarter, bei der Modenschau in Mailand.Foto: StN

Ahmet Bilir ist modisch viel unterwegs. Bei den Modeschauen für die kommende Frühjahrs- und Sommermode wird der Stuttgarter Hairstylist von weltberühmten Labels wie Etro, Trussardi, Missoni oder Ter et Bantine gebucht.

Stuttgart/Mailand - 22 Kilogramm wiegt der Stylingkoffer von Ahmet Bilir. Mit ihm im Handgepäck ist er nach Mailand geflogen. „Da habe ich alles drin, was ich brauche, um ein kreatives Haarstyling umzusetzen“, sagt der 44-Jährige. Mit Stephan Mall betreibt er den Salon La Coupe in Stuttgart. Als Bilir 2005 Friseur des Jahres wurde, hat ihn Eugen Souleiman entdeckt.

Souleiman ist einer der erfolgreichsten Haarmode-Stylisten. Der New Yorker Top-Friseur wird weltweit gebucht, wenn es um modische Frisuren geht. Und er stellt sich dazu ein internationales Team zusammen. Ahmet Bilir gehört dazu. London. Mailand. Paris. Dort kommen zweimal im Jahr die Kollektionen der einflussreichsten Marken auf den Laufsteg, Modeverrückte und handverlesene Promis sitzen mit leuchtenden Augen in der ersten Reihe. Zum Beispiel bei Etro, Trussardi, Missoni oder Ter et Bantine. Diese vier Marken hatten Souleiman und sein 15-köpfiges Team für Mailand gebucht. Bilir hat bei allen vier frisiert.

„Rund vier Stunden haben wir pro Label Zeit, um die Models für den Laufsteg zu stylen“, sagt er. Da geht es zu wie in einem Bienenstock, wuselig, aber organisiert. In einem Vorgespräch wird der Frisurentrend besprochen. „Etro etwa wollte ganz strenge, lange, glatte Haare, zu einem Pferdeschwanz gebunden und mit einer schwarzen Samtschleife gehalten“, erzählt Bilir von der Schau, bei der in Mailand rund eine Stunde lang 30 meist aus Osteuropa stammende, hochgewachsene Models über die Bühne gingen und die edlen Kreationen fürs kommende Frühjahr und den Sommer zeigten. Backstage sind das knapp 300 Minuten Hektik, auch wenn quasi alles minutiös geplant ist. Nichts wird dem Zufall überlassen.

Für jedes Label wird ein anderes Styling kreiert

Und da die Models noch relativ „gute Haare“ haben, ist das Frisieren auch noch verhältnismäßig einfach. „Je mehr Shows und Styling die Models absolviert haben, umso schlechter wird ihre Haarqualität“, weiß Bilir aus Erfahrung, der einzige Deutsche im Team. Jeder Handgriff muss sitzen, jede Minute zählt. Da ist es wichtig, sein ganz persönliches „Kit“ wie Kamm, Bürste, Föhn oder Glätteisen dabei zu haben und die Produkte, mit denen man am besten umgehen kann. So kommen dann die 22 Kilogramm Gewicht beim Stylingkoffer von Ahmet Bilir zusammen. Für den Stuttgarter ist Friseur der schönste Beruf, den er sich vorstellen kann. Er genießt Einsätze wie die bei den internationalen Modeschauen. Auch wenn sie kein Zuckerschlecken sind. In Paris ist er mit Souleiman für zehn Labels gebucht.

Und für jedes wird ein anderes Styling kreiert. So war nach den strengen Haaren von Etro bei Missoni ein stark betonter Hinterkopf, natürlich und bewegt, umzusetzen. Bei Trussardi musste mit Haarverlängerungen gearbeitet werden, sonst hätten die Models am Ende nicht alle einen Pony gehabt. Die Haare sollten weich fallen und absichtlich nicht ordentlich aussehen. Das krasse Gegenteil zu den Etro-Vorgaben.

„Jede Kundin ist individuell zu sehen. Es gibt Trends, aber man kann sie nicht generell auf alle übertragen“

Trotz des dicht getakteten Terminkalenders bleibt für Bilir meist noch ein wenig Zeit, um sich – wie jetzt in Mailand – in den Modemetropolen umzusehen. An der Porta Genova hat er eine Designerboutique entdeckt, wo er sich „nur mit den Augen“ einige Anregungen holen konnte. „Gekauft habe ich nix, das war alles viel zu teuer“, sagt er. Seine Stuttgarter Kundinnen profitieren von den Exkursionen des türkischstämmigen Stylisten, der in Deutschland groß geworden ist. 1984 hat er den Friseurberuf erlernt und blieb seitdem seiner Devise treu: „Jede Kundin ist individuell zu sehen. Es gibt Trends, aber man kann sie nicht generell auf alle übertragen. Ich will, dass sich die Frau mit ihrer Frisur wohlfühlt, das Styling muss typgerecht sein“, sagt er. Auf einen Look festlegen will er sich nicht. Nur so viel verrät er: „In diesen Winter passen warme Farben wie Mokkabraun sehr gut.“

Zwischen den Schauen in Mailand und Paris hat Bilir noch einen Tag lang bei einem Fotoshooting in der Seine-Metropole frisiert. Auch das bereichert seine Stilsicherheit und kommt seinen Kundinnen im Salon zugute. Die eher klassisch elegant ausgerichtete Mode in Mailand, das avantgardistische Paris und zwischendrin ein Fotoshooting – außer den 22 Kilogramm Handgepäck kommt Ahmet Bilir nächste Woche mit vielen modischen Inspirationen zurück nach Stuttgart und in den Salon.

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