Filmkritik: „Mein Praktikum in Kanada“ Windelweicher Volksvertreter

Von Kathrin Horster 

Der kanadische Abgeordnete Steve (Patrick Huard) gerät in mehr als eine Klemme.

Foto:Arsenal Foto:  
Der kanadische Abgeordnete Steve (Patrick Huard) gerät in mehr als eine Klemme. Foto:Arsenal

Politiker zeigen gerne ihre werbeoptimierte Seite. Spielfilme können hinter die Fassade des aufopferungsvollen Tuns führen. Aber auch Politikersatiren können langweilig geraten. „Mein Praktikum in Kanada“ beweist das.

Stuttgart - Schon Frank Capras „Mr. Smith geht nach Washington“ hat es 1939 beweisen, aktuell demonstriert es die satirische TV-Serie „Veep – Die Vizepräsidentin“: der humoristische filmische Blick in die Schaltzentralen politischer Macht kann gelingen. Auch Philippe Falardeaus Komödie „Mein Praktikum in Kanada“ um Steve Guibord (Patrick Huard), einen Ex-Eishockey-Profi, der nun als unabhängiger Parlamentsangehöriger in Nord-Québec das Volk vertritt, hätte durchaus Potenzial.

Der windelweiche Familienvater repräsentiert eine riesige Region, in der es zwischen indigener und weißer Bevölkerung kriselt. Als Steve auch noch in die Malaise gerät, mit seiner Stimme über einen kanadischen Militäreinsatz im Nahen Osten entscheiden zu müssen, gerät sein Leben völlig außer Kontrolle.

Der 1968 geborene Falardeau („Monsieur Lazhar“, „The Good Lie“) stellt dem netten Deppen einen Praktikanten aus Haiti an die Seite. Dieser in französischer Staatstheorie geschulte Souverain Pascale (Irdens Exantus) flüstert Steve politische Weisheiten ein, nachdem Steve zuvor versucht hat, ihn mit Phrasen zur politischen Praxis zu beeindrucken: „Man muss nahe bei den Menschen sein!“ . Das könnte witzig sein, wäre die Geschichte nicht mit vielen Problemen überfrachtet. Die Handlung kriecht ermüdend langsam vorwärts, die Witze sind mau. Interessantere Alternativen siehe oben!

Mein Praktikum in Kanada. Kanada 2015. Regie: Philippe Falardeau. Mit Patrick Huard, Irdens Exantus. 108 Minuten. Ohne Altersbeschränkung.

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