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Flüchtlinge in Stuttgart Hungerstreik zum Teil beendet

Von Jürgen Bock 

Alles andere als komfortabel: Die Bedingungen in der Turnhalle der Realschule Raichberg sind schwierig. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Alles andere als komfortabel: Die Bedingungen in der Turnhalle der Realschule Raichberg sind schwierig.Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die meisten Flüchtlinge in einer Turnhalle im Stuttgarter Osten haben am Mittwoch ihren Hungerstreik beendet. Doch die Beschwerden über die hygienischen Verhältnisse gehen weiter.

Stuttgart - Am frühen Mittwochnachmittag herrscht Geschäftigkeit in der Turnhalle der Realschule Raichberg. Nicht nur, weil im Eingangsbereich Kinder Fange spielen. Im Stock darüber berät sich die Hausleitung mit Vertretern des Sozial- und Gesundheitsamts. Gespräche mit den 120 Asylsuchenden, die dort seit über drei Monaten leben, schließen sich an. Der Grund: Am Vortag sind weite Teile der Bewohnerschaft in Hungerstreik getreten. Drei Viertel der rund 120 Flüchtlinge in der Halle haben die Nahrungsaufnahme verweigert. Sie klagen über mangelnde Hygiene, kranke Kinder, schlechtes Essen und fehlende Perspektive.

Zwar vermeldet die Stadt, dass sich die Lage beruhigt habe und die Bewohner den Hungerstreik beendet haben, doch das gilt nicht für alle. „Wir machen weiter“, sagt eine junge Frau. Nach wie vor wisse man nicht, was geschehen soll. Von der Ankündigung der Verwaltung, am 22. Februar dürften alle Flüchtlinge aus der Halle in Systembauten oder Wohnungen umziehen, hält sie nicht viel: „Bisher hat uns das keiner offiziell gesagt. Das wissen wir aus der Zeitung.“ Zuerst habe es geheißen, nur fünf Familien würden verlegt, später dann, alle außer dreien könnten umziehen. „Wir hängen nach wie vor in der Luft.“

Nicht gelöst sind für viele Bewohner bisher auch die hygienischen Mängel, die sie kritisieren. „Mehrere Kinder waren im Krankenhaus bis hin zur Intensivstation“, klagt eine Frau. Sie hätten häufig hohes Fieber und Erbrechen. Andere klagten über Pusteln am Körper. „Wenn hier ein Kind krank wird, haben es schnell alle“, sagt sie, „das kann so nicht weitergehen. Wir sind doch keine Tiere.“ Mehrere Bewohner glauben gar, dass sie durch das angelieferte Essen krank würden. Kochmöglichkeiten gibt es in der beengten Halle für die Asylsuchenden nicht.

Gesundheitsamt stellt keine besonderen Erkrankungen fest

Die Stadtverwaltung will nach den Gesprächen und Ortsbegehungen an diesem Donnerstag darüber entscheiden, ob und welche Maßnahmen in der Turnhalle notwendig sind. Eines steht jedoch bereits fest: „Das Gesundheitsamt hat keine Epidemien oder besonderen ansteckenden Krankheiten feststellen können“, sagt Sozialamtsleiter Stefan Spatz. Die Lage in den Turnhallen sei „naturgemäß angespannt“. Der Hungerstreik im Osten habe sich vorher allerdings nicht angekündigt. Spatz sichert zu, die Vorwürfe zu überprüfen: „Wir machen das in einem geordneten Verfahren. Falls wir Missstände finden sollten, werden wir sie sofort beseitigen.“ Dazu gehöre im Zweifel auch eine Überprüfung des Caterers.

Wenn die Halle am 22 Februar geleert wird, folgt eine intensive Reinigung. Danach sollen bereits die nächsten Flüchtlinge einziehen. Der anhaltende Zustrom macht es der Stadt derzeit unmöglich, auf die Notquartiere zu verzichten. Derzeit werden fünf Turnhallen im Stadtgebiet als Flüchtlingsunterkünfte genutzt. In drei davon durften die ursprünglichen Bewohner in den vergangenen Wochen bereits ausziehen, weil andere Quartiere frei oder fertig geworden sind. Die Halle im Osten wird die vierte sein. Nur für die Alfred-Wais-Halle in Birkach gibt es bisher noch keinen Umzugstermin. Die Rede ist davon, dass die Menschen dort spätestens im Frühjahr in neue Unterkünfte verlegt werden sollen.

Der Flüchtlingszugang hat sich in den vergangenen Wochen etwas abgeschwächt – bleibt aber dennoch auf hohem Niveau. Im Januar sind über 15 000 Menschen nach Baden-Württemberg gekommen. In den vergangenen Tagen sind es jeweils zwischen 400 und 600 gewesen. Stuttgart muss gut sechs Prozent von ihnen aufnehmen.

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