Forum Bildung Nicht einfach mehr vom Gleichen

Maria Wetzel, 11.01.2013 20:09 Uhr
Wie sollten Ganztagsschulen organisiert sein, damit sie die Bedürfnisse von Schülern, Lehrern und Eltern erfüllen? Melden Sie sich kostenlos zu unserem Forum Bildung am 28. Januar an.

Stuttgart - „Seitdem wir die Ganztagsschule haben, sind unsere Schüler und Lehrer entspannter“, sagt Christiane Schwellinger. 2009 haben die Schulleiterin und ihr Kollegium in Leonberg die Gerhart-Hauptmann-Realschule zur offenen Ganztagsschule gemacht: Vormittags finden anstelle von sechs nur noch fünf Stunden Unterricht statt. Außerdem werden die meisten Fächer nicht mehr ein- sondern zweistündig unterrichtet, danach folgt eine 20-minütige Pause. Für die Schüler bedeutet das, dass sie weniger Fächer pro Tag haben und sich besser auf ein Thema konzentrieren können, für die Lehrer, dass sie weniger Klassen an einem Tag unterrichten und ihnen mehr Zeit für die einzelnen Schüler bleibt.

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Wegen der Entlastung am Vormittag haben die Schüler am Dienstag auch nachmittags Unterricht. An den anderen Tagen bleibt es ihnen überlassen, ob sie nach Hause gehen oder das Nachmittagsprogramm nutzen – eine Stunde Lernzeit, in der sie Hausaufgaben machen, Klassenarbeiten vorbereiten oder mit einem Lehrer Unverstandes wiederholen können. Danach können sie zwischen Sport, Musik, Kunst oder Experimenten wählen – Angebote, die teils Jugendbegleiter betreuen. In diesem Schuljahr machen täglich rund 150 Schüler von diesen Möglichkeiten Gebrauch, Tendenz steigend.

Auch die beiden benachbarten Gymnasien und die Werkrealschulen in Leonberg sind Ganztagsschulen. Im Herbst sollen die ersten zwei Grundschulen als Ganztagsschulen folgen, in den nächsten Jahren auch die übrigen. Das hat der Gemeinderat beschlossen und beim Land beantragt.

Seit Jahren steige der Bedarf an Ganztagsbetreuung in den Kindertageseinrichtungen, sagt Leonbergs Oberbürgermeister Bernhard Schuler. Viele Eltern wünschten sich ein solches Angebot auch, wenn ihre Kinder in die Schule kommen. Aber es geht ihm nicht allein um die Betreuung der Grundschüler. „An Ganztagsschulen bietet sich die Chance, Bildung, Erziehung und Betreuung als Einheit zu verstehen und in abgestimmten und vernetzten Konzepten umzusetzen“, so der Oberbürgermeister

In puncto Ganztagsschulen gehört Baden-Württemberg bundesweit zu den Schlusslichtern. Im vergangenen Schuljahr nutzten etwa ein Sechstel der Schüler Ganztagssangebote. Die grün-rote Landesregierung will den Ausbau beschleunigen. Sie sieht darin einen „wertvollen Beitrag zur ganzheitlichen Bildung, zur sozialen Gerechtigkeit, zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf und zu besseren Leistungen.“

Die frühere CDU-FDP-Koalition betrachtete die Ganztagsschule vor allem als Hilfe für Eltern, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, und genehmigte sie zunächst nur in so genannten sozialen Brennpunkten. Mit der Einführung des achtjährigen Gymnasiums 2004 wurden dann auf einen Schlag auch an den Gymnasien Nachmittagsunterricht zur Regel.

Erst aufgrund internationaler Schülervergleiche wie beispielsweise die Pisastudie rückte beim Ganztagsangebot der Aspekt der Bildung stärker ins Blickfeld. Aus Sicht von Ivo Züchner vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (Dipf) in Frankfurt aber noch nicht genug. Nach dem Ausbau der Ganztagsschule müsse es jetzt noch mehr um das Thema Qualität gehen, sagt er. Denn in Nachmittagsangeboten komme die schulische Förderung für schwächere Schüler oder auch besonders Begabte zu kurz. Eine von ihm begleitete Ganztagsschulstudie ergab, dass vielerorts Sport und Bewegung, Computer, Musik und Gesellschaftsspiele in Vordergrund stehen. Von speziellen Angeboten in Deutsch und Mathematik berichteten weniger als ein Viertel der befragten Schüler, in anderen Fächern ist das Angebot noch geringer. Auch Hausaufgabenbetreuung durch Lehrer ist nicht überall selbstverständlich. Manche Schulen verzichten ganz darauf, andere überlassen sie Ehrenamtlichen, die nicht immer mit dem Schulstoff vertraut sind. Die Jugendbegleiter, die an vielen Schulen mitarbeiten, könnten zusätzliche Impulse von außen in die Schulen bringen –, die Lehrer aber nicht ersetzen, sagt Züchner.

Von der Organisation der Ganztagsschule hängt auch ihre Akzeptanz ab. Mehr vom Gleichen – der Halbtagsschule mit einem straffen Unterrichtsprogramm – lehnen viele Eltern ab. Zudem befürchten sie, dass ihren Kindern kaum noch Zeit für den Sportverein, die Jugendgruppe oder das Erlernen eines Instruments bleibt. Und auch Vereine haben teilweise Vorbehalte, weil sie um ihre jungen Mitglieder fürchten. „Solchen Angebote sollten in die Ganztagsschule integriert werden“, empfiehlt Ivo Züchner. Auch müssten die Schulen auch zu einem Lern- und Lebensort werden.

Die Gerhart-Hauptmann-Realschule und die beiden Gymnasien in Leonberg sind in diesem Punkt schon ein gutes Stück vorangekommen. 2009 wurde die Triangel-Mensa, die engagierten Eltern einst gründeten, erweitert. Jetzt können sich Schüler und Lehrer in einem heiteren Gebäude für den Nachmittag stärken.

 
 
Kommentare (11)
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Wolf Ist schon länger als 1 Jahr her
Nun ist es so weit! Unsere Schule wird ein Schülerhaus. Zwar findet man dort nicht das gleiche Ausbildungsniveu der Pädagogen wie in den städtischen Horten aber dies soll sich noch ändern! Lau Aussage der Dorektorin ist auch noch nicht klar wie viel Kinder sie eigentlich aufnehmen kann! Zur Not könnte man Container aufstellen sagt sie!? Die Kinder bleiben bei schlechtem Wetter im gleichen Klassenzimmer in dem sie Vormittgas unterrichtet wurde. Aber, eins ist sicher! Der städtische Hort darf keine weiteren Kinder mehr aufnehmen. Nach langem Nachfragen bei dem zuständigen Jugendamt wird aber versichert, ' die Kinder die bereits dort betreut sind dürfen erst mal bleiben'! Nun erfahre ich! Auf dem Land werden Grundschulen zu Gemeinschaftsschulen umfunktioniert! Was hat denn diese beliebte neue Landesregierung mit unseren Kindern noch vor?
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Japaner Ist schon länger als 1 Jahr her
Ganztagesschule bieten vielen Chancen, vor allem für die Kinder. Gerade im Bereich der Hauptschule ist es für viele Kinder besser, sie blieben so lange wie möglich in der Schule bzw. weg von zu Hause. Das ist zwar traurig, entspricht aber leider der Realtität. Diese sieht so aus, dass viele Kindern zu Hause keinen Zuspruch, keine Unterstützung und damit keine Förderung erfahren. Das betrifft vor allem bildungsgerne Schichten. Hierfür flächendecken Ganztagesschule einzuführen, macht Sinn. Natürlich müssen diese Schulen dann entsprechend ausgestattet werden. Es gibt gute Beispiele dafür, dass dies funktioniert. In anderen Bereichen halte ich offenen bzw. freiwillige Ganztagesschule auch für sinnvoll, d.h. es sollte ein Schulangebot auch für Gymnsasien geben, das es Eltern ermöglicht, zwischen 'normaler' Schule und Ganztagesschule zu wählen. Wenn Mütter beispielsweise berufstätig sein wollen, kann die Ganztagesschule helfen. Ich denke, dass das Thema Ganztagesschule auch nicht mit dem Thema Gemeinschaftsschule zu tun hat und die Kritik an letzterem sich nicht auf die Ganztagesschule übertragen lässt. Die Sorge, dass BW sich dem Niveau 'des Nordens' angleicht, ist jedenfalls vor dem Hintergrund der Ganztagesschule nicht begründet.
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rapozuff Ist schon länger als 1 Jahr her
haben in Nord-Deutschland (beweisbar auf Grund der letzten 20 Jahre) gezeigt, was von diesem 'Modell' zu halten ist. Auf Grund dieser auf der ganzen Linie negativen Erkenntnisse ist es nicht akzeptierbar, daß über diese Sache überhaupt noch von der betr. politischen Klientel nachgedacht wird. In Baden-Württemberg: Es ist mir absolut unverständlich, daß die treue Wählerschaft der GRÜNEN aus der Baden-Württembergischen LEHRER-Wählerschaft stammen. Es wurde (per GRÜNEN-Wahlkampf) vor der Wahl Lehrerzuwachs bestimmt - nach der Wahr wird das um tausende Stellen verminderte Lehrer-Kündigungsprogramm probagiert. Das Programm der Gesamtschulen schlägt in die selbe Kerbe - Lehrer-Stellen sollen abgebaut werden. Lehrer sind Studierte - sollten diese dermaßen beweisbar primitiv hinter`s Licht zu führen sein - so sollte hinterfragt werden, ob diese Bevölkerungsgruppe (auch noch auf unser aller Kosten beamtet/kostenträchtig) in der Lage ist, unserer Kinder/Jugendliche auf das (Arbeits-)Leben in Deutschland vor zu bereiten !
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dieter Ist schon länger als 1 Jahr her
Schule ist eine Zangsgemeinschaft, die kann passen, muss aber nicht. Viele Jugendlichen finden ihre wirklichen Freunde aber in freiwilligen Gemeinschaften - Musik, Pfadfinder, Kirche, Vereine. Ganztagsschule und Integration der Angebote in den Schulalltag zerstört diese Infrastruktur sicher - völlig ohne Not! Vereine werden zu 99% ehrenamtlich geführt und betreut. Das geht aber nicht, wenn die Angebote in Stundenpläne integriert werden müssen! Bei uns betteln die Gemeinden schon bei den Vereinen, das diese die Angebote übernehmen. Da ehrenamtliche zu den erforderlichen Zeiten arbeiten müssen, soll die Arbeit in Schuklen bezahlt werden. Die Bezahlung sorgt eventuell dafür, dass jemand dazu bereit ist. Auf der anderen Seite wird damit ehrenamtliches Engagement zerstört (warum soll ich das umsonst machen, wenn die anderen Geld dafür bekommen)??) Vereine laufen deshalb so gut, weil alle das Interesse am Vereinszweck eint, Schule hingegen ist Zwang, da haben immer 80% keinen Bock auf das Angebot. Menschen, denen Vereinsareit am HErzen liegt, werden sich das nicht antun wollen. Vereine sollen billige Dienstleister für Angebote werden, die der Staat nicht aufbauen kann - sich die Loorberen aber anheften will. --und das ohne dass die Vereine für sich etwas davon haben. Mitglied werden muss ja auch niemand mehr. Das ist keine Grundlage für Vereine. Aber auch für viele Schüler ist das Horror, wenn die Zangsgemeinschaft keine Freude macht, weil man mit den Leuten nicht kann (Die gemobbten Kindr werden nun nicht mehr nur Vormittags sondern ganztags gemobb) Der erweiterte Horizont und alternative Möglichkeitne Freunde aus unterschiedlichen Stadtteilen/Gegenden/Sozialen Schichten und Hintergründen wird eingeengt. bzw. fällt ganz weg. Dass würde Kinder wirklich stark machen Zukünftig sind Kinder in der Zwangsgemeinschaft Schule gefangen. In den Ländern mit denen wir das Schulsystem vergleichen gibt es diese Infrastruktur nicht - daher sind Angebote in den Schulen zwingend erforderlich!!
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Magnus Ist schon länger als 1 Jahr her
Also, man kann ja viele Reformen und Schulformen machen. Das Beste für die Schüler sind aber einfach gute Lehrer. Lehrer, die den Unterricht von der Schülerbank aus denken und gestalten. Und so die Schüler für ihr Fach begeistern können. Und dazu braucht es keine Reformenkette.
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