Filderstadt Herma drückt bei Standortausbau aufs Tempo

Von Sascha Schmierer 

Rundumblick aufs bestehende Herma-Areal an der Fabrikstraße. Foto:  
Rundumblick aufs bestehende Herma-Areal an der Fabrikstraße.Foto:  

Noch im Sommer soll der Bauantrag bei den Behörden eingereicht werden, im Jahr 2019 will der Etikettierspezialist Herma die Erweiterung am Stammsitz abgeschlossen haben. Das 100-Millionen-Euro-Projekt markiert die größte Investition in der Firmengeschichte.

Filderstadt - Bei der Erweiterung seines Firmenstandorts in Filderstadt drückt der Selbstklebespezialist Herma aufs Tempo: Noch vor der Sommerpause soll der offizielle Bauantrag für das geplante Beschichtungswerk für Haftmaterial bei den Behörden eingereicht werden, im September steht für bisher an der Fabrikstraße eingemietete Unternehmen der Umzug in ein Ausweichquartier an.

Im Januar 2017 dann, gerade mal ein Jahr nach der ersten Ankündigung, will Herma laut den beiden Geschäftsführern Sven Schneller und Thomas Baumgärtner mit den Bauarbeiten starten. Der Ausbau der Produktion gilt als „größte Investition in der 110-jährigen Firmengeschichte“. Geplant ist, die Kapazität im stark wachsenden Markt für Haftmaterial um 50 Prozent zu erweitern – von derzeit produzierten 750 Millionen auf mehr als 1,1 Milliarden Quadratmeter im Jahr. Außerdem soll die weltweit modernste Fertigungslinie für Etikettiermaschinen entstehen.

Der bisherige Standort Deizisau wird geschlossen

Der bisher für diesen Geschäftszweig zuständige Standort in Deizisau wird nach den Herma-Plänen spätestens in drei Jahren geschlossen. Für die vom Umzug von Neckartal in die Zentrale auf den Fildern betroffenen Mitarbeiter hat der Betriebsratsvorsitzende Thilo Matt einen Interessenausgleich und Sozialplan angekündigt. „Wir wissen, dass da viel Verantwortung und Disziplin auf uns zukommt. Dennoch überwiegt die Freude über die im neuen Gelände steckenden Chancen“, wird er in einer Firmenmitteilung zitiert.

Tendenziell braucht das größte Filderstädter Unternehmen durch sein starkes Wachstum freilich eher mehr als weniger Beschäftigte. Bisher stehen bei dem Etikettenspezialisten 940 Menschen in Lohn und Brot, mehr als 650 Mitarbeiter haben ihren Arbeitsplatz am Stammsitz in Bonlanden. Schon Ende 2016 soll die Zahl der Beschäftigten fast an die Tausender-Marke reichen, das sind 120 Arbeitsplätze mehr als 2014. Vor allem das Geschäft mit den Etikettiermaschinen brummt, voriges Jahr lieferte Herma erstmals über 3000 Produkte aus und erhöhte den Umsatz der Sparte auf den Rekordwert von 42 Millionen Euro. Von der Gründung einer Vertriebstochter im US-Markt wird ein weiterer Wachstumsschub erwartet.

Bis 2019 soll die Erweiterung abgeschlossen sein

Der Herma-Gesamtumsatz kratzt dank teilweise zweistelliger Steigerungsraten inzwischen an der 300-Millionen-Euro-Marke – und ist mit ein Grund, weshalb der Hersteller die auf ein Kostenvolumen von gut 100 Millionen geschätzte Standort-Erweiterung möglichst schnell über die Bühne bringen will. Bereits 2019 soll der Ausbau abgeschlossen sein. Filderstadts Wirtschaftsförderer Patrick Rapp spricht von einem „ambitionierten Zeitplan“.

Schließlich stehen neben Bauplänen auch vorbereitende Untersuchungen auf dem Programm. Ohne Verkehrsgutachten zur Regelung der erwarteten Lastwagentransporte und des Pendlerverkehrs der Mitarbeiter kommt das Großprojekt nicht aus. Bei den Beratungen zum Doppelhaushalt hatte die SPD bereits gefordert, das schon durch die Ansiedlung des Logistikzentrums von Boss gewachsene Industriequartier sorgsam unter die Lupe zu nehmen. „Wir freuen uns riesig über die Pläne von Herma und wollen dieser Entwicklung gar keine Steine in den Weg legen. Aber wenn der Verkehr weiter fließen soll, muss das Stadtviertel neu überplant werden – und zwar auf Kosten von Herma“, erklärt Fraktionschef Walter Bauer den Vorstoß.

Gesprächsbedarf über die Verkehrserschließung

Tatsächlich ergibt sich in dem Gewerbegebiet schon durch die unterschiedlichsten Nutzungen reichlich Gesprächsbedarf. Der Einkaufsmarkt ist mit seinem Publikumsverkehr eine feste Größe, auch andere Firmen müssen anfahrbar bleiben. Im Raum steht allerdings auch die Idee, dass das Unternehmen die Fabrikstraße ausschließlich für seinen Werksverkehr nutzen will – die Max-Eyth-Straße wurde vor Jahren schließlich auch stillgelegt, um dem großen Gewerbesteuerzahler einen Ausbau zu ermöglichen. Hinzu kommt, dass es sich bei der Querverbindung von der Fabrikstraße zur Raiffeisenstraße um eine Privatfläche handelt – und bisher ungeklärt ist, welche neue Nutzung für den stillgelegten Toom-Baumarkt an dieser Trasse in Frage kommt.

Gebaut wird die geplante Erweiterung auf dem so genannten Gutperle-Gelände, das sich Herma erst im Sommer 2015 ge-sichert hat. Über den Kaufpreis für das acht Hektar große Areal zwischen der Fabrik- und der Raiffeisenstraße wurde zwar Stillschweigen vereinbart. Beobachter sind sich freilich sicher, dass der Etikettierspezialist deutlich mehr auf den Tisch geblättert hat als die Vorbesitzer. Eine eigens gegründete Gesellschaft aus Viernheim – Namensgeber Werner Gutperle und drei Mitstreiter – hatte das Areal für 28,5 Millionen Euro im Jahr 2004 bei einer Versteigerung gekauft. „Es ist ein großer Glücksfall, dass dieses Gelände unmittelbar neben dem Stammsitz zur Verfügung stand“, erklärte Herma-Geschäftsführer Sven Schneller nach dem Grundstücksdeal im vergangenen Sommer. Nun drängt das Unternehmen darauf, den neu erworbenen Besitz auch zu nutzen.

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