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Flüchtlinge In überfüllten Unterkünften breiten sich Krankheiten aus

Von Jürgen Bock 

Die Matratzen in der Landesmesse wandern für die nächsten Wochen von der Halle 1 in die kleinere Halle 9 Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Die Matratzen in der Landesmesse wandern für die nächsten Wochen von der Halle 1 in die kleinere Halle 9Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Eigentlich hätten die derzeit 1800 Flüchtlinge bis Mittwoch aus dem Notquartier in der Stuttgarter Landesmesse ausziehen müssen. Jetzt werden 1000 von ihnen in die kleinere Halle 9 verlegt. Nicht wenige leiden unter gesundheitlichen Beschwerden.

Stuttgart - Das Unterbringungskarussell für Flüchtlinge dreht sich weiter: 1800 Menschen, die derzeit in einem Notquartier in der größten Halle der Landesmesse am Flughafen leben, müssen an diesem Dienstag umziehen. Viele davon allerdings innerhalb des Komplexes. Nachdem die Halle 1 jetzt benötigt wird, stellt die Messegesellschaft die kleinere Halle 9 zur Verfügung.

Die sogenannte Alfred-Kärcher-Halle am Westeingang fasst allerdings nur 1000 Menschen. „Die restlichen 800 werden mit Bussen abgeholt und auf andere Quartiere im Land verteilt“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums unserer Zeitung.

Die Halle 9 kann bis längstens 15. November genutzt werden. „Sie ist die einzige, die für mehrere Wochen zur Verfügung steht. Alle anderen sind permanent belegt“, sagt Messesprecher Markus Vogt. In den nächsten Wochen stehen auf dem Gelände am Flughafen zehn Messen und andere Veranstaltungen im Kalender, die parallel zu der Unterbringung laufen sollen. Für das zweite Wochenende des sogenannten Stuttgarter Messeherbstes müssen die Flüchtlinge dann aber auch die Halle 9 wieder verlassen.

Viele Flüchtlinge müssen medizinisch behandelt werden

Das Land sieht bei der Unterbringung der vielen Neuankömmlinge keine andere Möglichkeit, als auf solche Notquartiere zurückzugreifen, wo immer sich die Chance bietet. Allerdings bringen die überfüllten Unterkünfte auch immer mehr gesundheitliche Probleme mit sich. In der Landesmesse mussten zuletzt bis zu 145 Flüchtlinge pro Tag medizinisch behandelt werden.

„Die Leute sind entkräftet, wenn sie hier ankommen“, sagt Robert Hamm, Sprecher des Regierungspräsidiums Stuttgart. Das führe dazu, dass nicht nur Verletzungen im Krankenhaus behandelt werden müssten, sondern dass auch Durchfall und grippale Infekte an der Tagesordnung seien. Auch 28 Fälle der durch Milben verursachten Hautkrankheit Krätze sind in der Landesmesse aufgetreten, dazu gab es je ein Kind, das an Windpocken und der bakteriellen Durchfallerkrankung Ruhr gelitten hat. Die Patienten und ihre Familien sind isoliert worden, um Ansteckungen zu vermeiden. Es handele sich dabei um Einzelfälle, betont man beim Regierungspräsidium. Die meisten seien bereits therapiert. Für die Kinder in der Halle hat es inzwischen auch eine Impfaktion gegen Windpocken gegeben.

Angesichts der Enge in den Unterkünften, der Jahreszeit und der ohnehin zu erwartenden Infektionswellen rät das Landesgesundheitsamt gerade Flüchtlingen, sich gegen Grippe impfen zu lassen. „Überall dort, wo viele Menschen auf engem Raum zusammen sind, haben die Erreger leichtes Spiel“, sagt ein Sprecher. Das gilt nicht nur für die Grippe. In den vergangenen Monaten waren bundesweit in mehreren Flüchtlingsunterkünften die Masern ausgebrochen – etwa in Berlin, aber auch in Stuttgart.

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