Flughafen-Fernbahnhof Bei Brandschutz droht Millionen-Rechnung

Von Sascha Schmierer 

Für  Brandschutz im geplanten Flughafen-Bahnhof  (im Bild eine Großübung bei einem simulierten Tunnelbrand) ist laut Feuerwehrgesetz die Standortkommune zuständig. Foto: dpa
Für Brandschutz im geplanten Flughafen-Bahnhof (im Bild eine Großübung bei einem simulierten Tunnelbrand) ist laut Feuerwehrgesetz die Standortkommune zuständig.Foto: dpa

Laut Feuerwehrgesetz ist die Stadt Leinfelden-Echterdingen für den Aufbau einer Lösch-Truppe beim geplanten Flughafen-Fernbahnhof zuständig.

Leinfelden-Echterdingen - Ein neuer Fernbahnhof am Flughafen könnte für die Stadtkasse von Leinfelden-Echterdingen zu einer ernsthaften Belastung werden. Weil laut dem Feuerwehrgesetz stets die Standortkommune für den Brandschutz zuständig ist, drohen an der Stadt enorme Kosten hängen zu bleiben. Nach Recherchen der Filder-Zeitung ist für die Löschvorsorge in der Station ein jährlicher Aufwand von bis zu zwei Millionen Euro im Gespräch.

Der Hintergrund: Mit einem erweiterten Einsatzplan für die ehrenamtlichen Kräfte der örtlichen Feuerwehr ist eine Rettungsaktion in einem nach den Bahn-Plänen exakt 27 Meter tief im Erdboden versenkten Fernbahnhof nicht zu leisten. „Das ist wie in einem neunstöckigen Hochhaus, aber alle zu rettenden Menschen sind im obersten Geschoss. Unsere Feuerwehr ist dem nicht gewachsen“, warnte Baubürgermeisterin Eva Noller schon, als es bei der Erörterungsverhandlung zur Fildertrasse um den Brandschutz ging.

Zehn-Minuten-Frist nach dem Alarm ist zu knapp

Die Ausrüstung der Floriansjünger mit Atemschutzgeräten für den Einsatz in der Tiefe wäre noch das kleinste Problem. Doch die in aller Regel vom Arbeitsplatz ins Feuerwehrgerätehaus eilenden Helfer kämen aus Sicht von Brandschutzexperten viel zu spät, um bei einem Feuer tausende Passagiere vom Bahnsteig zu retten. Die Zehn-Minuten-Frist vom Alarm bis zur Einsatzbereitschaft kann eine Freiwillige Feuerwehr nicht garantieren – zumal der Flughafen am östlichsten Rand der Markung liegt.

Um im Ernstfall schnelle Hilfe zu gewährleisten, müsste die Stadt Leinfelden-Echterdingen ihre bisher als Freiwillige Feuerwehr organisierten Brandschützer zumindest teilweise in eine berufliche Struktur binden. Fast 20 gut ausgebildete Lebensretter wären im schlimmsten Fall für einen Einsatz im Flughafen-Bahnhof nötig. Das geht schon ohne die Frage nach Schichtdienst und Urlaubszeiten ins Geld: „Wenn wir zwei Atemlöschzüge für einen Ersteinsatz brauchen, liegen die jährlichen Kosten in einer Größenordnung von zwei Millionen Euro“, bestätigt Oberbürgermeister Roland Klenk auf Nachfrage.

Leinfelden-Echterdingen hofft auf Land und Landkreis

Bezahlen müsste den Ausbau der Feuerwehr nicht etwa die Bahn als Bauherrin der Fildertrasse von Stuttgart 21. Auch die Projektpartner (neben dem Land auch die Stadt Stuttgart und die Region) wären bei der Frage nach dauerhafter Finanzierung nicht im Boot. Laut dem Feuerwehrgesetz ist die Standortkommune für den Brandschutz zuständig – und muss im Regelfall auch finanzielle Auswirkungen schultern.

Noch allerdings hofft das Rathaus in Leinfelden-Echterdingen, die drohenden Ausgaben für die Sicherheit nicht alleine tragen zu müssen. Der Oberbürgermeister setzt auf Gespräche mit dem Land, dem Landkreis und der Bahn „Es wird versucht, eine gemeinsame Lösung zu schneidern“, lässt sich Roland Klenk bei der Frage nach dem Stand der Dinge entlocken.

Flughafen-Feuerwehr winkt dankend ab

Der ursprüngliche Plan, die Berufsfeuerwehr auf dem Stuttgarter Flughafen in das Brandschutzkonzept einzubinden, hat sich offenbar zerschlagen. Die Einsatzkräfte lehnten mit dem Hinweis, auf dem Airport genug zu tun zu haben, dankend ab. Auch bei der Werksfeuerwehr der Landesmesse handelte sich die Stadt dem Vernehmen nach einen Korb ein.

Wenig Aussicht hat auch die Hoffnung, das für die Genehmigung der Fildertrasse zuständige Eisenbahn-Bundesamt (Eba) könnte die Einrichtung einer schlagkräftigen Brandschutztruppe zu einer Auflage für die Bahn machen. Die Gründung einer für den Fernbahnhof und die ebenfalls unterirdische S-Bahn-Station am Terminal zuständigen Werksfeuerwehr wäre eine deutschlandweite Premiere. Laut dem Esslinger Kreisbrandmeister Bernhard Ditt-rich ist es nicht möglich, den Schienenkonzern juristisch zur Aufstellung einer Brandschutzeinheit zu zwingen – nur wenn eine Explosionsgefahr bestehe, wäre der Konzern rechtlich in der Pflicht.

Rathauschef Roland Klenk hatte schon beim Erörterungstermin zur Fildertrasse von S 21 öffentlich gemahnt, die Stadt Leinfelden-Echterdingen beim Brandschutz nicht allein zu lassen: „Wir haben am Flughafen eine Sondersituation mit einem potenziellen Gefahrenherd, der nicht vergleichbar ist mit einen Küchenbrand.“

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