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Finanzbürgermeister Michael Föll berät Bauunternehmen

Konstantin Schwarz, vom 03.08.2010 10:30 Uhr
Finanzbürgermeister Michael Föll Foto: Piechowski
Finanzbürgermeister Michael Föll Foto: Piechowski

Stuttgart - Die Firma Wolff & Müller, mit 1600 Mitarbeitern und jährlich 500 Millionen Euro Bauvolumen eines der großen Bauunternehmen in privater Hand, hat sich die Dienste des Stuttgarter Finanzbürgermeisters Michael Föll gesichert. Föll (CDU) berät die Wolff & Müller-Holding seit dem 14.Juli 2010 als Beiratsmitglied. Der Nebenjob wird "im kleineren Rahmen" entschädigt, sagt das Stuttgarter Bauunternehmen.

Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 sehen in der Beratungstätigkeit keinen Zufall. Föll sei "einer der Hauptbefürworter des Bahn- (und Immobilienprojekts)", das Stuttgarter Unternehmen habe einen der ersten Aufträge erhalten und werde den Nordflügel des Hauptbahnhofs abreißen. Ihre Meinung über Föll haben die Tiefbahnhofgegner an dem seit Freitag aufgestellten Bauzaun am Nordflügel plakatiert: "Erster Korruptionsverdacht bei S21?" steht dort. Gemutmaßt wird ferner, dass es sich bei der Berufung in den Beirat um eine "Belohnung" handele.

Föll: "Unterstellungen völlig haltlos"

Michael Föll, der zurzeit in Urlaub ist, hat diese Vorwürfe am Montag über sein Büro als "völlig haltlos" zurückweisen lassen. Der Zuschlag für den Abbruch sei am 18. Mai erfolgt, und zwar durch die Deutsche Bahn. Föll weiter: "Die Vergabe des Rückbaus war allein Sache der Bahn. Für mich als Bürgermeister für Wirtschaft, Finanzen und Beteiligungen ist es wichtig, im direkten Kontakt zu hiesigen Unternehmen zu stehen. So verstehe ich auch meine Tätigkeit in diesem beratenden Gremium. Daher sind die aktuellen Unterstellungen völlig haltlos."

Den neu gegründeten Beirat hat Albrecht Dürr, Geschäftsführender Gesellschafter von Wolff&Müller, hochkarätig besetzt. Neben Föll gehören ihm Friedrich Stähler, ehemals Geschäftsleitungs-Vorsitzender der Deutschen Bank, VfB-Präsident Erwin Staudt, Professor Fritz Berner vom Institut für Baubetriebslehre der Universität Stuttgart und Gerhard Wirth, Partner der Kanzlei Gleiss Lutz, an. Der Beirat hat die Aufgabe, "die Gesellschaft zu beraten sowie einen aktiven Informations- und Ideenaustausch mit Gesellschaft und Gesellschaftern zu pflegen".

Schuster hat Fölls Nebentätigkeit genehmigt

"Ein solcher Beirat ist nicht ungewöhnlich. Wir wollten unterschiedliche Fachbereiche besetzen", sagt Dürr (35) auf Anfrage. Michael Föll habe er als harten Verhandlungspartner für die Stadt in Sachen Mineralbad Cannstatt schätzen gelernt. Die Stadt löste 2009 den noch bis 2016 laufenden Mietvertrag für das Bad bei Wolff & Müller für 23,72 Millionen Euro ab. Im Beirat sollen laut Dürr "keine Themen besprochen werden, die Mitglieder in Entscheidungsschwierigkeiten bringen".

Föll, dem das Liegenschaftsamt untersteht und der als Finanzbürgermeister diversen Aufsichtsräten städtischer Gesellschaften angehört, habe bereits Konsequenzen gezogen, sagt sein Büroleiter Jürgen Wenzler: "Er ist aus dem Vergabeausschuss des städtischen Wohnungsbauunternehmens SWSG ausgeschieden." Zum Zeitpunkt der Verhandlungen um das Mineralbad "wäre die Beiratstätigkeit sicher nicht möglich gewesen", so Wenzler weiter. OB Wolfgang Schuster (CDU) hat Fölls Nebentätigkeit genehmigt. Als Wahlbeamter muss Föll eine Zusatzvergütung, die jährlich 6100 Euro überschreitet, bei der Stadt abliefern.

Kommentare (45)
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AUG
06
09:13 Uhr, geschrieben von Rainer Daeschler
@Weggezogener / Berichterstattung
»@Weggezogener: Danke für die Belehrung. Ich fordere hier niemand zur Hetzjagd auf den ersten Bürgermeister Föll auf, das besorgt dieser Herr durch sein Tun schon selbst. « Sehe ich auch so, wobei ich hier niemanden belehre. »@Weggezogener: Ich glaube kein Journalist aus Stuttgart hätte Watergate aufgedeckt, bei denen wäre Nixon heute noch Präsident.« Da wäre ich nicht so sicher. Immerhin deckten die Journalisten von STN und STZ die Hintergründe der Trump-Tower-Bauer auf, während Oberbürgermeister Schuster den für seine Klagefreudigkeit berüchtigten Investor noch lange Zeit mit Bücklingen verfolgte. Ein Journalist fängt sich heutzutage schnell eine Klage ein. Er muss sich seiner Sache sehr sicher sein, bevor er etwas brisantes publiziert, sonst wird das Landgericht zu seinem Zweitwohnsitz. Nicht immer ist allerdings die Gewichtung bei der Berichterstattung nachvollziehbar. Da haben Sie allerdings Recht.
AUG
05
20:32 Uhr, geschrieben von Weggezogener
@Rainer Daeschler
Danke für die Belehrung. Ich fordere hier niemand zur Hetzjagd auf den ersten Bürgermeister Föll auf, das besorgt dieser Herr durch sein Tun schon selbst. Meine Forderung an die StN und auch an die StZ ist nur, sich etwas mehr von der politischen Führung zu distanzieren und Entscheidungen nicht nur wiedergeben sondern auch zu hinterfragen. Ich glaube kein Journalist aus Stuttgart hätte Watergate aufgedeckt, bei denen wäre Nixon heute noch Präsident. Oder ein anderes Beispiel: In der StN-online gibt es kaum Bilder von den Montagsdemos, aber von der Nacht- und Nebelaktion Bauzaun gibt es eine ganze Bilderserie. Ich glaube das sagt doch schon alles.
AUG
05
14:14 Uhr, geschrieben von Rainer Daeschler
@Weggezogener/@Nasowas
Ich denke mal, es ist nicht Aufgabe einer Zeitung zum Halali auf den 1. Bürgermeister zu blasen. Er reicht, wenn sie das beleuchtet, was aktuell Sache ist und die Hintergründe dazu beleuchtet. Hier im Forum können wir den Bogen weiter spannen und da ist es durchaus legitim (z.b. von @Nasowas) an Vergangenes erinnert zu werden. Es erinnert auch daran, wer eine Bruchstelle in der Vita hat, sollte vermeiden sie durch neue Ausrutscher zu belasten, denn genau dort bricht sie sonst wieder auf.
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