Finnland Schwitzen auf vier Rädern

Von Karsten-Thilo Raab aus Kuusamo 

Mobil Wellness machen: Im finischen „Saunabussi“ ist für Unterhaltung gesorgt. Es gibt sogar eine Karaokeanlage für die Fahrgäste. Foto: Raab
Mobil Wellness machen: Im finischen „Saunabussi“ ist für Unterhaltung gesorgt. Es gibt sogar eine Karaokeanlage für die Fahrgäste.Foto: Raab

Finnland ohne Sauna ist undenkbar. Auch so geht es heiß her - besonders im Saunabus.

Kuusamo - Der Bus hält an keiner Haltestelle; verkehrt auch nicht nach Fahrplan. Dennoch geraten die Passagiere rund um Kuusamo im Nordosten Finnlands mächtig in Fahrt. Und dies im wahren Sinne des Wortes. Denn hier im hohen Norden Europas wartet mit dem ersten Sauna-Bus der Welt ein ganz besonderer Genuss auf die Wellnessfreunde. Während manche Zeitgenossen schon Schweißausbrüche bekommen, wenn sie nur an Busfahrten bei Eis und Schnee denken, kommen die Entspannungsjünger auf der Fahrt durch das beliebte Wintersportgebiet Ruka in dem 13 Meter langen Gefährt mächtig ins Schwitzen. Allerdings weniger aus Angst, eher wegen der Hitze im Saunaraum des Busses. Hier geht es heiß her: Der mit Holz befeuerte Ofen macht ordentlich Dampf und kann je nach Wunsch der Fahrgäste auf 70 oder 120 Grad Celsius aufgeheizt werden.

Saunieren mit einer anderen Perspektive

Die getönten Scheiben eröffnen während der Fahrt immer wieder herrliche Blicke auf die Fjäll-Landschaft - quasi Saunieren mit einer etwas anderen Perspektive! Noch dazu in privater Atmosphäre. Denn in der Sauna des Busses finden maximal zehn Personen Platz, auch wenn bis zu 17 Fahrgäste im Bus mitgenommen werden können. Und damit während der vierstündigen Fahrt die richtige Stimmung aufkommt, ist das Vehikel auch noch mit einer eigenen Karaokeanlage ausgestattet. Natürlich fehlen an Bord des Spezialgefährts auch eine Toilette und eine Dusche mit warmem Wasser nicht. Nur die Umkleide fällt etwas spärlicher aus, verbirgt sich hinter einem Vorhang.

„Wir wollten etwas Besonderes machen, das uns von anderen Wintersportgebieten unterscheidet“, erinnert sich Eveliina Korhonen vom Sauna-Bus-Betreiber Rukapalvelu an die Geburtsstunde dieser Idee. Jokke Kämäräinen, Geschäftsführer des Veranstalters aus Rukatunturi, suchte nach neuen Ansätzen für ungewöhnliche touristische Touren. Da in Finnland das Saunieren einen unverzichtbaren Teil des gesellschaftlichen Lebens darstellt, überlegte Jokke Kämäräinen, wie man dieses Stück Alltagskultur mit neuen Angebotsformen für Gäste aus aller Welt verknüpfen könnte. Kurzum ließ er einen alten Bus aus dem Jahre 1986 für stolze 23 000 Euro zu einer mit Holz verkleideten, mobilen Wellness-Station umbauen.

Im Winter muss man sich im Schnee wälzen

„Nur ein Kühlbecken gibt es nicht an Bord“, erklärt Eveliina Korhonen mit Verweis auf die zahlreichen naturgegebenen Möglichkeiten, sich nach dem Saunagang abzukühlen. Im Winter ist dies zuallererst das Wälzen im Schnee, dann der Sprung in ein Eisloch in einem der vielen Seen der Region Ruka-Kuusamo. Wer mag, kann sich auch in einem Spezialanzug in einem der eiskalten Flüsse ein Stück treiben lassen, um sich dann abermals in der Sauna aufzuwärmen. Die Fahrstrecke des Busses variiert je nach Wunsch der Gäste. Einige werden direkt am Flughafen von Kuusamo eingesammelt, andere an ihrer Unterkunft oder einem zuvor vereinbarten Treffpunkt. Beliebt sind vor allem Abstecher ins nahe gelegene Russland.

„Wer kann schon von sich behaupten, nur mit einem Handtuch und Badeschlappen bekleidet über die russische Grenze gereist zu sein?“, erläutert Eveliina Korhonen einen Teil der Faszination Sauna-Bus. Allerdings ist das ungewöhnliche Saunavergnügen nicht ganz billig. Für die dreistündige Tour muss eine maximal 17 Personen umfassende Gruppe 495 Euro pauschal sowie zusätzlich 15 Euro pro Person entrichten. Im Sauna-Bus ist eben auch der Preis heiß!

  Alle Reisereportagen sind in Sonntag Aktuell erschienen
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