Stuttgart - „Die Probezeit habe ich bestanden“, sagt Jörg Klaus Fischer (36) und lacht. Vor einem Jahr hat er den Vorsitz der Geschäftsführung der Fischerwerke von seinem Vater übernommen. Damit befindet sich das Unternehmen, das für seine Dübel bekannt ist, aber auch andere Befestigungssysteme entwickelt, der Autoindustrie zuliefert und Unternehmen berät, in dritter Generation in Familienbesitz. Mit den berühmten Baukästen von Fischertechnik ist das Unternehmen außerdem im Segment Spielzeug tätig. Ein Hobby, das sich das Unternehmen leiste, sagt der Enkel des Firmengründers Artur Fischer.
Der Firmensitz liegt nach wie vor im Nordschwarzwald. „Waldachtal ist unsere Wiege und bleibt unser Zentrum“, sagt Fischer. Der neue Firmenchef hat sich ein junges Team an seine Seite geholt und sieht dem Jahr 2012 gelassen entgegen. Zwar erwarte man nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr 2011 für dieses Jahr ein schwächeres Wachstum. Doch von einem Einbruch der Erlöse gehe man nicht aus, so Fischer. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz um vier Prozent auf 606 Millionen Euro. Zum Gewinn macht das Unternehmen keine Angaben. „Alle Bereiche sind profitabel“, sagt Fischer. Auch die Zahl der Beschäftigten legte um sieben Prozent auf 3900 Mitarbeiter zu. Davon sind etwa 2000 in Deutschland tätig. Es sei durchaus möglich, dass in diesem Jahr neue Arbeitsplätze geschaffen werden, sagt Fischer. Zudem will das Unternehmen sein Marketing ausweiten – eventuell auch mit Fernsehspots.
Befestigungssysteme sind Kerngeschäft
Schwierigkeiten gibt es jedoch im Autozuliefererbereich, der 17 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht. Die Automobilkonjunktur ist großen Schwankungen unterworfen. Daher gibt es Überlegungen, wie man die dort gewonnenen Erfahrungen auf andere Felder ausweiten kann. „Wir versuchen, den Geschäftsbereich zu behalten, aber das Risiko zu reduzieren“, sagt Fischer.
Der Kernbereich der Fischerwerke liegt mit 80 Prozent der Erlöse nach wie vor bei den Befestigungssystemen. Dabei macht der klassische Dübel aus Plastik etwa ein Drittel der Erlöse in diesem Bereich aus. Zuwächse sind laut Fischer vor allem bei den chemischen Befestigungssystemen zu erwarten. Das Unternehmen setzt daher im Jahr 2012 vor allem auf den Trend, Häuser auf weniger Energieverbrauch zu trimmen. Produkte wie die Hochleistungsklebstoffe kommen in diesem Feld zum Einsatz.
In Asien, Lateinamerika und in Osteuropa würde die Fischer-Gruppe nach Angaben des Firmenchefs „in dramatischer Form“ wachsen. Dort will Fischer auch in Zukunft zulegen. Das Unternehmen ist in 32 Ländern mit 43 eigenen Gesellschaften vertreten. In über 100 Ländern werden die Produkte verkauft.
Familienkonflikte werden konstruktiv gelöst
Vater Klaus Fischer ist nach wie vor mit 98 Prozent der Anteile fast alleiniger Inhaber des Unternehmens. Das soll sich ändern: „Erste Anteilsübertragungen sind in diesem Jahr angedacht“, sagt der Junior. Konkrete Pläne gebe es zwar noch keine, doch mit der Übertragung solle nicht so lange gewartet werden wie beim Vater.
Bei Klaus Fischer hatte es zehn Jahre gedauert, bis er die Anteile von seinem Vater übertragen bekommen hatte. Inzwischen ist er Vorsitzender des Beirats, hat aber nur eine beratende und keine operative Funktion. „Mein Vater ist noch jeden Tag in der Firma“, sagt Jörg Klaus Fischer. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn sei gut, Familienkonflikte würden konstruktiv gelöst.
Obwohl Jörg Klaus Fischer von Kindesbeinen an mit dem Unternehmen eng verbunden war und sogar bei der Spielzeugentwicklung für den Großvater als Tester eingesetzt wurde, schlug er zunächst einen anderen Weg ein. Er studierte in Cambridge Philosophie und Volkswirtschaft und strebte eine akademische Laufbahn an. Im Jahr 2005 entschied er sich doch gegen eine Promotion und für die Familientradition. Einen möglichen Stammhalter für die vierte Fischer-Generation gibt es auch schon. Sein sechs Monate alter Sohn sei das jüngste Mitglied im Fischer-Tip-Fanclub, sagt Jörg Klaus Fischer.
