Film „Deadpool“ Der Held spaziert auf der Meta-Ebene

Von Oliver Stenzel 

Action, USA 2016. 108 Minuten Foto:  
Action, USA 2016. 108 MinutenFoto:  

Ein ehemaliger Elitesoldat dreht durch, nachdem bei ihm unheilbarer Krebs diagnostiziert wurde. Eine Behandlung verspricht ihm Superkräfte und er wandelt sich zum Rächer.

Stuttgart - Im Superhelden-Universum des US-Comicverlags Marvel gehört Deadpool zu den jüngeren und unkonventionellsten Figuren: Ein zwielichtiger Typ in schwarz-rotem, ledernem Ganzkörper-Dress, irgendwo zwischen gewaltbereitem Nihilisten und zynischem Antihelden. So eine Art großmäuliger Django des Superhelden-Genres, der allein schon wegen seiner Vorliebe für schwarzhumorige Witze und vulgäres Vokabular nicht gerade wie der Prototyp eines edlen Kämpfers fürs Gute, dafür ziemlich cool wirkt. Dank seiner enormen Selbstheilungskräfte jucken Deadpool gegnerische Bleisalven wenig, die Fans lieben ihn aber vor allem wegen seiner Sprüche, in denen er auch immer wieder ironisch die übertriebenen Geschehnisse oder Superhelden-Klischees kommentiert.

Durch die vierte Wand

Dazu kommt durch die Neigung der Figur, immer wieder die „Vierte Wand“ zu durchbrechen, also den Leser selbst anzusprechen – oder eben den Kinobesucher. Denn das Spazieren auf der Meta-Ebene übernimmt, neben all den genannten charakterlichen Eigenheiten der Figur, auch die erste Deadpool-Filmadaption, was sie allein schon aus dem Wust anderer Superhelden-Verfilmungen heraushebt und bisweilen wie eine ziemlich lustige Parodie des Genres wirken lässt.

Um die – ohnehin unstimmigen – Angaben der Comic-Vorlage zur Herkunft des Protagonisten schert sich der Film hingegen wenig. Deadpool heißt im bürgerlichen Leben Wade Wilson (Ryan Reynolds), war mal ein extrem gut aussehender Elitesoldat, später Söldner und Frauenschwarm, ehe er kurz vor der Hochzeit mit seiner großen Liebe ­Vanessa (Morena Baccarin) eine fatale Diagnose bekommt: Krebs im Endstadium. ­Verzweifelt lässt sich auf das Angebot einer Organisation ein, ihn durch eine Mutationen hervorrufende Behandlung zu kurieren und mit Superkräften auszustatten. Die strapaziöse Therapie hat letztlich Erfolg, doch der Preis ist hoch: Wade ist fürchterlich entstellt. Im Bewusstsein, für die Organisation nur ein billiges Versuchstier gewesen zu sein, schwört er auf Rache. Und die wird blutig.

Köpfe werden zerschossen

Schon in der eröffnenden Verfolgungsjagd mit anschließender Schießerei werden wie in den Filmen von Quentin Tarantino Köpfe zerschossen, Gliedmaßen abgetrennt, Körper durchbohrt. Deadpool wartet mit mehr expliziter Gewalt, Sprache und Sex auf als jede andere Superhelden-Verfilmung bislang, was in den USA für eine – durchaus gewollte – „R“-Indizierung gesorgt hat.

Dramaturgisch indes tragen Rachefeldzug und biografische Rückblenden mehr schlecht als recht über die Spielfilmdauer, die Gegner bleiben blass, und die allzu breit erzählte Heldenwerdung sorgt für einen Pilotfilm-Charakter, an dem viele Genrewerke kranken (zuletzt „Fantastic Four“).

Woanders gibt’s zu viel des Guten: Am ­laufenden Band kommen Sprüche à la „Du siehst aus, als hätte Freddy Krueger ’ne topografische Karte von Utah gefickt“ (so ein Freund Wades über dessen Aussehen nach der Mutation), was für der Pubertät schon etwas länger Entwachsene auf Dauer eher bemüht und fad wirken mag.

Dass der Film dennoch unterm Strich ein unterhaltsames Popcorn-Vergnügen bleibt, liegt vor allem daran, dass er sich nie wirklich ernst nimmt, selbst wüste Metzeleien mit Lust am Klamauk inszeniert und mit ­absurd-ironischen Referenzen nicht nur ans eigene Genre, sondern auch an die Popkultur der vergangenen Jahrzehnte nur so um sich schmeißt.

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