Fildertunnel Feuerwehr: Retter zum Warten verdammt

Von Josef Schunder 

  Foto: dapd
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Branddirektion fordert schon lange eine bessere Löschwasserleitung für den Fildertunnel.

Stuttgart - Im Fildertunnel des neuen Bahnknotens Stuttgart muss im Notfall schnellstens Löschwasser fließen. Das forderte die Branddirektion Stuttgart schon vor neun Jahren. Jetzt sieht sie sich gezwungen, die Forderung zu erneuern. Dass die Retter womöglich 45 Minuten auf Wasser warten müssten, sei ein Unding.

Stefan Eppinger ist weder als Parkschützer noch als Aktivist pro Stuttgart21 bekannt. Der Mann arbeitet als Vizechef der Branddirektion Stuttgart und ist dort Experte für Tunnelsicherheit. Als solcher schlug er am Dienstag im Rathaus Auflagen für die Bahn beim Bau des Fildertunnels vor. Diese Auflagen, meint er, seien kein Hinderungsgrund für Stuttgart21. Ihre Erfüllung sei möglich und wahrscheinlich nicht übermäßig teuer. Nach ihrer Erledigung stimme man der geänderten Planfeststellung zu.

Eine Revolution fand also nicht statt. Doch weil das Thema Stuttgart21 immer heiß ist, waren Freund und Feind des Projekts in erhöhter Alarmbereitschaft, als neben dem Tiefbauamt auch die Branddirektion zum Planänderungsverfahren für den Fildertunnel Stellung bezog.

Wasser für zehn Kilometer

Die Stuttgarter Berufsfeuerwehr fordert "eine nasse Löschwasserleitung". Das heißt übersetzt, dass die Leitung im Tunnel unter Wasserdruck stehen muss. Wäre dies, wie bisher vorgesehen, nicht der Fall, würde das Füllen der Leitung zu lange dauern. Im Notfall wären die Retter zum Warten in der nicht vom Brand betroffenen Tunnelröhre verurteilt, bis sie Wasser haben für den Angriff auf das Feuer in der Nebenröhre.

Der Grund: Die Feuerwehr müsste am Filderportal Fahrzeuge mit einer Pumpe andocken und Wasser in die Leitung jagen. Bei fast zehn Kilometer Länge müssten große Wassermengen umgewälzt werden. Wie große Mengen, hänge vom Durchmesser der Leitung ab. Die könne zehn Zentimeter stark sein, vielleicht auch etwas enger oder weiter, sagt Eppinger. Je nachdem errechne sich eine Füllzeit irgendwo zwischen 35 und 55 Minuten. Bei ihrer Abschätzung kam die Branddirektion auf 45 Minuten. Daher bestätigte Eppinger im Grunde die Rechnung des SÖS-Stadtrats und S-21-Gegners Gangolf Stocker, der auf 43 Minuten gekommen war. "Das Zeitfenster für die Befüllung der Leitung ist einfach zu groß", sagte Eppinger. Die Tunnelstrecke sei lang, und das Wasser würde normalerweise nur in einer Richtung in die Leitung gejagt werden: vom Filderportal in Richtung Stuttgarter Hauptbahnhof, weil man andersherum gegen eine Steigung anpumpen müsste.

Eine überzogene Härte für die Bahn kann Eppinger in der Forderung nach einer besseren Löschwasserleitung nicht erkennen. Es gehe eher um eine Selbstverständlichkeit. Beim Projekt Quartier S an der Paulinenstraße wolle die Feuerwehr schließlich auch, dass bei den Wohnungen an der Hochhausgrenze über den Handels- und Büroflächen sofort Wasser in die Schläuche fließe.

Fluchtwege alle 500 Meter

Für Städtebaubürgermeister Matthias Hahn war auch keine Frage, dass die Branddirektion recht hat. "Mein Verstand sagt mir, dass man diese Auflagen erfüllen muss - sonst macht man was falsch", sagte Hahn. Auf Antrag der Grünen machte sich der Ausschuss einmütig sämtliche Auflagen der Feuerwehr zum vorbeugenden Brand- und Gefahrenschutz zu eigen. Zusammen mit weiteren Anregungen und Forderungen wird die Stadt sie der Genehmigungsbehörde übersenden.

Die Grünen freilich hatten eigentlich gewünscht, dass der Ausschuss das Änderungsverfahren wegen gravierender Mängel ablehnt. In fast zehn Jahren habe die Bahn diese Mängel nicht beseitigt. Doch für die CDU zeigt gerade dieses Änderungsverfahren, dass die Bahn-Planer sich bewegten. Denn statt alle 1000 Meter soll es beim Fildertunnel jetzt alle 500 Meter Fluchtwege in Form von Querverbindungen zwischen den Tunnelröhren geben. Außerdem werde der Baustellenzugang auf den Fildern so verlegt, dass es weniger Verkehrsbelästigungen gebe. Die SPD hielt die Forderung nach einer besseren Löschwasserleitung für notwendig - dann sei es aber gut.

Vom Kommunikationsbüro für das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm war am Dienstagnachmittag zunächst nicht zu erfahren, warum die Forderung der Feuerwehr bisher nicht erfüllt wurde - obwohl auch Stuttgart-21-Schlichter Heiner Geißler nach dem Verfahren mehrfach ultimativ forderte, die Auflagen der Feuerwehr müssten erfüllt werden.

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