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Fernsehballett Diözese rutscht im Showbiz aus

Winfried Weithofer, vom 26.10.2011 18:20 Uhr
Zeigt Beine: Das MDR-Fernsehballett. Nur sollte die Truppe sie nicht jedem zeigen.  Foto: dpa
Zeigt Beine: Das MDR-Fernsehballett. Nur sollte die Truppe sie nicht jedem zeigen. Foto: dpa
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Stuttgart - Das hat man von der Katholischen Kirche nun wirklich nicht erwartet: wegen eines Ballettauftritts in Tschetschenien in die Negativschlagzeilen zu kommen. Und doch: Finanzielle Verschachtelungen haben dazu geführt. Anfang Oktober weilten mehrere Mitglieder des Deutschen Fernsehballetts - eine Showgruppe mit vier Damen und zwei Herren - in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny, wo der exzentrische Republikchef Ramsan Kadyrow eine große Geburtstagsfete schmiss.

Als einer der Anteilseigner des Fernsehballetts fungiert die Münchner Beteiligungsgesellschaft Tellux, ein Unternehmen in kirchlicher Trägerschaft, an der - selbst für Kirchenkenner ein Novum - die Diözese Rottenburg-Stuttgart beteiligt ist. Mehrheitsgesellschafter des Balletts ist die Drefa Media Holding, ein Tochterunternehmen des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR).

Im Zentrum der Kritik steht Bodo Bergmann, Geschäftsführer des Fernsehballetts. Er erhielt jetzt eine Abmahnung von den Fernsehballett-Gesellschaftern, die den Auftritt in Grosny ausdrücklich missbilligten. Die Bemühungen, das Ballett als positiven Imageträger zu platzieren, hätten einen herben Rückschlag erlitten. Die Gage werde "vollumfänglich" an die Vereinigung Reporter ohne Grenzen gespendet, teilte das Gremium mit. Bergmann wurde nachdrücklich aufgefordert, vor der Annahme von Auftrittsangeboten "Veranstalter und Veranstaltungsart" zukünftig strikt mit "höchstmöglicher Sorgfalt" zu prüfen.

Auch dem Bischöflichen Ordinariat in Rottenburg ist der Tschetschenien-Ausflug des Balletts peinlich. "Wir haben davon nichts gewusst", sagte Thomas Broch, Sprecher der Diözese, auf Anfrage unserer Zeitung. "Wir bedauern das, und von solchen Regimen distanzieren wir uns." Die Zusammenarbeit zwischen München und der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat nach Brochs Worten eine lange Tradition. "Die Tellux ist eines der Instrumente der kirchlichen Kommunikationsarbeit."

Bergmann muss keine weiteren Konsequenzen befürchten.

Der für seinen ausschweifenden Lebensstil bekannte Politiker Kadyrow hatte für pompöse Feierlichkeiten in Grosny zahlreiche internationale Stars eingeladen - vordergründig ging es um die Einweihung eines Gebäudekomplexes, doch der eigentliche Anlass war sein 35. Geburtstag. Kadyrow werden von Menschenrechtsorganisationen Verbrechen gegen Zivilisten zur Last gelegt. Mit von der Partie waren unter anderen Heidi Klums singender Ehemann Seal, die Schauspieler Hilary Swank, Jean-Claude van Damme und Kevin Costner sowie die britische Geigerin Vanessa Mae. Die Oscar-Preisträgerin Swank äußerte inzwischen Reue über ihre Teilnahme.

Auch die Tellux - sie dient als Holding für diverse Firmen, die unter anderem Filme produzieren - ist empört. "Wir sind ein werteorientiertes Unternehmen", sagt Geschäftsführer Martin Choroba. "Der Vorgang ist nicht zu akzeptieren." Die Fehler, die in Grosny passiert sind, dürfen nicht wieder passieren. Grundsätzlich gebe es aber eine Entscheidungsfreiheit der Unternehmen: "Das operative Geschäft kann man ja nicht mit jedem Gesellschafter abstimmen."

Die Grünen-Abgeordnete Tabea Rößner wundert sich über die Naivität in der Diözese. "Gibt es da so wenig Kenntnis über politische Zusammenhänge? Funktioniert die Kontrolle nicht?", fragt die Medienbeauftragte. Rößners Fraktionskollege Josef Winkler, Sprecher der Grünen für Kirchenpolitik, schlägt in dieselbe Kerbe: "Ich wäre auch nicht darauf gekommen, dass ein deutsches Fernsehballett für einen tschetschenischen Diktator tanzt. Gleichwohl ein guter Anlass für die Bistümer, ihre Beteiligungen kritischer als bisher zu überprüfen."

Bergmann muss keine weiteren Konsequenzen befürchten. "Sein klares Statement, alles dafür zu tun, die künstlerischen Leitungen unseres Balletts keinesfalls politisch instrumentalisieren zu lassen, veranlasst uns, ihm weiter unser Vertrauen auszusprechen", sagen die Fernsehballett-Gesellschafter. Ist damit für die Diözese die Welt wieder in Ordnung? "Es ist richtig, es bei dieser Abmahnung zu belassen", sagt Broch. Bergmann leiste ja eine gute Arbeit. Die politische Wirkung des Ballett-Auftritts in Grosny sei gleichwohl fatal gewesen.

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