Film „Remember“ von Atom Egoyan Die Macht der Verdrängung

Von Brigitte Jähnigen 

Szene aus dem Film „Remember – Vergiss nicht, dich zu erinnern“. Foto: Giraud
Szene aus dem Film „Remember – Vergiss nicht, dich zu erinnern“.Foto: Giraud

Zev Guttman (Christopher Plummer) und Max Zucker (Martin Landau) sind zwei Bewohner eines Altenheims, deren Familien in Konzentrationslagern ermordet wurden. In seinem Film „Remember – Vergiss nicht, dich zu erinnern“ beschreibt Atom Egoyan deren Bemühen, dies zu rächen.

Stuttgart - Ihre Familienangehörigen hätten sich „wie Lämmer zur Schlachtbank führen“ lassen – dieses Bild quält Überlebende des Holocausts noch immer. Und so erinnern sie an Widerstand: an den Ghettoaufstand in Warschau, an Nakam (hebräisch für Rache), eine ­Aktion des jüdischen Dichters Abba Kovner, der gegen die Vernichtungspläne der Deutschen operierte.

Recht zu finden und nicht zu rächen ist bis heute die Aufgabe der Zentralstelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg. Und letztlich galt ­Simon Wiesenthal, Gründer des Simon-Wiesenthal-Center, bis zu seinem Tod 2005 weltweit als „Nazijäger“ Nummer eins.

Doch die Täter werden immer älter und mit ihnen die Opfer. Nakam – Rache – , das schwören sich auch Zev und Max, zwei ­Bewohner eines Altenheims, deren Familien einst in Konzentrationslagern ermordet wurden. Christopher Plummer spielt Zev ­Guttman, Martin Landau Max Zucker. Die Zeit drängt, den beiden Protagonisten bleibt nicht mehr viel davon , um ihre Seelen zu befrieden – Max wird bald an den Folgen einer ­Krebserkrankung sterben, Zev hat Demenz im kritischen Stadium. Von Max akribisch vorbereitet, startet Zev die Suche nach dem KZ-Aufseher, der für die Morde verantwortlich ist. Dass dieser noch lebt, davon sind die beiden fest überzeugt.

Das Erschrecken eines Dementen

Die Tragödie, die der vielfach ausgezeichnete Regisseur und Künstler Atom Egoyan („Das süße Jenseits“) wie einen Thriller ­erzählt, fesselt, wühlt auf, berührt. Christopher Plummer spielt so grandios das ­Erschrecken eines Dementen über seine Defizite, seine Orientierungslosigkeit, sein Fremdsein in sich selbst, dass man mit ihm leidet. Im Drehbuch sind vier NS-Täter mit Namen John Kurlander vorgesehen, gespielt von Dean Norris („Breaking Bad“), Bruno Ganz, Heinz Lieven und Jürgen Prochnow. Mit jedem neuen Misserfolg wird Zev Guttmans Irritation größer, seine physische Kraft weniger.

Das Vorhaben, Rache zu üben, wird mehr und mehr von Max gesteuert, der als Schaltzentrale fungiert und mit Zev in Telefonkontakt steht. Um dessen Nummer nicht zu ­vergessen, hat Zev sie sich auf den Arm ­notiert. Daneben erinnert eine tätowierte Häftlingsnummer an die Vergangenheit.

Doch so einfach macht es Atom Egoyan den Kinobesuchern nicht. Er erspart ihm weder die Erkenntnis, dass Nazis nicht ausgestorben sind, noch die, dass scheinbar sichere Fakten nicht die Wahrheit beschreiben müssen. In einer raffinierten, der Geschichtsschreibung nicht unbekannten Wendung verhandelt der Filmemacher das Thema Täter und Opfer neu. Was bleibt, ist das Offenlegen der Macht der Ver­drängung.

Ab 31.12. in Stuttgart im Kino Delphi

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